Predigt zu Johannes 4, 5 – 15 / 25+26 am 2. Sonntag nach Epiphanias

Was brauchen Sie für ihr Leben, damit Sie sagen können: Im Augenblick geht es mir gut, mein Leben ist ausgefüllt, ich bin glücklich?

Grundsätzlich brauchen wir zum Beispiel das Gefühl, angenommen sein, irgendwo dazu zu gehören, eine sinnvolle Tätigkeit haben, die ausfüllt, Klarheit im Leben, dass man weiß, wie es weiter geht und nicht vor unlösbaren Problemen steht, Zuversicht und Hoffnung für die weitere Lebensplanung.
Jeder hat dann noch gerne kleinere Dinge, die das Leben verschönern, zum Beispiel ein schönes Fußballspiel sehen, am PC basteln, ein Buch lesen, in ein Konzert gehen, ein schönes Glas Wein in der Familie oder mit Freunden trinken, lachen können oder irgendwie etwas Spaß haben. Irgendetwas in diese Richtung braucht jeder Mensch. Das stillt den Durst nach Leben.

In unserem Abschnitt aus Johannes 4, 5 – 15 / 25+26 geht es um den Durst nach Leben:

5 Unterwegs kam er (Jesus)  in die Nähe des Dorfes Sychar, das nicht weit von dem Feld entfernt liegt, das Jakob einst seinem Sohn Josef vererbt hatte. 6 Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war von dem langen Weg müde geworden und setzte sich an den Brunnen.

Auslegung der Bibel
Foto: Hans-Martin Heins

Es war gegen Mittag. 7 Da kam eine samaritische Frau zum Wasserholen. Jesus sagte zu ihr: »Gib mir einen Schluck Wasser!« 8 Seine Jünger waren ins Dorf gegangen, um etwas zu essen zu kaufen. 9 Die Frau antwortete: »Du bist ein Jude und ich bin eine Samariterin. Wie kannst du mich da um etwas zu trinken bitten?« – Die Juden vermeiden nämlich jeden Umgang mit Samaritern. 10 Jesus antwortete: »Wenn du wüsstest, was Gott den Menschen schenken will und wer es ist, der dich jetzt um Wasser bittet, dann hättest du ihn um Wasser gebeten und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.« 11 »Herr, du hast doch keinen Eimer«, sagte die Frau, »und der Brunnen ist tief. Woher willst du dann das lebendige Wasser haben? 12 Unser Stammvater Jakob hat uns diesen Brunnen hinterlassen. Er selbst, seine Söhne und seine ganze Herde tranken daraus. Du willst doch nicht sagen, dass du mehr bist als Jakob?« 13 Jesus antwortete: »Wer dieses Wasser trinkt, wird wieder durstig. 14 Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird nie mehr Durst haben. Ich gebe ihm Wasser, das in ihm zu einer Quelle wird, die bis ins ewige Leben weitersprudelt.« 15 »Herr, gib mir von diesem Wasser«, bat die Frau, »dann werde ich keinen Durst mehr haben und muss nicht mehr hierher kommen, um Wasser zu schöpfen.« 25 Die Frau sagte zu ihm: »Ich weiß, dass der Messias kommen wird, der versprochene Retter. Wenn er kommt, wird er uns alles sagen.« 26 Jesus antwortete: »Er spricht mit dir; ich bin es.«

In unserer Geschichte wird alles das, womit wir unseren Durst nach Leben stillen, zusammengefasst in dem Begriff „Wasser“.

 
 

Wasser ist erfrischend, stillt den Durst, ist lebensnotwendig, wie es auch lebensnotwendig ist, dass wir unseren Durst nach Leben stillen können.

Auslegung der Bibel
Foto: Hans-Martin Heins

 

Die Frau muss weite Wege zurücklegen, um an das Wasser zu kommen. Damals gab es nur wenige Brunnen in der Gegend. Es war mühsam wie heute zum Teil noch in Afrika. Es ist ein Bild dafür, wie mühsam es oft für uns ist, an das heranzukommen, was unser Leben schön und glücklich macht.

Jesus spricht diese Frau an. Eigentlich hätte er das gar nicht gedurft.

 

Jüdische Männer sprachen nicht öffentlich fremde Frauen an und unterhielten sich mit ihr, schon gar nicht mit einer Samariterin. Sie waren Nachkommen der Stämme Israels aus dem Nordreich. Sie hatten sich mit fremden Völkern vermischt und galten deshalb für die Juden als unrein, nicht als richtige Gläubige, die auch keinen Zugang zum Tempel hatten. Schon gar nicht hätte Jesus die Frau um etwas bitten dürfen.
Wir denken vielleicht, dass sind komische Sitten, aber ist es bei uns viel anders. Wir machen auch Unterschiede, mit wem wir reden, wer zu unseren Kreisen dazu gehört, wen wir einladen, wen wir überhaupt im Blick haben.

Aber Jesus interessiert sich für alle diese Argumente nicht. Er lässt alle diese Gründe beiseite, denn ihn treibt ein Anliegen: Er will dieser Frau etwas Lebensnotwendiges nahe bringen.

Er will ihr deutlich machen: Du, in mir kommt Gottes Liebe und Barmherzigkeit zu dir; in mir wird dein Durst nach Leben gestillt. Wenn du erkennst, wer ich bin, dann brauchst du nicht mehr mühsam danach suchen, wie dein Leben gut und sinnvoll und glücklich werden kann, sondern bei mir hast du es.
Genauso ist das Jesu Anliegen für uns und für alle anderen Menschen. Überlegen Sie einmal, wer das noch wissen sollte, wem Sie das nahe bringen können.

Aber zuerst macht Jesus noch etwas ganz anderes. Er sagt: Gib mir etwas von dem, womit du deinen Durst nach Leben stillst.

Gib mir Anteil an deinem Leben. Gib mir Anteil an deiner Tätigkeit, von der du meinst, dass sie dich ausfüllt; an den Menschen, bei denen du Geborgenheit und Annahme suchst; an dem, was dir hilft, dein Leben in den Griff zu bekommen; an deiner Fußballbegeisterung, deiner Begeisterung für PC, Bücher, Kultur, Fernsehen, Garten, Fahrrad fahren, Tee trinken oder was sonst dein Leben ausmacht.

Jesus will Anteil haben an unserem Leben, so wie es ist.

Wir sagen immer: In Jesus ist Gott Mensch geworden. Das heißt nicht nur, dass er in die Welt gekommen ist, sondern er will wirklich Anteil haben an Ihrem Leben, bei Ihnen Mensch werden.
Eine schöne Geschichte dazu finden wir in der Bibel in Lukas 19: Da geht es um Zachäus. Zachäus war ein Zöllner. Damals waren die Zöllner von allen verachtet, weil sie mit der verhassten Besatzungsmacht, den Römern, zusammenarbeiteten. Und außerdem betrogen sie die Menschen. Kein anständiger Mensch wollte mit so jemand etwas zu tun haben. Und Jesus sagt: Ich muss in dein Haus einkehren, Anteil an deinem Leben haben.
Merken Sie sich das: Jesus will Anteil an Ihrem Leben, an allem, was Ihr Leben ausmacht: An all dem Schönen, aber auch an Ihrer Verzweiflung, Traurigkeit, Schuld, Verletzungen und allem anderen. Er sagt: Gib mir etwas davon. Und er will das auch bei anderen: Sagt das weiter!

Aber Jesus bleibt dabei nicht stehen, sondern er will der Frau und uns ja etwas bringen, geben.

Er sagt: Bei all den Dingen, die du suchst, um deinen Durst nach Leben zu stillen, brauchst du immer wieder etwas und hast im Grunde nie genug davon. Es stillt deinen Durst ja nicht wirklich. Das ist ja fast wie bei einer Sucht, Man braucht immer mehr davon. Es stillt den Durst nur kurz, und dann brauchen wir schon wieder das Nächste, um den Durst nach Leben zu stillen.

Jesus sagt uns: Ich gebe dir Leben, das dich nie wieder durstig macht.

Auslegung der Bibel
Foto: Martina Heins

Die Frau versteht das zunächst natürlich falsch. Natürlich, so denken wir Menschen. Sie denkt: Jesus wird mir immer genug von dem irdischen Wasser geben, so dass ich mich nie mehr abmühen muss. So denken wir: Wenn Jesus mich liebt, dann sorgt er dafür, dass ich von all den Dingen, die ich mir so wünsche, die ich liebe, immer genug habe. Mit Jesu Hilfe geht alles leichter.

Aber Jesus macht deutlich: Ich will dir keinen leichteren Zugang zu den Dingen verschaffen, die dir den Durst nach Leben doch nicht stillen können, sondern ich will dir viel mehr schenken, nämlich mich.

Wenn du mich als deinen Retter in dein Leben hineinlässt, dann findest du

die Gewissheit, dass du von Gott angenommen bist und dazu gehörst, zu ihm; Klarheit für dein Leben, Zuversicht und Hoffnung, Freude, Spaß, Liebe, Lachen, und vieles mehr.

Und all das andere, was du sonst in deinem Leben gerne machst. Mach es weiter!

Du musst damit aber nicht mehr deinen Durst nach Leben stillen, sondern gib es mir, tue damit etwas für mich. Ich zeige dir, wie du damit richtig umgehen kannst, und ich mache etwas wirklich Sinnvolles daraus.

Zum Schluss ein paar Fragen:

Haben Sie Jesus an allen Bereichen Ihres Lebens schon Anteil gegeben?

Haben Sie erfahren, dass Jesus wirklich Ihren ganzen Lebensdurst stillen kann?

Wem wollen Sie es erzählen, was Jesus für Sie bedeutet und was er für ihn bedeuten kann?

Predigt zu Johannes 4, 5 – 15 / 25+26