Predigt zu Matthäus 17, 1-9 am letzten Sonntag nach Epiphanias

Predigt zu Matthäus 17, 1 - 9 2. Könige 5, 1 - 15 Philipper 2, 12 - 13 Jesaja 42, 1 - 4 Stern Himmel Epiphanias Gottes Vollmacht
Foto: Martina Heins


Kennen Sie aus Ihrem Leben Erlebnisse, die so schön waren, so voller Frieden, Harmonie und Glück, dass Sie gesagt oder gedacht haben: Das ist der Himmel auf Erden!

Vielleicht war so ein Moment, als sie bis über beide Ohren verliebt waren, einen schönen Abend mit einem Glas Wein und Musik genossen haben, einen traumhaften Urlaub erlebt oder beruflichen Erfolg hatten. Solche Erlebnisse möchten wir festhalten, dauerhaft haben oder sie wiederholen können. Und wenn der Alltag so richtig grau, eintönig, stressig ist, dann sehnen wir uns besonders danach.

Es ist gut, wenn wir solche Erlebnisse manchmal haben, die uns deutlich machen, dass es neben unserer alltäglichen Wirklichkeit noch etwas anderes gibt.

Predigt zu Matthäus 17, 1 - 9 Jesus und seine Jünger auf einem Berg Geislergruppe in Südtirol
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Unser Abschnitt in der Bibel geht noch darüber hinaus: Petrus und zwei andere Jünger erleben wirklich den Himmel auf Erden.

1 Und nach sechs Tagen nahm Jesus mit sich Petrus und Jakobus und Johannes, dessen Bruder, und führte sie allein auf einen hohen Berg. 2 Und er wurde verklärt vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie das Licht. 3 Und siehe, da erschienen ihnen Mose und Elia; die redeten mit ihm. 4 Petrus aber antwortete und sprach zu Jesus: Herr, hier ist gut sein! Willst du, so will ich hier drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und Elia eine. 5 Als er noch so redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören! 6 Als das die Jünger hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und fürchteten sich sehr. 7 Jesus aber trat zu ihnen, rührte sie an und sprach: Steht auf und fürchtet euch nicht! 8 Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als Jesus allein. 9 Und als sie vom Berge hinabgingen, gebot ihnen Jesus und sprach: Ihr sollt von dieser Erscheinung niemandem sagen, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist. Die Jünger hatten schon von Jesus von der Welt Gottes gehört, – Jetzt erleben sie es selber.

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Jesus ermöglicht den Jüngern, einen Augenblick seinen Himmel zu erleben. Er nimmt sie mit.

Dort sehen sie, dass es für Jesus kein Hindernis gibt zum Himmel, denn das ist sein Zuhause, er ist ganz eins mit Gott. Und sie erfahren, wie wunderschön es ist, wenn Leid und Tod keine Macht mehr haben, Zeit und Vergänglichkeit aufgehoben sind. Der Glanz und die Herrlichkeit Gottes hüllen sie ein, so dass alles andere vergessen wird und keine Rolle mehr spielt.

Manche denken, dass es so etwas gar nicht geben kann.

Und diese Menschen haben Recht, wenn das, was für uns Menschen möglich ist, die Grenze alles Möglichen ist. Aber was sagt Jesus einmal zu seinen Jüngern in Lukas 18, 27: „Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.“  Wenn wir unseren Horizont erweitern auf das, was bei Gott möglich ist, dann kann es so etwas geben.

Und so erlaubt die Bibel uns an einigen Stellen einen solchen Blick in die Welt Gottes:

Mose durfte schon einen kleinen Blick in Gottes Welt richten und in Offenbarung 21 finden wir eine Beschreibung der neuen Welt, des neuen Himmels, wo wir alles erleben werden, was wir bei Jesus an Liebe, Vergebung, Annahme, Geborgenheit, Freude und Frieden sehen.
Jesus ist das Fenster in Gottes Welt. In ihm ist Gottes Welt sichtbar in unserer Welt.

Aber gibt es die Welt Gottes überhaupt? Gibt es Gott?

Viele Menschen glauben nur an das, was diese Welt uns bietet.

Die sogenannten Realisten suchen ihr Glück und ihre Erfüllung nur in Dingen dieser Welt, und sie leben nicht schlecht damit, und nach dem Tod ist eben alles aus. Die etwas mystisch Veranlagten glauben an Methoden zur Reanimation der eigenen Kräfte und wie man kosmische Strahlungen und Energien für sich nutzbar machen kann. Und dann gibt es noch einige, die einen diffusen Gottesglauben pflegen, wo dann alle, alle in irgendeinen Himmel kommen.

Und da fangen dann auch Christen irgendwann an zu zweifeln: Ist das eigentlich wirklich wahr mit Gottes Welt und ist Jesus die Tür, das Fenster zu dieser Welt?

Vielleicht kennen Sie das auch: Sie haben Erfahrungen im Glauben gemacht, die Kraft des Gebetes erfahren, Gottes Führung erlebt und leben in der Gewissheit, dass er bei Ihnen ist und sie begleitet. Und auch in einer Gemeinde haben sie schöne Glaubenserfahrungen gemacht.
Und doch kommt der Zweifel wieder, ob die Wirklichkeit und Kraft Jesu wirklich da ist, auch für mich? Ist sie auch in schweren Zeiten oder nach dem Tod da, und wenn ja, für wen, auch für mich?

Dieses Erlebnis auf dem Berg der Verklärung festigt den Glauben der Jünger, weil ihnen deutlich gezeigt wird: Jesus ist wirklich der Sohn Gottes, er sagt die Wahrheit, es gibt Gottes Welt und sie ist für uns da.

Auf diese Weise will Jesus auch unseren Glauben stärken und darum lässt er uns ab und zu wunderbare Erfahrungen im Glauben machen, wo wir die Wirklichkeit der Ewigkeit schnuppern können, die unseren Glauben fest und stark machen und unsere Zweifel überwinden. Es ist wichtig, dass wir diese Erlebnisse in Erinnerung behalten und nicht vergessen. Und wenn wir uns gegenseitig mehr von unseren Erfahrungen erzählen würden, würden wir uns auch gegenseitig im Glauben stärken und ermutigen.

Für Petrus war das Erlebnis so schön, dass er sagt: Lass uns hier Hütten bauen,

lass uns hierbleiben und das Erlebnis festhalten. Das kann ich gut nachvollziehen, denn das wäre doch wunderschön, wenn man so immer den Himmel auf Erden erleben könnte.
Aber Jesus macht Petrus klar: Das geht nicht! Du musst zurück!

Predigt zu Matthäus 17, 1 - 9 Jesus und seine Jünger auf dem Berg hinab in den Alltag Berge in Südtirol Himmel in der Sonne
Foto: Martina Heins
Es geht wieder herab vom Berg.

Jesus will uns durch den Glauben nicht immer aus dem Alltag herausholen und besondere Erlebnisse schaffen, sondern wir sollen unseren Glauben im Alltag dieser Welt leben. Das ist fast so, als wenn ein Vogel aus dem Nest gestoßen wird und nun allein zurechtkommen muss. So schiebt Jesus uns ins alltägliche Leben.

Aber Jesus lässt uns nicht allein.

Er bleibt auch nicht auf dem Berg, sondern er geht mit den Jüngern hinab. So sagt er auch uns: Ihr geht nicht alleine, sondern ich gehe mit euch in euren Alltag. An mir könnt ihr euch festhalten. Habt keine Angst!
Auch in unseren normalen Alltag, in unserem Leben ist Jesus da, ist er bei uns. Was in Gottes Welt vollkommen da ist, und was wir hier schon ein Stück weit erfahren können an Vertrauen, Liebe, Hoffnung, Freude und Frieden, das will Jesus in unseren Alltag bringen. Und wir sollen dann alles auch durch unser Reden und Tun weitergeben an andere Menschen, in ihren Lebensalltag hinein, um sie so zu stärken in ihrem Glauben. Jesus geht mit uns in den Alltag, um uns das beizubringen.

Er ist der Lehrer, und wir jeden Tag neu seine Schüler.

Er will uns zeigen, wie wir uns in Konflikten von seiner Liebe und Versöhnung bestimmen lassen können, seinen Frieden in uns haben und dann auch im Umgang mit anderen Menschen umsetzen. Wenn wir Angst vor der Zukunft haben, dann sollen wir lernen, ihm zu vertrauen und ohne Angst und mit Mut in die Zukunft gehen und auch andere dazu ermutigen. Wenn die Probleme und Sorgen uns niederdrücken, dann sollen wir lernen, dass uns das nicht bestimmt, sondern der Himmel, die Freude und Hoffnung Gottes und das auch zeigen. Und wenn uns andere Menschen das Leben schwer machen, dann sollen wir lernen, sie trotzdem zu lieben, wie er uns liebt.

Predigt zu Matthäus 17, 1 - 9 Römer 8, 31 - 39 Jeus Liebe Herz Kreuz
Foto: Martina Heins
An unserer Geschichte sehen wir, wie Jesus auch mit uns umgeht.

Wenn wir bei ihm bleiben, nimmt er uns mit auf den Berg hinauf zu besonderen himmlischen Erfahrungen, damit wir wieder die Ewigkeit Gottes erleben und unsere Zweifel überwunden werden. Aber dann geht er wieder mit uns vom Berg hinab in unseren Alltag, um uns und die Welt um uns herum zu verändern, mit uns und durch uns.

Zum Schluss möchte ich Ihnen eine Frage mitgeben. Was meinen Sie, wohin will Jesus mit Ihnen in den Alltag gehen? Was sollen Sie da lernen und was hat er dort mit Ihnen vor? Stellen Sie sich diese Fragen nicht nur einmal, sondern immer wieder.
Predigt zu Matthäus 17, 1-9

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