Predigt zu Hesekiel 18, 1-4, 30-32 am 3. Sonntag nach Trinitatis

Hatten Sie Glück oder Pech mit Ihren Eltern und den Bedingungen, unter denen Sie aufgewachsen sind?

Es ist eine allgemein bekannte Erkenntnis, dass das Leben der Eltern Auswirkungen hat auf die Kinder und Enkel:

Die Eltern prägen die Kinder durch ihre Art oder Unart; Bildung und finanzielle Möglichkeiten beeinflussen den Werdegang; Erziehung im Glauben prägen Kinder und Enkel genauso wie Moralvorstellungen. Selbst eine bewusste Abgrenzung von den Eltern kann das Leben in dieser Abgrenzung mitbestimmen.

Predigt zu hesekiel 18
Foto: Martina Heins

Die meisten kennen wahrscheinlich das Sprichwort „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.“ Stimmt das? Ist das schön für Sie oder sagen Sie eher: So wie meine Eltern will ich nicht sein!
Im Alten Testament finden wir bei Hesekiel ein Sprichwort, das den Israeliten geläufig war: „Die Väter haben saure Trauben gegessen, aber den Kindern sind die Zähne davon stumpf geworden.“  Es drückt aus, dass die Kinder leiden müssen für das, was die Eltern getan haben, und sie fragen Gott, warum müssen wir wegen der Taten unserer Eltern leiden?

Predigt zu hesekiel 18
Foto: Martina Heins

Wir können es im täglichen Leben beobachten oder haben es am eigenen Leibe erfahren, dass unser Leben, unsere Chancen bestimmt werden von der Vergangenheit:

Von Taten, Leben und gesellschaftlicher Stellung unserer Vorfahren; von dem, was wir selbst erlebt und getan haben; von vielen anderen Einflüssen, für die wir nichts können, die uns aber prägen. Genauso prägen und bestimmen wir die nachfolgenden Generationen. Aus diesem Teufelskreis scheint es kein Entrinnen zu geben.
Das meiste im Leben scheint so festgezurrt in festen Bahnen und Rollen.

Und wir spielen dieses Spiel häufig fleißig mit, machen es genauso, indem wir zum Beispiel …

… andere beurteilen und denken oder sagen: Seine Eltern waren auch schon so; der war schon immer so; Hopfen und Malz verloren; der kommt aus einem guten Haus; bei dem ist alles gut oder aus dem wird nie was.
… uns selbst beurteilen und denken oder sagen: Meine Eltern haben mir viele Chancen verbaut, bzw. keine Chancen ermöglicht; ich bin so, weil ich so geprägt wurde; was ich getan und erlebt habe, hat mir mein Leben verbaut, alles ist gut, verkorkst oder irgendwo dazwischen.

Wir begeben uns selbst oder lassen uns hineinreden in feste Rollen oder Muster, mit denen wir uns sagen: Es ist alles gut oder es gibt kein Entrinnen. Dafür kann ich nichts.

Gilt das auch in Bezug auf Gott? Spielt Gott dieses Spiel auch mit: selber schuld, wenn du solche Eltern hattest, oder Glück gehabt.

Es scheint so, wenn es im Zusatz zu den 10 Geboten heißt: „Ich der Herr, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der an denen, die mich hassen, die Sünde der Väter heimsucht bis zu den Kindern im dritten und vierten Glied; aber denen die mich lieben und meine Gebote halten, tue ich wohl bis in tausend Glied.“

Es ist ja auch in der Tat so: Was andere mit uns gemacht haben oder wie wir selber unser Leben gestaltet haben, hat uns geprägt, gut oder als Last.

Aber der heutige Predigttext sagt uns, dass es bei Gott noch einen anderen Weg gibt, der jedem Menschen einen völlig unabhängigen, neuen und eigenen Weg ermöglicht.

1 Das Wort des HERRN erging an mich, er sagte: 2 »Was habt ihr da für ein Sprichwort im Land Israel? Ihr sagt: ‚Die Väter essen unreife Trauben und die Söhne bekommen davon stumpfe Zähne.‘ 3 So gewiss ich, der HERR, lebe: Niemand von euch, niemand in Israel wird dieses Wort noch einmal wiederholen! 4 Ich habe das Leben jedes Einzelnen in der Hand, das Leben des Sohnes so gut wie das Leben des Vaters. Alle beide sind mein Eigentum. Nur wer sich schuldig macht, muss sterben.
30 Jeder Einzelne von euch bekommt das Urteil, das er mit seinen Taten verdient hat. Das sage ich, der HERR, der mächtige Gott! Kehrt also um und macht Schluss mit allem Unrecht! Sonst verstrickt ihr euch immer tiefer in Schuld. 31 Trennt euch von allen Verfehlungen! Schafft euch ein neues Herz und eine neue Gesinnung! Warum wollt ihr unbedingt sterben, ihr Leute von Israel? 32 Ich habe keine Freude daran, wenn ein Mensch wegen seiner Vergehen sterben muss. Das sage ich, der HERR, der mächtige Gott. Also kehrt um, damit ihr am Leben bleibt!«

Der erste Aussage ist: Jeder Mensch ist vor Gott selbst verantwortlich.

Es spielt keine Rolle, wie deine Eltern waren oder was du selbst getan hast. Die Frage ist, ob du jetzt glaubst und dein Leben in der Gegenwart Gottes führst. Du kannst dich nicht ausruhen auf Verdiensten deiner Vorfahren und du musst nicht weiter leiden unter den Taten der Vorfahren. Die Frage ist, was du tust.

Die zweite Aussage lautet: Gott gibt jedem Menschen eine neue Chance zu neuem Leben.

Heute wird viel von Chancengleichheit geredet, aber das ist eine Illusion in der Welt. Die gibt es nicht in Europa und schon gar nicht in den meisten anderen Ländern der Welt, und es wird sie auch in Zukunft nicht geben. Aber bei Gott gibt es sie. Gott gibt jedem eine neue Chance. Diese Möglichkeit gibt Gott uns in Jesus. Es ist eine großartige Möglichkeit, neu zu leben.

Wie sieht das nun konkret aus?

Hat das, was Gott uns in Jesus sagt, Bedeutung für Ihr und mein Leben? Hat es eine Chance, ihr Leben zu prägen?

Es ist nicht so, dass Gott einfach alles beiseite wischt und sagt. Nun fang mal neu an, sondern Gott will von uns die Entscheidung, wem wir vertrauen und Macht über unser Leben geben.

Wir können nur frei werden von der Vergangenheit, wenn uns die Beziehung zu Jesus wichtiger wird als die Beziehung zu Eltern oder anderen, die uns beeinflusst haben; wenn wir Jesus mehr Macht und Einfluss auf unser Leben zutrauen und erlauben, als irgendwelchen Menschen oder anderen Dingen, die uns geprägt haben und heute noch prägen.

Lassen Sie mich einige Beispiele nennen:

Man sagt, ob du dich wertvoll fühlst, hängt viel davon ab, welches Selbstwertgefühl dir als Kind mitgegeben wurde und wie dich andere Menschen später gesehen haben oder sehen. Wenn nun Gott sagt: Du bist wertvoll für mich. Wem glaubst du?
Dir ist immer wieder eingeredet worden, wie wichtig es ist, was andere Menschen über dich sagen. Unbewusst handelst du dein ganzes Leben nach dieser Devise. Gott sagt aber, du bist allein mir verantwortlich. Ich bin dein Richter. Wem glaubst du?
Du bist so geprägt worden, dass je mehr du an Anerkennung, Ehre, Geld, Macht, Positionen im Leben für dich bekommst, desto erfüllter wird dein Leben. Gott sagt: Erfüllung, Glück, Sicherheit findest du, wenn du aus meiner Liebe lebst. Wem glaubst du?
Man hat dir immer gesagt, wie du bist und sein sollst und du denkst: Ich bin in festen Rollen, so wie andere und ich selbst mich sehen. Gott sagt: Entfalte dich in meiner Liebe zu meinem Ebenbild, wie ich mir dich vorstelle. Schöpfe aus meiner Quelle und liebe dich und andere wie Jesus dich liebt. Wem glaubst du?

Gott gibt uns eine Chance zu neuem Leben, nicht nur für die Ewigkeit, sondern schon hier auf der Erde.

Als Zeichen für das Neue haben zum Beispiel Petrus und Paulus neue Namen von Jesus bekommen.  Wir haben auch neue Namen bekommen; in der Taufe: Der neue Name heißt „Christ“, das heißt in Christus sein, zu Christus gehörend.

In der Gemeinschaft mit Christus, in seinem Einfluss gibt es die Chance zu neuem Leben,

wo nicht mehr entscheidend und prägend ist, was in der Vergangenheit war, sondern wo entscheidend und prägend ist, was in Zukunft sein wird, wie es in 1. Johannes 3, 2 heißt: „Ihr Lieben, wir sind schon Gottes Kinder. Was wir einmal sein werden, ist jetzt noch nicht sichtbar. Aber wir wissen, wenn es offenbar wird, werden wir Gott ähnlich sein.“

Kinder werden von Eltern geprägt, aber Kinder Gottes werden von Gott geprägt. Wir sollen ihm gleich werden, zu seinem Ebenbild.

Wenn wir sagen, die anderen Dinge, Vergangenheit, etc. bestimmen mein Leben stärker, dann sagen wir, dass sie mehr Macht haben als Gott. In Wirklichkeit sind wir es selbst, die ihnen mehr Macht geben.
Die Frage ist: Wem glaubst du, wem vertraust du: Jesus oder Menschen? Wem gibst du Macht über dein Leben: Jesus oder Menschen? Diese Entscheidung müssen wir täglich fällen, und wenn wir uns für Gott entscheiden, dann werden wir frei zu neuem Leben.

Hesekiel 18, 1-4, 30-32