Predigt zu Apostelgeschichte 2, 1-13 am Pfingstsonntag

Was meinen Sie: Muss sich in Ihrem Leben etwas verändern? Ich weiß, das ist eine gefährliche Frage und Sie sollten sich die Antwort gut überlegen.

Wenn Sie NEIN sagen oder denken, dann ahnen Sie, dass Sie mit der Predigt ein Problem bekommen, denn wenn ich so frage, geht es wahrscheinlich um Veränderung. Wenn Sie aber JA sagen, erklären Sie vorab Ihre Bereitschaft zu Veränderungen, aber sie wissen noch gar nicht, um welche Veränderungen es sich handelt.

Und so sehr lieben wir Veränderungen gar nicht. Wir sind eher träge und bequeme Wesen.

Warum soll sich auch etwas ändern, wenn wir uns in unserem jetzigen Lebensstil und Lebensumfeld gut eingerichtet haben und fast alles einigermaßen gut läuft. Wenn es in einer Firma gut läuft oder eine Mannschaft die Meisterschaft gewinnt, denken die wenigsten an Veränderungen. In der Kirchengemeinde heißt es dann: Nicht schon wieder etwas Neues! Und im eigenen Leben strotzen wir auch nicht vor Veränderungsbereitschaft.

Wenn es uns schlecht geht,

steigt die Bereitschaft für Veränderungen, aber auch dann ziehen wir uns gerne auf das zurück, was wir noch haben oder wir greifen auf alte Verhaltensmuster zurück, die wir von früher kennen. Das Alte, auch wenn es nicht mehr gut ist, kennt man, hat sich daran gewöhnt, gibt Sicherheit. Wie heißt es doch in dem Sprichwort: „Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.“

Es ist ja auch die Frage, wer entscheidet, ob und wann und wie Veränderung notwendig ist, und wenn es Veränderung geben soll, in welche Richtung soll sie gehen?

Als die Jünger mit Jesus zusammen waren, hatten sie alles.

Warum sollte sich was ändern. Es sollte so weitergehen, nur alles noch besser werden. Dann war mit der Kreuzigung alles zerstört worden. Sie zogen sich zurück auf ihren Kreis, in das, was sie von früher her kannten, auch noch nach Ostern. Das gab Halt, Sicherheit, Schutz. Bei Veränderung dachten sie an Flucht aufs Land, zurück zu Arbeit und Familie, zum alten Leben. Das ist alles ganz normal, eine ganz normale menschliche Verhaltensweise.
Aber dann passierte Pfingsten und Gott wirkte durch seinen Geist.

Wir lesen aus der Apostelgeschichte 2, 1-13:

Predigt zu Apostelgeschichte 2
Foto: Martina Heins

1 Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle beieinander an einem Ort. 2 Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. 3 Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeden von ihnen, 4 und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab. 5 Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. 6 Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde verstört, denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. 7 Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, Galiläer? 8 Wie hören wir sie denn ein jeder in seiner Muttersprache? 9 Parther und Meder und Elamiter und die da wohnen in Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, Pontus und der Provinz Asia, 10 Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Römer, die bei uns wohnen, 11 Juden und Proselyten, Kreter und Araber: Wir hören sie in unsern Sprachen die großen Taten Gottes verkünden. 12 Sie entsetzten sich aber alle und waren ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? 13 Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll süßen Weins.

Nicht die Jünger verändern etwas, sondern Gott; nicht die Jünger bestimmen die Richtung, sondern Gott; nicht die Jünger entscheiden, ob es nötig ist, sondern Gott. Gott füllt sie an mit seinem Heiligen Geist und der wirkt die Veränderung.

In dem Bericht wird von den Feuerzungen geredet, die sich auf die Jünger herabsetzen. Durch das Feuer des Heiligen Geistes fingen sie in ihren Herzen an zu brennen. In den Augen und an der Körperhaltung sieht man, ob ein Mensch innerlich brennt oder müde und ausgebrannt ist. Die Jünger brannten aus Begeisterung über Jesus. Das brachte Bewegung wie von einem starken Wind. Sie wissen noch gar nicht, wohin sie getrieben werden, aber sie werden mächtig durcheinander gerüttelt durch göttliche Kraft. Zu sehen ist da eigentlich nichts, aber die Wirkung kann man deutlich spüren.

Das erste, was passiert, ist: Die Jünger verlieren ihre Angst:

vor der unsicheren und gefährlichen Zukunft , vor den Menschen, vor der Begrenztheit ihrer eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten; nicht weil alles wieder so war wie früher mit den alten Gewohnheiten und Sicherheiten, sondern weil sie sich angebunden wissen an den auferstandenen Herrn: Er ist da! Er lebt! Er ist bei Ihnen, wie er es versprochen hat.

Sie wissen jetzt tief im Herzen: …

Nichts kann mich trennen von der Liebe Gottes, nichts kann mich aus seiner Hand reißen. Wir sind fest mit ihm verbunden, im Leben und Sterben, in jeder Situation bis in die Ewigkeit.
… Ich bin wertvoll für Gott. Selbst wenn andere etwas anderes sagen oder ich selbst eine andere Meinung über mich habe. Gottes Meinung ist mehr wert.
… Jesus ist das Wichtigste im Leben: mein Fundament, Hoffnung, Halt, aber nicht nur für mich, sondern auch für andere.
Mit dieser Gewissheit brauchen sie keine Angst zu haben. Das wissen sie im Herzen. Das ist die erste und grundlegende Veränderung, die in ihnen geschieht.
Überlegen Sie: Wovor haben Sie Angst? Glauben Sie, dass Gott mit der Kraft seines Geistes Ihnen die Angst nehmen kann?

Pfingsten ist die Erfüllung einer langen Sehnsucht und Hoffnung: …

… von Gott, der sich nach den verlorenen Kindern sehnt.
… von
Menschen, die sich nach dem verlorenen Paradies sehnen.
Gott
und Mensch kommen zusammen und da braucht niemand mehr Angst zu haben.

Und dann passiert die zweite Veränderung:

Es entsteht Begeisterung, Leidenschaft, Mut, Freude, Liebe und Fantasie.

Im griechischen Urtext steht hier das Wort „dynamis“, was so viel wie „große Kraft“ bedeutet. Durch Gottes Kraft geschieht das alles.
Wenn Menschen begeistert sind, dann zeigen einige das durch Ausgelassenheit, zum Beispiel Fußballfans, was für Außenstehende nicht nachvollziehbar ist. Andere sieht man mit einem verklärten Blick, zum Beispiel Begeisterte von Musik, Eltern, die von ihrem Kindern begeistert sind oder Verliebte. Und wieder andere arbeiten aus Begeisterung Tag und Nacht leidenschaftlich an einem Projekt, zum Beispiel Forscher.

Allen ist gemeinsam: Sie können nicht genug davon bekommen und wollen immer mehr davon.

Die Jünger werden gepackt von der Sache Jesu. Plötzlich ist sie da: Begeisterung, Leidenschaft, Mut, Freude, Hoffnung, alles durch Gottes Geist.

Sie fragen nicht mehr: Was habe ich davon, schadet es mir, kann ich das, wie finden es andere, sondern sie brennen für Jesus. Die Jünger sind eins geworden mit dem Anliegen Jesu Christi für die anderen Menschen, dass diese Botschaft zu den Menschen muss. Jeder verstand plötzlich die Botschaft in seiner Sprache. Jeder hat den Glauben bezeugt, der eine medisch, der andere persisch, alle zu unterschiedlichen Menschen.  

Aber jetzt hier zu uns. Die Botschaft lautet: „Der Auferstandene Jesus ist Herr der Welt!“

Wir können es in allen Fremdsprachen, die wir können, gleichzeitig sagen. Dann hört es sich ähnlich an wie zu Pfingsten bei den Jüngern. Aber auch sonst können wir die Botschaft auf sehr viel verschiedene Weise weitersagen: Der eine in der Sprache der Alten, der andere in der Sprache der Jugendlichen, einer spricht zu den Intellektuellen, der andere zu handwerklich Begabten, und wieder andere zu Konservativen, zu Progressiven, usw. Jeder kann die Botschaft auf seine Weise verbreiten, wenn er von Jesus brennt.

Petrus

war ein einfacher Fischer, kein großer Redner, aber nun steht er auf und redet öffentlich und ohne Angst von Jesus. Sie waren so begeistert von Christus, dass ihnen die Angst verloren ging. Die anderen spotten, verleumden, stecken sie ins Gefängnis. Es ist nicht mehr wichtig. Die Fesseln der eigenen Angst, des eigenen Gefängnisses werden aufgebrochen, und sie werden das, wozu Jesus sie berufen hat, zu Mitarbeitern, Boten für sein Anliegen.

Was sollen wir tun, damit wir das Wirken des Heiligen Geistes in uns und unter uns noch stärker spüren;

damit der Trost, die Freude, Hoffnung, Liebe in uns stärker werden und wir die Angst verlieren vor Menschen, der Zukunft und allem, was uns bedrohen kann; die Begeisterung über Jesus groß wird und wir noch leidenschaftlicher für seine Sache eintreten, dass das auch in der Gemeinde noch mehr zum Tragen kommt, dass wir uns von ihm beauftragen lassen und neu aufbrechen, für Jesus zu den Menschen.

Das fragten die Menschen damals Petrus auch. Die Antwort von Petrus finden wir in den Versen 37 und 38 desselben Kapitels: „Tut Buße“, kehrt um! Wendet euch von ganzem Herzen Jesus zu!

Wenn es darum geht, wovon wir Leben erwarten: Glück, Hoffnung, Freude, Liebe und Überwindung der Angst, dann soll nicht das an erster Stelle stehen, was wir haben: Reichtum, Bildung, Familie, Freunde, Anerkennung, sondern das, was wir haben, sollen wir Jesus zur Verfügung stellen, um damit sein Reich zu bauen. Wir sollen unser Herz nicht daran hängen. Unser Herz soll nur an Jesus hängen.

Wir sollen offen sein, dass er in uns sein Feuer, das Feuer des Heiligen Geistes entzündet, uns neue Wege führen zu lassen, als Einzelne und als Gemeinde, wir uns von ihm in Beschlag nehmen und begeistern lassen.

Petrus: Dann werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes und seine Wirkung spüren.

Predigt zu Apostelgeschichte 2, 1-13