Predigt zu Kolosser 3, 12-17 am Sonntag Kantate

(Paulus schreibt:) 12 So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld; 13 und ertrage einer den andern und vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat gegen den andern; wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! 14 Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit. 15 Und der Friede Christi, zu dem ihr berufen seid in einem Leibe, regiere in euren Herzen; und seid dankbar. 16 Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen. 17 Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.

Diese Werte, Prinzipien für unser Verhalten, die hier genannt werden, sind richtig gut:

Herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld, einer den andern ertragen, untereinander vergeben, die Liebe. Es ist ein schönes Bild, dass wir diese Werte, Eigenschaften anziehen sollen. Wie wir bei Festen schöne Kleidung tragen, sollen wir im Miteinander dieses Verhalten zeigen. Das schönste Kleid ist die Liebe. Ich habe diesen Abschnitt oft bei Trauungen vorgelesen. Aber nicht nur in der Ehe, sondern auch in der Kindererziehung und im Miteinander der Gemeinde sind die Werte sehr hilfreich. Dass sie da hinpassen, findet wahrscheinlich eine breite Zustimmung,

aber kann man sie als Christ auch im harten Alltag anwenden:

in der Politik, im Geschäftsleben, wo es um Konkurrenzkampf, Erfolg, Kariere, Arbeitsplatz, etc. geht; wenn ich mit Menschen zu tun habe, die mir das Leben richtig schwer machen oder in der Politik, Rechtsprechung, Banken usw.? Passen sie da hin?

Die Diskussion um Werte im wirtschaftlichen und öffentlichen Bereich ist in vollem Gang

aufgrund unzähliger Skandale in der Vergangenheit, z. B. Bankenkrise, Steuerskandale, Dieselaffäre, etc.. Sie zeigen das Problem und werfen die Frage auf: Ist alles erlaubt, was legal ist, oder gibt es ethische Werte, nach denen man sich auch ohne Strafandrohung richtet? Wir erleben in unserer Zeit ein Aufeinandertreffen verschiedener Wertesysteme und die Frage ist: Welche sind gut? Sind alle gleich gut? Viele Regierungen meinen, der Staat könne und müsse sich wertneutral verhalten, aber das geht nicht. Jede Entscheidung und jedes Handeln beruht auf Werten und alle Werte haben immer einen weltanschaulich religiösen oder philosophischen Hintergrund. Es gibt keine neutralen Werte. Und jeder, der Werte vermittelt, tut es mit einem bestimmten Wertesystem.

Das Problem ist: Wenn es kein gemeinsames Wertesystem gibt, kann jeder tun, was ihm gefällt.

Jeder handelt dann nach eigenen Werten, die dann evtl. aufeinanderprallen. Die Berufung in Deutschland auf das Grundgesetz reicht allein nicht aus. Ein Grundgesetz, eine Verfassung ist keine Garantie für bleibende Werte. Durch veränderte Mehrheiten kann sie zu jeder Zeit geändert werden. Auch da stellt sich die Frage, ob wir zu den dahinter stehenden Werten mit ihrem entsprechenden religiösen oder philosophischen Hintergrund stehen. Eine weit verbreitete Leitlinie des Handeln lautet: „Was habe ich davon, was bringt es mir?” Das ist zum Beispiel ein anderer Wert als die Leitlinie des Grundgesetzes. Genauso verhält es sich mit der Gewinnmaximierung um jeden Preis. Gibt es Werte im privaten, geschäftlichen und politischen Bereich, zu denen wir auch dann stehen, wenn sie uns persönlich zunächst Nachteile bringen?

Wie sollen wir als Christen damit umgehen: Passen die Werte des Glaubens in unsere Welt?

Es passt nur zusammen, wenn wir in alledem drunter bleiben: unter Gott, unter Christus, wenn die Reihenfolge stimmt.

Wenn ich von den biblischen Grundwerten ausgehe, wie zum Beispiel die aus unserem Abschnitt oder Respekt, Achtung, Zuverlässigkeit, Treue, Ehrlichkeit, Courage, Verantwortung, usw., dann sind die Werte nicht verhandelbar, auch nicht in Situationen, in denen ich dadurch einen Nachteil habe oder wenn der Mainstream der Werte etwas anderes ist. Drunter bleiben unter Gott heißt: Ich habe jemand, vor dem ich mich verantworten muss: Gott. Wenn wir uns über Gott stellen und meinen, wir wüssten es besser, als er es uns in seinem Wort sagt, dann passen wir Werte nach eigenem Gutdünken an, aber nach welchen Maßstäben? Unser Miteinander wird dann empfindlich gestört, unsere Beziehung zu Gott leidet darunter, ja, wir verlieren Gott damit und wir setzen die Ewigkeit aufs Spiel. Wenn wir Gott aufgeben, verlieren wir auch die Werte, die er uns gibt. Sie bleiben vielleicht noch eine Zeitlang im privaten und öffentlichen Leben prägend, aber dann verschwinden sie und werden durch andere Werte ersetzt.

Erst wenn wir uns drunter stellen unter Gott und sein Werte und seine Richtlinien annehmen, dann haben wir ein stabiles Wertesystem für unser Leben und die Gesellschaft.

Drunter bleiben bedeutet: den Lebenssinn, das Glück und den Frieden nicht in den eigenen Vorstellungen, sondern bei Gott suchen. Da gibt es in der Bibel die wunderschöne Geschichte vom reichen Kornbauern, der nach einer großen Ernte auf seine vollgestopften Scheunen schaut und sich sagt: „Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre, iss und trink nach Herzenslust und genieße das Leben.” Eigentlich hatte er ja wirklich alles für ein gutes ruhiges Leben. Aber Gott sagt: „Du Narr, noch in dieser Nacht werde ich dein Leben von dir zurückfordern.” Man kann hier für den Reichtum auch Erfolg, Anerkennung, die Position oder sonst etwas, wovon wir ein erfülltes Leben erwarten, einsetzen.
Wo suche ich den Lebenssinn, meine Erfüllung, mein Glück, meinen Halt, etc.? Diese Frage ist in mehrfacher Hinsicht entscheidend:

Zum einen ist die Frage, ob das die richtige Nahrung für meine Seele ist.

Wo ich suche, finde ich dort, was ich suche?  Gibt es mir das, was ich brauche? Finde ich es dort dauerhaft, oder nur solange, wie es mir gut geht. Dazu ein Beispiel aus der Schule: Schüler sollten ihre Lebensweisheiten darstellen. Sie präsentierten schöne Werte, aber auf die Frage nach der Kraftquelle, wenn die eigene Kraft aufgebraucht ist, hatten sie keine Antwort. Einer meinte: Wenn alles verloren geht, worauf ich baue, denke ich über Selbstmord nach.

Der zweite Punkt ist: Wo ich meinen Lebensinhalt suche, das bestimmt letztlich meine Werte.

Wieder ein Beispiel aus der Schule: Im Unterricht haben wir uns mit dem Luxemburger Priester, Henri Kremer, beschäftigt, der von den Nazis zu einer tragischen Entscheidung gezwungen wurde, entweder eine Karriere in der katholischen Kirche unter den Nazis, den Schutz seiner Familie, Geschwister, Neffen und Nichten und seine eigene Entlassung aus dem Konzentrationslager, oder aber Treue zu seinem Glauben. Würde er sich für seinen Glauben entscheiden, müsste er zurück ins Konzentrationslager und die Sicherheit seiner Familie wäre nicht gewährleistet. Er sollte seinen Glauben verraten, entschied sich dann aber zur Treue zu seinem Glauben. Ein Schüler sagte dazu: Ich würde mich gegen den Glauben und für mein Leben und meine Familie entscheiden. Aus seiner Sicht war es folgerichtig, denn wovon jemand sich Halt, Glück  und ein erfülltes Leben erhofft, das bestimmte seine Werte, nach denen er entscheidet und handelt.

Und nicht zuletzt ist die Frage: Hilft mir das, worauf ich im Leben meine Hoffnung setze, auch im Sterben, oder habe ich dann nichts.
Der Schlüssel dieses Abschnittes und all der Werte, die hier genannt werden, liegt in Vers 15.

All das können wir nur leben, wenn wir uns anfüllen lassen vom Frieden Christi, wenn Christus selbst alles aus unserem Herzen nimmt, was an Unfrieden da ist und sein Friede in allen Bereichen regiert. Wenn unser Herz voll ist mit Neid, Eifersucht, mit unerfüllten Sehnsüchten, Sorgen und Ängsten, dann werden wir nicht die Kraft im Herzen haben, diese Werte zu leben. Wenn aber seine Liebe uns ganz und gar durchflutet, dann übernimmt sein Friede die Herrschaft in unserem Herzen und über unser Leben. Sein Friede vertreibt alle anderen „Herren“ aus unserem Herzen und macht Jesus Christus zum alleinigen Herrn. Sein Friede befreit von allen anderen „Herren“ und ist die Kraftquelle zu einem Leben in seiner Nachfolge.

Lohnt es sich, drunter zu bleiben unter Christus, ihn zum Herrn seines Herzen zu haben?

Wie schnell können wir die irdischen Dinge verlieren, auf die wir setzten, wie wenig können sie eine gesunde Nahrung für die Seele sein und im Tod nützen sie uns gar nichts.
Wenn wir auf Christus schauen: „In deine Hände befehle ich meinen Geist, denn du hast mich erlöst, Herr, du treuer Gott.“  Das ist Trost und Halt, auch wenn alles andere weggerissen wird.
„Vater, vergib ihnen“, da kann ich fertig werden mit meiner Schuld, meinen Fehlern, meinen Verletzungen, kann ehrlich werden und finde immer wieder neues Leben. „Noch heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ Das ist Hoffnung, die nicht gebunden ist an den Dingen der Welt oder meiner Leistung, sondern am Wort und der Liebe Jesu Christi, auch über den Tod hinaus.
Und dann sagt er mir ins Herz: Das tat ich für dich! Da gibt es Leben die Fülle und eine nie versiegende Quelle des Lebens und der Kraft, bis in die Ewigkeit hinein. Die Werte, die er gibt, führen zum Leben, als Einzelne und als Gesellschaft.

Drunter bleiben, das heißt: Jesus ist der Chef, ich gebe dem Wort Gottes Raum in meinem Leben.

 Auf wessen Wort höre ich in meinem Leben? Ist Jesus mein Chef, der immer das letzte Wort hat? Als die Jünger vor dem Hohen Rat stehen und versprechen sollen, dass sie nicht mehr von Jesus reden, antworten sie: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen”

Und der evangelische Theologe, Helmut Thielecke sagt: „Fälle alle Entscheidungen so, als würdest du am Jüngsten Tag vor Gottes Gericht stehen.“

Wen nun besingen wir mit unserem Leben, mit unseren Worten und Taten?

Wes Brot ich esse, des Lied ich singe“ Von wem ich das Leben erwarte, das Brot für die Seele, den besinge ich, nach dem richte ich mich.

Haben wir nicht allen Grund, unseren Herrn und Retter zu besingen, mit unserem ganzen Leben?

Predigt zu Kolosser 3, 12-17