Predigt zu Jesaja 35, 3-10 am 2. Advent

Ein älterer Mann erzählte mir verzweifelt: Ich habe alles getan, um auch im Alter Liebe und Zuwendung zu bekommen und nun stehe ich vor einem Scherbenhaufen: Was habe ich nur falsch gemacht? Eine Frau berichtete resigniert: Einfach lachen können, etwas Freude haben im Leben, zuversichtlich in den Tag gehen können, ohne die Angst vor der nächsten Gefahr, die hinter jeder Ecke lauert, das wäre einfach mal schön. Ich mag schon gar nicht mehr glücklich sein, aus Angst, es wird gleich wieder zerstört. Und ein jüngerer Mann sagte: Bei mir kommt ein Problem nach dem anderen. Ich schaffe es nicht mehr. Und dann die vielen Sorgen um die Kinder, usw. . Ich kann kaum noch schlafen.

Alle haben sie Sehnsucht

nach Ruhe von all dem Schweren, Sehnsucht nach Liebe, Frieden, …, einem kraftvollen und blühendem Leben. Sie leiden nicht nur an den Problemen, an den schweren Zeiten, die sie durchleben, sondern noch mehr daran, dass ihre Sehnsucht ungestillt bleibt. Wie viel ungestillte Sehnsucht verbirgt sich hinter heilen und lächelnden Fassaden und hinter adventlich und weihnachtlich geschmückten Fenstern!

Die Bibel braucht für Menschen, die durch solche Zeiten gehen, Bilder wie

in der Wüste leben, durch die Wüste gehen, durch karge Landschaften gehen oder durchs dunkle Tal wandern wie in Ps. 23. Es sind Landschaften, in denen es Gefahren gibt durch Räuber, wilde Tiere oder gefährliche Felsspalten und steil abfallende Hänge, wo es nichts gibt, um neue Kraft zu bekommen, gestärkt zu werden. So wie wir im Leben in solchen Zeiten das Gefühl haben, von Gefahren umgeben zu sein, und uns die Kraft fehlt, damit fertig zu werden.

Wenn die Bibel von der Sehnsucht der Menschen nach einem kraftvollen und geborgenen Leben spricht, dann braucht sie Bilder wie

von den blühenden Wüsten, in denen es Nahrung und zu Trinken gibt; von den geraden befestigten Wegen, die einen sicher zum Ziel bringen; von Landschaften, in denen selbst wilde Tiere friedlich mit kleinen Kindern leben. Das erinnert an die Verheißung „ein Land, in dem Milch und Honig fließt“. Die Israeliten, die zu der Zeit fern von der Heimat und ihrem Tempel wohnten, verbanden diese Hoffnung mit der Rückkehr nach Jerusalem – da, wo Gott wohnt. Paulus sagt einfach: wenn ich doch schon bei meinem Herrn in der Ewigkeit sein könnte.

 

Wer kennt die Sehnsucht nicht nach einem kraftvollen friedlichen blühenden Leben. Aber dieses Ziel scheint in den schweren Zeiten so fern und unerreichbar. Welcher Weg bringt uns an dieses Ziel?

Zwei Wege werden uns immer wieder angeboten – schon in der Erziehung.

  1. Der erste Weg sagt: Lebe von dem, was andere Menschen dir geben.

Hab Erfolg! Tue etwas, damit andere dich anerkennen, vielleicht sogar bewundern. Viele Menschen ziehen ihre Lebenskraft aus der Anerkennung durch andere Menschen, dass andere sagen: was du machst, finde ich richtig gut! Du bist gut! Man sagt: „Jeder Mensch braucht Anerkennung”! Aber dann sagen wir: wir sind darauf angewiesen, ohne Anerkennung durch andere Menschen können wir nicht leben. Aber wie sieht es aus, wenn wir die Anerkennung nicht bekommen? Ist es dann vorbei mit dem kraftvollen und blühenden Leben?

Andere setzen mehr darauf, dass sie Zuwendung und Liebe bekommen, entweder indem sie besonders nett sind oder Mitleid erregen. Aber was ist, wenn sie einen Fehler machen und die Zuwendung ausbleibt.

Wenn wir unsere Lebenskraft von anderen Menschen abhängig machen, sitzen wir in einer schrecklichen Falle, denn dann bestimmen andere Menschen über uns.

  1. Der zweite Weg sagt: Lebe von dem, was du in dir hast.

Da heißt es dann: Glaube an dich! Denke positiv! Entdecke deine innere Mitte! In unserer Zeit gibt es darüber viele Bücher und viele Seminare und Kurse werden angeboten, z. B. zielen viele meditative Übungen darauf ab, die Kräfte, die man in sich hat, zu aktivieren: Wellnessangebote mit Rijky, Yoga und anderen esoterischen Angeboten werden unkritisch in Anspruch genommen, weil die Sehnsucht so groß ist.  Alle diese Wege helfen vielleicht einen Augenblick, aber sie täuschen uns Menschen vor, wir könnten aus eigener Kraft dem Paradies näher kommen und unsere Sehnsucht stillen. Doch ich bleibe abhängig von dem, was ich selber kann mit meiner Kraft. Aber wie weit reicht die?

Beide Wege: „Durch andere Menschen“ oder „durch mich selbst“ führen in die Irre und in eine Sackgasse.

Es gibt noch einen anderen Weg:  Davon lesen wir beim Propheten Jesaja.

Jesaja 33, 3- 10:

3 Macht die erschlafften Hände wieder stark, die zitternden Knie wieder fest! 4 Ruft den verzagten Herzen zu: »Fasst wieder Mut! Habt keine Angst! Dort kommt euer Gott! Er selber kommt, er will euch befreien; er übt Vergeltung an euren Feinden.« 5 Dann können die Blinden wieder sehen und die Tauben wieder hören. 6 Dann springt der Gelähmte wie ein Hirsch und der Stumme jubelt vor Freude. In der Wüste brechen Quellen auf und Bäche ergießen sich durch die Steppe. 7 Der glühende Sand verwandelt sich zum Teich und im dürren Land sprudeln Wasserquellen. Wo jetzt Schakale ihr Lager haben, werden dann Schilf und Riedgras wachsen.  8 Eine feste Straße wird dort sein, den ‚heiligen Weg‘ wird man sie nennen. Wer unrein ist, darf sie nicht betreten, nur für das Volk des HERRN ist sie bestimmt. Selbst Unkundige finden den Weg, sie werden dort nicht irregehen. 9 Auf dieser Straße gibt es keine Löwen, kein Raubtier ist auf ihr zu finden; nur die geretteten Menschen gehen dort. 10 Sie, die der HERR befreit hat, kehren heim; voll Jubel kommen sie zum Zionsberg. Aus ihren Augen  strahlt grenzenloses Glück. Freude und Wonne bleiben bei ihnen, Sorgen und Seufzen sind für immer vorbei.

 

Die Verheißung des Propheten lautet: Gott selbst wird es tun.

Gott selbst schafft eine blühende Wüste, blühendes Leben, gibt genügend Nahrung für unsere Seele, Kraft zum Weitergehen, Frieden und Freude und baut einen begehbaren Weg durch die Wüste, hin zum Ziel, zum erfüllten Leben.

Im Neuen Testament wird uns dann gesagt: Jesus ist die Erfüllung dieser Verheißung.

In vielen Geschichten, in seinen Worten und Taten zeigt Jesus uns, wie ein Leben aussieht, das sich aus der Quelle Gottes speist. In seinem Leben ist alles vorhanden: Kraft, Frieden, Freude, Liebe, blühendes Leben, … Und Jesus macht uns deutlich:  Ich öffne den Himmel für euch, damit all das zu euch kommen kann und wir zu Gott können. Wenn ihr mit mir verbunden seid, ist das alles auch für euch vorhanden. Jesus zeigt das mit all seinen Worten und Taten, aber besonders deutlich wird es in den sogenannten „Ich bin Worten“ Jesu: „Ich bin das lebendige Brot“, „die Quelle des Lebens“, „der Weg, die Wahrheit und das Leben“, „der gute Hirte“, „die Tür“, „die Auferstehung und das Leben“, und in Johannes 15, 5: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“ Lesen Sie einmal die anderen Geschichten unter diesem Blickwinkel.

Was hilft uns das jetzt in unserem Alltag?

Zum einen dürfen wir uns freuen auf die Ewigkeit Gottes.

Es ist der Ort, der Weg, wo alles Sehnen erfüllt wird, kein Seufzen und Sorgen, nur Freude und Wonne. Aus den Augen der Menschen strahlt grenzenloses Glück. Wir müssen nicht alles von diesem Leben erwarten. Liebevolle Beziehungen sind schön, Erfolg, Anerkennung, usw. können auch schön sein. Aber wenn wir alles davon erwarten, sind wir arm dran. Die Vorfreude auf die Ewigkeit hat schon vielen Christen Kraft gegeben.

Zum anderen ist Gott durch Jesus jetzt schon bei uns – mitten in unserem Leben.

Gott verändert nicht alle Umstände unseres Lebens. Sie bleiben oft hart und grausam wie in der Wüste, im dunklen Tal oder auf gefährlichen Wegen. Aber Gott verändert uns: Wir müssen nicht mehr einsam sein, denn wir wissen: Gott ist bei mir! Wir müssen nicht mehr unter den Problemen zusammenbrechen, denn er gibt uns Kraft und wir können alles ihm anbefehlen.

Wir müssen nicht mehr voller Sorgen sein, denn er sorgt für uns. Gott gibt uns Kraft, Vertrauen, Frieden, Hoffnung, Freude, alles, was es in seiner Welt gibt.

Die Antwort auf die Sehnsucht der Menschen liegt nicht bei anderen Menschen oder uns selbst, sondern bei Jesus.

Bei ihm finden wir, wonach wir uns sehnen an  Liebe, Freude, Frieden, den Halt, die Geborgenheit, etc. Der Himmel steht offen. Wir müssen nur durch die Tür durchgehen: Jesus ist die Tür.
Wenn Sie selbst gerade durch Wüstenzeiten gehen, dann schauen Sie auf Jesus und suchen Sie ihn. Wenn es Ihnen gerade ganz gut geht, dann bleiben Sie dran an Jesus und sagen Sie es anderen, wo ihre Sehnsucht gestillt werden kann.

Predigt zu Jesaja 35, 3-10 am 2. Advent