Predigt zu 4. Mose 21, 4-9 am Sonntag Reminiszere

Blicken Sie einmal einen Augenblick zurück auf das, was Sie bislang erlebt haben in Ihrem Leben in den verschiedenen Stationen:

Kindheit, Jugend, Ehe, Kinder, Beruf, Freundschaften, Vereine, usw. Wie waren diese Zeiten gefüllt: schöne Abschnitte, ruhige,  unruhige und schwere, unerfüllte Wünsche, Hoffnungen, mit Enttäuschungen? Welche Rolle hat Gott gespielt, welche Erfahrungen mit ihm gemacht?

So sind Sie bisher durch dieses Leben gewandert. Und wie geht es nun weiter?

Was erhoffen Sie sich und worauf vertrauen Sie? Was ist das Ziel für Ihr weiteres Leben, dass Sie gerne erreichen möchten, egal wie alt Sie sind?

Um eine Wanderschaft geht es auch im heutigen Predigttext aus dem Alten Testament, 4. Mose 21, 4-9:

4 Da brachen sie auf von dem Berge Hor in Richtung auf das Schilfmeer, um das Land der Edomiter zu umgehen. Und das Volk wurde verdrossen auf dem Wege 5 und redete wider Gott und wider Mose: Warum habt ihr uns aus Ägypten geführt, dass wir sterben in der Wüste? Denn es ist kein Brot noch Wasser hier, und uns ekelt vor dieser mageren Speise. 6 Da sandte der HERR feurige Schlangen unter das Volk; die bissen das Volk, dass viele aus Israel starben. 7 Da kamen sie zu Mose und sprachen: Wir haben gesündigt, dass wir wider den HERRN und wider dich geredet haben. Bitte den HERRN, dass er die Schlangen von uns nehme. Und Mose bat für das Volk. 8 Da sprach der HERR zu Mose: Mache dir eine eherne Schlange und richte sie an einer Stange hoch auf. Wer gebissen ist und sieht sie an, der soll leben. 9 Da machte Mose eine eherne Schlange und richtete sie hoch auf. Und wenn jemanden eine Schlange biss, so sah er die eherne Schlange an und blieb leben.

Diese Wanderschaft kann man gut mit unserer Wanderung durch das Leben vergleichen.

Das Volk Israel war aus Ägypten ausgezogen und nun wanderten sie durch die Wüste auf ein Ziel zu, das sie nicht kannten. Gott hatte es ihnen versprochen. Sie hatten auf der Wanderung viele Gefahren vor Augen gehabt: Hunger, Durst, fremde Völker, Gefährliche Tiere, Wüste, und viel Großartiges erlebt: der Durchzug durch das Schilfmeer, die Bewahrung vor den Ägyptern, die Begegnung mit Gott am Sinai, Essen vom Himmel, und vieles mehr. Mit Gottes Hilfe hatten sie alles geschafft.

Aber nun war ihnen das alles zu viel geworden. Sie murren gegen Gott und gegen Mose.

Dass Gott sie aus der Sklaverei befreit und ihnen ein großes Ziel gegeben hatte; dass Gott ihnen mit großen Wundern geholfen hatte, das war plötzlich unbedeutend geworden. Das Essen schmeckte nicht, alles war mühsam, sie waren immer noch nicht am Ziel. Es war ihnen einfach alles zu viel an Mangel.

Und wie ist das bei uns?

Wir haben eine wunderbare Zusage für das Ziel unseres Lebens: Gottes Ewigkeit. Wir haben die Botschaft Jesu mit viel Liebe, Trost, Kraftquelle und Hoffnung. Wir haben Gottes Hilfe erfahren, Gebete wurden erhört und er ist da bei uns. Und trotzdem sind wir dann manchmal unzufrieden mit dem Leben, so wie es ist, und dann murren wir. Dann sind wir unzufrieden mit den Umständen, mit anderen, mit uns selbst und mit Gott. Wir fragen Gott, klagen, warum das so ist und er nicht alles anders macht, warum tut er nichts.

Und was tut Gott?

Die Israeliten erhofften sich, dass Gott die Situation verbessert, die Mängel abstellt. Und sie hatten ganz genaue Vorstellungen, was Gott tun sollte. Doch Gott reagiert hier genau anders. Er stellt nicht die Mängel ab, sondern er verschlimmert die Situation: Schlangen kommen, an denen die Menschen sterben.

Warum macht Gott das? Ist er doch kein liebender Gott, sondern ein harter, zürnender Gott?

Wir müssen genau hinsehen: Worum ging es bei der Wanderung? Der Sinn war: Sie sollten das Ziel erreichen, und das ging nur, wenn sie Gott vertrauten, dass er sie dorthin bringt. Aber sie verloren das Ziel aus den Augen, fragten nur noch, ob der Weg angenehm und bequem ist, richteten sich auf dem Weg ein und Gott sollte es nach ihren Vorstellungen regeln. So verloren das Vertrauen in Gottes Liebe und Fürsorge.
Dieses Problem hat sich in den letzten 3000 Jahren seitdem nicht verändert.

Geht es uns nicht oft genauso,

dass wir das Ziel unseres Lebens, Gottes Ewigkeit, aus den Augen verlieren, uns hier auf dem Weg des Lebens einrichten und nur noch damit beschäftigen, wie wir es uns hier angenehm und bequem machen können? Und Gott soll uns dabei helfen. Und wenn er es nicht so tut, wie wir es uns vorstellen, dann kommt der Zweifel: Warum ist der krank und der gesund? Warum geht es den Übeltätern gut und anderen schlecht? Warum muss der sterben und der darf leben?, Warum …?

Wenn Gott uns hier leiden lässt, können wir dann seiner Liebe und seinen Zusagen trauen?  Kann man sich dann noch auf seine Zusagen verlassen, auch wenn es um die Ewigkeit geht? Gibt es Gott überhaupt? Kann Gott Probleme nicht schneller oder anders lösen? Viele solcher zweifelnden Fragen tauchen dann auf.

Und Gott? Was tut er?

Manchmal hilft er, manchmal tut er nichts und manchmal verschlimmert er die Situation.

Aber das tut er nicht, um uns abzustrafen, sondern damit wir aufwachen und umkehren und wieder den Blick auf das Ziel richten und endlich begreifen, dass wir ohne ihn nicht ans Ziel kommen, sondern ihm vertrauen, dass er schon weiß, warum er was macht.

Um wieder Vertrauen zu lernen, gibt Gott ihnen ein Zeichen: In dieser Schlange aus Eisen.

Nur wenn sie sich wieder auf Gottes Hilfe einlassen und ihm vertrauen, können sie gerettet werden, können sie ans Ziel kommen. Ohne Gottes Hilfe müssen sie sterben, einen anderen Weg gibt es für sie nicht. Da nützt keine Rebellion gegen Gott und auch keine Besserwisserei.
So ruft Gott auch uns immer wieder, damit wir aufwachen und umkehren und begreifen, dass wir ohne ihn verloren sind. Denn nur mit ihm kommen wir ans Ziel.

Und dafür hat Gott uns ein Zeichen gesetzt, nicht eine Schlange, sondern den ans Kreuz genagelten Sohn Gottes.

Wenn wir auf ihn sehen und ihm vertrauen, werden wir gerettet, kommen ans Ziel. Dieser eine Punkt in der Geschichte der Welt ist der Ort der Hilfe Gottes für uns Menschen. Christus ist Gottes Hilfe, wie er am Kreuz hängt, wie er sagt: Das tue ich für dich.

Was sollen wir tun? Wie sollen wir damit umgehen?

Man kann sagen: Ich brauche Gott nicht! Das mag richtig sein, doch die Frage ist wozu nicht. Wenn es nur um dieses Leben geht, dann gibt es viele Menschen, die ohne Gott ganz gut durchkommen, aber wenn ich das Ziel erreichen will, brauche ich Gott. Ohne Gott habe ich keine Chance.
Ich kann weiter murren und gegen Gott rebellieren, weil der Weg so schwer ist. Was nützt der Kampf gegen Gott? Wer gegen Gott kämpft, zieht immer den Kürzeren. Der hat keine Chance.
Wir können uns auch unseren Zweifeln hingeben, ob das stimmt mit dem Ziel, der Ewigkeit, ob das mit Christus überhaupt stimmt, ob er wirklich hilft und uns durch den Tod durchbringt. Zweifeln ist modern, aber was hilft es. Durch Zweifel kommen wir garantiert nicht an.

Wenn wir das Ziel des Lebens, die Ewigkeit Gottes erreichen wollen, dann haben wir keine andere Wahl, als uns auf Gott einzulassen und auf Gottes Zeichen,

Predigt zu 4. Mose 21
Foto: Martina Heins

das Kreuz Jesu zu schauen,

um im Blick auf Christus Vergebung zu bekommen für unser Misstrauen und Murren und Gott vertrauen, dass das stimmt, was er uns vorgibt; um sich von Gottes Wort durch das Leben führen zu lassen, die Wanderschaft unter Gottes Anleitung zu begehen und das Ziel, das Gott uns geben will, fest im Blick haben; um am Kreuz die unendliche Liebe Gottes zu uns entdecken.
Was sonst sollen wir tun, wenn wir das Ziel erreichen wollen!

Und wer so auf Christus blickt und Gott vertraut, erfährt schon hier immer mehr von dem, was uns in der Ewigkeit erwartet an Trost, Liebe, Freude und Frieden, und dass Gott uns gut und zuverlässig zum Ziel hin führt, besser als wir es selbst können.

Predigt zu 4. Mose 21, 4-9