Predigt zu Johannes 10, 11-15 und 27-29 am Sonntag Misericordias Domini

Wie würden Sie Ihre Beziehung zu Jesus beschreiben:

schwach oder stark, zweifelnd oder fest, abwechselnd oder enttäuscht, nicht zufrieden?

Was meinen Sie, wie würde Jesus seine Beziehung zu Ihnen beschreiben?

In der Bibel gibt es viele Bilder, die die Beziehung zwischen Gott und Mensch verdeutlichen, zum Beispiel mein Fels, meine Burg, Licht, König, Hirte, Helfer, Heil, Kind, Freund, Geliebte, Weinberg, der gepflegt wird. Sie drücken aus, was Menschen die Beziehung zu Gott Menschen bedeutet.

Bild vom Hirten und den Schafen

Eines der bekanntesten Bilder, das vielen Menschen Trost und Kraft gegeben hat, ist das Bild vom Hirten und den Schafen, mit dem die gegenseitige Beziehung ausgedrückt wird, zum Beispiel in Psalm 23.

Warum hat gerade dieses Bild Menschen Trost und Kraft gegeben?

Welches Bild von Schafen und Hirte haben Sie vor Augen?

Manche haben davon ein romantisches Bild:

eine Almlandschaft, darauf ein Hirte mit Flöte und einem Hund zu seinen Füßen und eine friedlich weidende Herde. So hätten wir auch gerne unser Leben. Vielleicht ist das eher ein Bild vom Paradies.

Wenn wir im Leben durch schwere Zeiten gehen, dann entspricht das Bild von Palästina zur damaligen Zeit mehr unserem Leben.

Es gab karge und öde Landstriche, wo die Schafe alleine kaum Futter und Wasserstellen finden konnten. Wie viele fragen sich, wo bekomme ich neue Kraft her? Ich kann nicht mehr und fühle mich fremdbestimmt und ausgebrannt.

Die Schafe können sich in einer solchen Landschaft schnell verlaufen. Es gibt keine eingezäunten Weiden. Sie können in Felsspalten fallen oder sich in Dornensträucher verfangen, aus denen sie sich alleine nicht befreien können.
Für uns gibt es unzählige Wege, Angebote und Möglichkeiten. Wie schnell verlaufen wir uns, gehen Irrwege oder landen in einer Sackgasse und wissen nicht wissen, wie es weitergehen soll.

Es gab dort wilde Tiere, denen die Schafe schutzlos ausgeliefert waren. So gibt es für uns viele Gefahren im Leben: Krankheit, Tod, Probleme, die uns treffen können; wilde Tiere eher nicht, aber wilde Menschen; der Arbeitsplatz gleicht einem Haifischbecken, in dem jeder ist sich selbst der Nächste ist und den anderen zur Not auffrisst.

Die Frage ist: Wie komme ich heil durch das Leben und ans Ziel? Woher bekomme ich Kraft, Schutz und Orientierung in allen Herausforderungen?

Reichen die eigenen Kräfte und Fähigkeiten? Auch die Möglichkeiten der Familie, Freunde und Fachleute sind begrenzt und zerbrechlich.
Wie viel besser ist es, wenn ich den auferstandenen Jesus an meiner Seite habe.

In unserem Text greift Jesus dieses Bild vom Hirten auf und zeigt uns, warum die Beziehung zu ihm so wichtig und gut ist und wie sie aussieht.

11 Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. 12 Der Mietling, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht – und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie –, 13 denn er ist ein Mietling und kümmert sich nicht um die Schafe. 14 Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, 15 wie mich mein Vater kennt; und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe.
27 Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; 28 und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. 29 Was mir mein Vater gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann es aus des Vaters Hand reißen.

Wir wollen uns diesen Text einmal im Einzelnen ansehen:

Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe!

Jemand der alles für mich tut, damit es mir gut geht, wo findet man das sonst? Würden Sie das für einen Freund tun? Ganz ehrlich? Haben Sie jemand, der das für Sie tun würde? Jesus hat es getan, damit wir nicht ohne Gott, gottlos leben müssen. Wir wären verloren, würden uns verlaufen, fest sitzen, keine Kraftquelle haben, allen Gefahren schutzlos ausgeliefert sein. Ohne Gott zu leben? Was für ein furchtbarer Gedanke . Wie schön, dass es anders ist.

Ich kenne die Meinen, sagt Jesus!

Wie oft denken wir: Mich versteht sowieso keiner. Wer kennt mich denn auch wirklich, wer kann mich verstehen? Letztlich ist jeder allein auf sich gestellt. Aber ich kenne mich ja selbst oft gar nicht richtig, und verstehen tue ich mich auch nicht immer. Jesus kennt mich. Und wenn die Bibel von Kennen spricht, dann meint sie liebendes Kennen. Jesus kennt mich so vollkommen, wie Gott und Jesus sich kennen. Er nimmt mich hinein in die vollkommene göttliche Gemeinschaft. Er kennt meine Sehnsüchte und Träume, meine Enttäuschungen, Verletzungen und meine Tränen. Er versteht, warum ich in einer bestimmten Weise handle, was ich oft selber nicht verstehe. Mit Jesus habe ich jemand, der mich ganz und gar kennt, und der mich so sehr liebt, dass er sein Leben für mich hingibt. Mehr kann es nicht geben. Oder haben Sie mehr?

Ich gebe ihnen das ewige Leben!

Das kann nun wirklich niemand sonst. Das ist das allergrößte. Mit ihm hat selbst der Tod keine Macht mehr. Er bringt mich durch den Tod und das Gericht in Gottes Ewigkeit, einfach so, ohne Gegenleistung.

Niemand kann sie aus meiner Hand reißen.

In der Hand des allmächtigen Herrn zu sein, mehr Sicherheit gibt es nicht. Paulus schreibt in Römer 8, 38+39: Nichts kann mich trennen von der Liebe Gottes in Jesus Christus. Mit Jesus kann mir nichts geschehen, was seinem Willen entgegensteht. Das ist wunderschön. Als ich dies begriffen habe, hat das meinen Glauben verändert. Ich werde in Ewigkeit gehalten, geliebt von dem, der sein Leben für mich hingab.
Das Bild vom Hirten gibt eine Antwort auf die grundlegenden Fragen nach Geborgenheit und Halt, nach Orientierung, Kraft und wie werde ich mit dem Sterben fertig. Deshalb war das Bild so beliebt und hat so vielen Menschen Kraft und Trost gegeben. Und heute? Wollen wir Jesu Schaf sein oder fühlen wir uns dazu zu stark, nicht schwach genug.

Schauen wir uns jetzt aber noch die Merkmale für die Schafe an:

Sie kennen mich!

So wie er uns kennt, so wie Gott und Jesus sich kennen. Wir werden in die ewige Gemeinschaft mit hineingekommen und wir geben uns hinein. So wie er uns liebend kennt, so kennen wir Jesus mit Liebe. Wir kennen seine Sehnsüchte, Wünsche, Anliegen, seinen Willen, seine Ziele. Und weil wir ihn lieben, wird das alles unser. Es werden unsere Sehnsüchte, Wünsche, Anliegen, unser Willen und unsere Ziele für unser Leben.

Sie hören auf mich!

Nicht als Pflicht, als Last, was man auch noch bewältigen muss, sondern als Sehnsucht. Es ist etwas wunderschönes, wenn wir das Wort unseres Herrn hören in der Bibel, im Gebet und in der Gemeinschaft mit anderen Christen.

Sie folgen mir.

Wir hören nicht nur, sondern tun das Gehörte auch, setzen in die Tat um, lernen von ihm. In Matthäus 7, 24ff sagt Jesus: Wer mein Wort hört und tut, der gleicht einem klugen Mann, …“ Das Tun ist wichtig, weil das unser Leben verändert.

Wenn wir das alles hören, was gibt es dann noch zu überlegen?

Kann ich dem nicht vertrauen, der mich kennt, mich so sehr liebt und mir die Ewigkeit schenkt, in dessen Hand ich sicher bin. Was will ich mehr?

Ist es nicht sehr verwunderlich, dass wir immer noch, uns nicht noch fester an Jesus binden, immer noch an seiner Treue und Zuverlässigkeit zweifeln und andere Dinge für wichtiger halten wie zum Beispiel Familie Freunde, Geld, Gesundheit und Erfolg.
All das ist wichtig, aber nichts kann das übertreffen, was Jesus für uns bedeutet.
Ich habe einmal das Johannesevangelium laut in einer Kirche gelesen. Als ich es las, dachte ich, wenn die Menschen das einmal ganz offen hören, dann werden sie alle in die Knie gehen und sagen: Wir wollen um jeden Preis zu Jesus gehören.

Gibt es einen besseren Begleiter für das Leben und für das Sterben und für die Ewigkeit?

Predigt zu Johannes 10, 11-15 und 27-29