Predigt zu Johannes 16, 5-15 am Sonntag Exaudi

5 (Jesus sagt zu seinen Jüngern.) Jetzt aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat; und niemand von euch fragt mich: Wo gehst du hin? 6 Doch weil ich dies zu euch geredet habe, ist euer Herz voll Trauer. 7 Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, kommt der Tröster nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, werde ich ihn zu euch senden. 8 Und wenn er kommt, wird er der Welt die Augen auftun über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht; 9 über die Sünde: dass sie nicht an mich glauben; 10 über die Gerechtigkeit: dass ich zum Vater gehe und ihr mich hinfort nicht seht; 11 über das Gericht: dass der Fürst dieser Welt gerichtet ist. 12 Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen. 13 Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in aller Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. 14 Er wird mich verherrlichen; denn von dem Meinen wird er’s nehmen und euch verkündigen. 15 Alles, was der Vater hat, das ist mein. Darum habe ich gesagt: Er nimmt es von dem Meinen und wird es euch verkündigen.

Das Herz der Jünger ist voll Trauer!

Trauer haben wir, wenn wir etwas oder jemand verlieren, der unserem Leben Inhalt, Sinn und Halt gegeben hat. In manchen Situationen können wir unsere Kräfte mobilisieren und die Trauer überwinden, aber wenn das Herz voll Trauer ist, dann ist da kein Platz mehr für Hoffnung und Freude. Dann helfen keine Worte, keine Kraft anderer Menschen, dann gibt es nur Leid. So erleben es die Jünger: Jesus war für sie alles geworden. Für ihn hatten sie alles andere aufgegeben. Nun sollte er sterben. Mit dieser Ankündigung wurde ihr Leben leer und sinnlos. Neben Freude und Hoffnung ist auch Leid, Tod, Unfrieden und Einsamkeit die Wahrheit über unser menschliches Leben in dieser Welt.

Doch Jesus öffnet den Jüngern den Blick für eine andere Welt. Der Heilige Geist kommt!

Der Heilige Geist, das ist die Kraft Gottes, mit der Gott in dieser Welt wirkt. Er öffnet die Tür für uns zur Welt Gottes, denn die Welt Gottes ist für uns Menschen verschlossen. Mit unserer Kraft können wir sie nicht erreichen. Ohne den Heiligen Geist können wir dort nicht hineinschauen. Wir sehen nicht die Hoffnung, die auf uns wartet, den Halt, die Liebe; ohne den Heiligen Geist spüren wir auch nicht die Kraft Gottes in unserem Leben und in unserem Leid. Wir bleiben dann eingeschlossen in unsere Möglichkeiten, das Leben zu haben, zu gestalten, festzuhalten, zu trösten, etc., und das ist sehr begrenzt.

Nun sagt Jesus seinen Jüngern hier, was der Heilige Geist tun wird:

1. V 8-11: Er bewirkt in uns die Erkenntnis unserer Sünde.

Dabei geht es nicht um die Verfehlungen des Alltags, sondern Jesus sagt: Sünde ist, dass wir ihm nicht glauben. Oft leben wir so, dass wir sagen: ich glaube an Jesus, aber …, und dann gehen wir doch unsere eigenen Wege, z. B. wenn Jesus uns sagt, wie wir unser Leben gestalten und wie wir mit den Gaben umgehen sollen; dass wir unser Herz nicht an Dinge dieser Welt hängen sollen, ganz gleich, was es auch ist; dass wir unsere Hoffnung und unseren Halt allein in seinem Wort, in ihm selbst suchen sollen. Ja, aber …! Das ist die Sünde, von der Jesus hier redet. Und damit haben wir unser ganzes Leben zu tun. Ohne den Heiligen Geist erkennen wir das nicht, aber durch den Heiligen Geist werden uns die Augen dafür aufgetan und wir entdecken, wie viel mehr wir Jesus noch glauben und vertrauen können.

2. Der Heilige Geist zeigt uns, dass Jesus in allem Recht hat.

Wenn wir Jesus nur mit unserem menschlichen Verstand und Herzen betrachten, dann sehen wir vielleicht einen etwas besonderen Menschen, aber seine Worte und Taten verstehen wir nicht. Wir können es auch nicht, denn Jesus gibt uns mit seinen Worten und seinem Leben einen Einblick in die Welt Gottes. Es ist eine andere Wirklichkeit als unsere Welt. Jesus sagt uns: Sorget nicht; habt keine Angst; In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost; sammelt keine Schätze auf Erden; wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es gewinnen; etc.. Und Jesus zeigt uns in seinen Taten seine Macht über Krankheit und Tod, Vergebung der Schuld, sein Sterben und Auferstehen um unseretwillen. Das alles ist wahr, aber wir erkennen es von uns aus nicht. Wir erkennen es erst, wenn der Heilige Geist uns die Tür zur Ewigkeit öffnet, wir ein wenig hineinschauen können in die Welt Gottes und unser Herz damit angefüllt wird. Dann erkennen wir, dass das, was wir mit unserem Verstand für nicht möglich halten, wahr ist, dass Jesus Recht hat.
Mit unserem Verstand sagen wir: es gibt keine Hoffnung; Jesus sagt: ich habe alle Macht im Himmel und auf der Erde. Wir denken: Es gibt keinen Trost. Jesus sagt: Hab keine Angst, vertraue mir! Wir meinen: Nur unsere Pläne und Wünsche können uns Glück und Freude bringen. Jesus sagt: Folge mir und du wirst das Leben finden.

3. Wir erkennen durch den Heiligen Geist, dass der Teufel besiegt ist.

In dieser Welt gibt es Leid, Ungerechtigkeit, Hass, Tod und Krankheit. Das ist so, weil der Teufel in dieser Welt sein Unwesen treibt und Menschen sich vom Teufel leiten lassen. Gott hat es anders gewollt. Davon erzählt die Schöpfungsgeschichte. Aber die Menschen haben sich von Gott abgewandt und aus eigener Kraft können wir uns nicht davon befreien.
Jesus hat den Teufel besiegt. Durch ihn ist die Macht des Teufels begrenzt worden. Solange wir noch in dieser Welt sind, haben wir unter der Macht des Teufels zu leiden, wie auch Jesus darunter gelitten hat. Der Heilige Geist zeigt uns die Welt Gottes, in der der Teufel keine Macht mehr hat, wo es kein Leid, keine Krankheit, keine Tränen und keinen Tod mehr gibt. Er zeigt uns, dass wir auch hier in der Welt mit Jesus keine Angst haben brauchen. Der Teufel kann uns schlagen, kann uns Leid zufügen, kann uns das Leben nehmen, aber wenn wir zu Jesus gehören, dann kann er uns nicht mehr aus der Hand Jesu reißen, der uns durch dieses Leben hineinträgt in die Ewigkeit.

Jesus sagt in V 12: ich habe euch noch viel zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen.

Der Blick in die Ewigkeit ist so überwältigend, so anders, dass nicht einmal die Jünger das ertragen hätten.  

Wir würden dann mit einem Schlag die ganze Herrlichkeit Gottes sehen, die Fülle des Trostes, der Hoffnung, der Liebe und das würde uns erdrücken; und gleichzeitig würden wir die ganze Erbärmlichkeit unseres menschlichen Lebens sehen, die ganzen Irrwege, die ganze Trostlosigkeit und Hoffnungslosigkeit, alle Lüge, worauf wir unser Leben aufbauen. Das könnten wir nicht ertragen.

Aber der Heilige Geist wird euch die ganze Wahrheit zeigen, euch darin führen. Wenn wir offen sind für sein Wirken, dann werden wir erfahren, dass Gott uns viel mehr geben kann, als wir es auch nur erahnen können.

Du denkst: Für mich gibt es keinen Trost; mein Leid ist zu groß. Der Heilige Geist wird dir zeigen, wie groß Gottes Trost ist. Viele haben das erfahren, als sie selbst nicht weiter wussten. Hiob hat den Trost erfahren, als er sieben Kinder und all seinen Besitz an einem Tag verlor. Friedrich von Bodelschwingh verlor 4 Kinder in 11 Tagen. Das Leid ist dadurch nicht verschwunden, aber der Trost ist größer. Vielleicht denkst du, Jesus Worte passen nicht für mein Leben, sind weltfremd, aber der Heilige Geist zeigt dir, dass sie alle wahr und gut sind und auch für dich Leben bedeuten. Du denkst: Mein Leben ist zerbrochen, ein Scherbenhaufen; es hat keinen Sinn. Aber Gott kann aus dem größten Scherbenhaufen etwas Wunderbares und Kostbares machen. Gott kann immer mehr tun und geben, als was wir brauchen. Er ist nie am Ende, sondern wenn wir am Ende sind, fängt er oft erst an.

Bei allem, was der Heilige Geist uns zeigt, wird uns immer deutlicher, wie wichtig Jesus ist,

wie wunderbar er ist und wie wunderbar es ist, dass wir zu ihm gehören können. Jesus wird uns immer lieber und wir erfahren immer mehr, dass Jesus alles ist.

Möchtest du dieses Wirken des Heiligen Geistes in deinem Leben erfahren?

Mit unserem Willen können wir das nicht erzwingen, aber Jesus zeigt uns die Stellen, wo der Heilige Geist wirkt. Bete! Bete unter Tränen und Flehen. Mach ihm keine Vorschriften, wie er zu wirken hat, sondern liefere dich ihm aus, ergib dich in seinen Willen. Lies in seinem Wort. Sein Wort ist die Wahrheit. Sein Wort ist Leben. Sei still und höre, lausche auf Gott.

Dann wirst du erfahren, wie der Heilige Geist wirkt.

Predigt zu Johannes 16, 5-15