Predigt zu 1. Könige 19, 1-8 am Sonntag Okuli

Predigt zu 1. Könige 19
Foto: Martina Heins

Waren Sie schon einmal so richtig am Ende mit Ihrer Kraft?

Ich meine nicht physisch, sondern seelisch völlig ausgelaugt, komplett leer, dass Sie sagten: Gott ich kann nicht mehr. Ich möchte nur noch sterben. Wenn Sie es kennen, dann wissen Sie, wovon ich rede, und hören Sie gut zu. Wenn Sie es nicht kennen, dann passen Sie auf, denn es kann Ihnen passieren.

Das wir uns so am Ende fühlen, das kann passieren, …

… wenn wir durch richtig schwere Zeiten gehen und nur noch kämpfen, um den Kopf über Wasser zu halten, z. B. nach Angriffen, Intrigen und Verleumdungen oder großen Problem oder nach Schicksalsschlägen, wo das Unglück plötzlich über einen hereinbricht;
… wenn wir um Ziele kämpfen, die für uns nicht gut und auch nicht sinnvoll sind, zum Beispiel wenn wir um jeden Preis Karriere oder Anerkennung wollen für uns und für die Kinder; wenn wir besonders gut oder fromm sein wollen und es nicht schaffen oder wenn wir einem Bild von uns  hinterherlaufen, das uns in Wahrheit nicht entspricht;
… wenn Gott uns gegen eine Wand laufen lässt, weil unser Weg falsch ist und wir trotzdem für unseren Weg kämpfen;
… wenn wir gute und sinnvolle Ziele erreicht haben, zum Beispiel nach total gelungenen Aktionen, lange darauf hingelebt und alle Kraft aufgewendet haben, auch dann kann statt Hochgefühl und ausgelassener Freude das Gefühl einer großen inneren Leere, Traurigkeit und ausgebrannt sein auftauchen. Ich habe es einmal ganz stark erlebt und war völlig irritiert. Ich dachte, eigentlich muss es mir sehr gut gehen, aber ich fühlte mich traurig und leer.

Auch Menschen mit viel Glauben an Jesus können das erleben, erleben Gefühle der Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung und haben das Gefühl, am Ende zu sein.

Manche denken, gläubige Menschen müssen doch immer fröhlich und ausgeglichen sein. In einem Gespräch erzählte ich jemand, wie es mir in einer schweren Zeit ergangen ist. Da sagte er: Ich dachte, dir als Pastor hätte das alles nichts ausgemacht.

Die Bibel zeigt uns sehr realistisch, wie Menschen im Glauben manchmal verzweifelt waren. Wer meint, durch den Glauben, wenn wir Jesus nachfolgen, wird alles leichter, der irrt.

Manche Probleme werden durch den Glauben leichter, aber manches wird neu ganz schwer mit vielen inneren Kämpfen, die man ohne Glauben so nicht kennt. Jesus selbst hat das so erfahren, ebenso Paulus und die anderen Jünger, und in der Geschichte gibt es dafür unzählige Beispiele. Der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer hat seine Erfahrung mit der Nachfolge Jesu so beschrieben, dass er sich hinter den Wagen Jesu angebunden fühlt und hinterher läuft und manchmal über den harten Boden geschleift wird, wenn er nicht mehr laufen konnte.

Stellen wir uns das so vor: In der Welt gibt es einen ständigen Kampf!

Auf der einen Seite gibt es in der Welt Glück, Friede, Liebe, Freude, alles, was die Bibel als Heil Gottes beschreibt; auf der anderen Seite finden wir alles, was das zerstören kann, das Unheil in allen Facetten. Selbst Jesus war nicht immer ausgeglichen. Er war traurig, zornig, konnte ganz fröhlich sein und hatte Angst in Gethsemane. Gott macht nicht durch Beschluss alles gut, auch wenn wir uns das manchmal wünschen, sondern er kämpft für das Gute, das seinem Willen entspricht, ganz besonders in Jesus, und wir sollen mit ihm kämpfen, wie Jesus in Liebe und Hingabe gegen das Böse und für das Gute. Manchmal kostet es unsere ganze Kraft und geht über die Grenzen der Kraft hinaus. Gott will, dass das Gute bei uns und anderen, in der Welt zum Zug kommt. Dabei sollen wir helfen.

Heute lesen wir eine Geschichte von Elia, als er völlig am Ende ist, aus 1. Könige 19, 1-8.

1 Und Ahab (König von Israel) sagte Isebel (seine Frau) alles, was Elia getan hatte und wie er alle Propheten Baals mit dem Schwert umgebracht hatte. 2 Da sandte Isebel einen Boten zu Elia und ließ ihm sagen: Die Götter sollen mir dies und das tun, wenn ich nicht morgen um diese Zeit dir tue, wie du diesen getan hast! 3 Da fürchtete er sich, machte sich auf und lief um sein Leben und kam nach Beerscheba in Juda und ließ seinen Diener dort. 4 Er aber ging hin in die Wüste eine Tagereise weit und kam und setzte sich unter einen Ginster und wünschte sich zu sterben und sprach: Es ist genug, so nimm nun, HERR, meine Seele; ich bin nicht besser als meine Väter. 5 Und er legte sich hin und schlief unter dem Ginster. Und siehe, ein Engel rührte ihn an und sprach zu ihm: Steh auf und iss! 6 Und er sah sich um, und siehe, zu seinen Häupten lag ein geröstetes Brot und ein Krug mit Wasser. Und als er gegessen und getrunken hatte, legte er sich wieder schlafen. 7 Und der Engel des HERRN kam zum zweiten Mal wieder und rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir. 8 Und er stand auf und aß und trank und ging durch die Kraft der Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Berg Gottes, dem Horeb. 9 Und er kam dort in eine Höhle und blieb dort über Nacht. Und siehe, das Wort des HERRN kam zu ihm: Was machst du hier, Elia?

Elia war ein großer Prophet.

Er lebte im 8. Jahrhundert vor Christus und war ein Vorbild im Dienst für Gott für viele Generationen, noch zurzeit Jesu. Er war ein sehr gläubiger Mensch, voll Vertrauen in Gott. Im Auftrag Gottes trat er gegen die Königin und ihre heidnischen Priester an, um das Volk Israel wieder zu Gott zurückzuführen. Gerade hatte er mit Gottes Hilfe eine entscheidende Auseinandersetzung gewonnen und sein Vertrauen in Gott war nicht enttäuscht worden. Nun aber erleben wir Elia ganz anders, nicht als Glaubensheld, sondern als schwacher Mensch. Die Königin war verärgert und droht Elia mit dem Tod. Und was ist nun los mit Elia? Er läuft wie ein Feigling davon, ca. 120 km. Er hat einfach nur noch Angst. Sein ganzes Vertrauen in Gott ist plötzlich weg. Er ist am Ende, leer, kraftlos, ohne Hoffnung und will nur noch sterben. Er verkriecht sich unter einen Maulbeerbaum, klein, ängstlich, schwach, einsam, der große Glaubensheld.

An der Stelle passiert das Entscheidende in der Geschichte für Elia und für uns:

Gott macht uns keine Vorwürfe, wenn wir müde sind; nicht einmal, wenn wir so kaputt sind, dass wir sterben möchten. Er lässt uns eine Zeitlang ausruhen, denn wir müssen nicht immer voll da sein. Er gibt uns Nahrung für neue Kraft, Nahrung aus der Ewigkeit, die wir für die Seele brauchen und führt uns zur Quelle. Gott tut alles, damit wir wieder neue Kraft von ihm bekommen.
Wir können nicht verhindern, dass wir schwere Zeiten und Erschöpfung erleben.

Predigt zu 1. Könige 19
Foto: Martina Heins

Die entscheidende Frage im Leben ist auch nicht, wie wir Schwierigkeiten und Kraftanstrengung vermeiden können, sondern ob wir die Kraftquelle zum Auftanken haben, ob wir Kraftnahrung für die Seele haben, dass wir wissen, wie unsere Seele wieder stark und fit werden kann.

Was tun Sie, damit Ihre Seele fit wird und bleibt? Trainieren Sie Ihre Seele? Haben Sie die richtige Quelle der Kraft?

In der Erziehung kümmern sich viele Eltern darum, dass die Kinder körperlich fit sind und Sport treiben und sie selbst halten sich auch möglichst in Bewegung oder gehen in Fitnessstudios. Aber wenn es um die Seele geht, packen sie ihre Kinder in Watte und bleiben selbst bequem im Sessel sitzen. Was passiert, wenn wir Kinder körperlich schonen und den ganzen Tag im Bett lassen? Ihre Physis verkümmert und sie werden schneller krank. Genau das machen wir häufig mit der Seele. Wir packen die Seele bei uns und den Kindern den ganzen Tag in Watte. Wir versuchen, jede Schwierigkeit zu vermeiden und versäumen es, die Seele zu trainieren.
Zu den größten Volkskrankheiten gehören Depressionen und Burnout. Die Ursache ist nicht die, dass das Leben heute schwerer wäre als früher, sondern es ist die mangelnde Fitness der Seele und Verlust der Kraftquelle des Glaubens.

So müssen wir uns fragen: Kennen wir die Quelle der Kraft?

Elia musste zum Berg Horeb gehen, wo Gott sich dem Volk in einmaliger Weise offenbart hatte. Für uns ist die Quelle der Kraft kein Berg, sondern da, wo Gott sich für uns einmalig offenbart hat, bei Jesus. Dahin führt Gott uns zurück, wenn wir neue Kraft brauchen.
Viele Menschen benutzen sehr unterschiedliche Quellen wie Yoga, Wellness, Urlaub, Meditation oder etwas anderes. Aber es geht dort fast immer nur darum, die eigenen Kräfte zu mobilisieren. Haben Sie schon einmal aus einem leeren Eimer Wasser geschöpft? Man braucht eine Quelle und ganz neue Kraft. Bei Jesus ist die wirkliche Quelle aus der Ewigkeit mit richtig neuer Kraft. Elia nimmt das Angebot der Nahrung an und er geht zur Quelle Gottes.

Lassen wir uns auf das ein, was Gott uns anbietet und gehen wir zur Quelle? Wenn wir am Ende sind, was machen wir dann?

Schöpfen wir aus einem leeren Eimer oder füttern wir die Seele mit falscher Nahrung, oder wenden wir uns Jesus zu und lassen uns anfüllen, vertrauen auf die Zusage „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“

Wie trainieren wir unsere Seele?

Versuchen wir, Herausforderungen und Probleme zu vermeiden und allem aus dem Weg zu gehen, oder gehen wir im Vertrauen auf Jesus mutig darauf los, damit die Seele kraftvoll wird?

Wenn es um neue Kraft geht, schauen wir dann auf uns, auf andere oder auf Jesus?

Vor Jahren sagte jemand: Im Wettstreit der Religionen und Weltanschauungen wie Esoterik wird die entscheidende Frage sein: Wo gibt es die meiste Kraft?
Ich kann nur bezeugen: Die gibt es bei Jesus, jeden Tag neu. Und wenn du keine Kraft mehr hast, ist er besonders stark in dir. Glaubst du das?

Predigt zu 1. Könige 19, 1-8