Predigt zu Jesaja 58, 7-11 am Erntedankfest

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Foto: Martina Heins

Was erwarten Sie von einer Erntedankfestpredigt?

Ich habe schon von Menschen gehört, dass sie nicht zum Erntedankfestgottesdienst gehen, weil sie dort immer nur Ermahnungen hören und ihnen ein schlechtes Gewissen gemacht wird, dass sie ihren Wohlstand auf Kosten anderer Länder und der Umwelt erreicht haben, nicht genug teilen und nicht dankbar genug sind. Und dann kommt die Mahnung, dass man mehr teilen und abgeben soll und nicht so viel Spaß haben darf.
Ein Redner hat Gottesdienstbesucher einmal als Masochisten bezeichnet, weil sie Freude daran haben, wenn ihnen Leid zugefügt und ein schlechtes Gewissen gemacht wird. Und Erntedankfestbesucher sind dann Menschen, die das auch noch feiern, wenn ihnen ein schlechtes Gewissen gemacht wird.

Manchmal sind Mahnungen notwendig und das Gewissen soll anhand der Bibel auch geschärft werden, aber ich möchte Ihnen heute kein schlechtes Gewissen machen, sondern ich möchte Ihnen einen Tipp weitergeben, einen Ratschlag, der in der Bibel steht.

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Und dazu lesen wir aus Jesaja 58, 7-11:

7 Ladet die Hungernden an euren Tisch, nehmt die Obdachlosen in euer Haus auf, gebt denen, die in Lumpen herumlaufen, etwas zum Anziehen und helft allen in eurem Volk, die Hilfe brauchen! 8 Dann strahlt euer Glück auf wie die Sonne am Morgen und eure Wunden heilen schnell; eure guten Taten gehen euch voran und meine Herrlichkeit folgt euch als starker Schutz. 9 Dann werdet ihr zu mir rufen und ich werde euch antworten; wenn ihr um Hilfe schreit, werde ich sagen: ›Hier bin ich!‹ Wenn ihr aufhört, andere zu unterdrücken, mit dem Finger spöttisch auf sie zu zeigen und schlecht über sie zu reden, 10 wenn ihr den Hungernden zu essen gebt und euch den Notleidenden zuwendet, dann wird eure Dunkelheit hell werden, rings um euch her wird das Licht strahlen wie am Mittag. 11 Ich, der HERR, werde euch immer und überall führen, auch im dürren Land werde ich euch satt machen und euch meine Kraft geben. Ihr werdet wie ein Garten sein, der immer genug Wasser hat, und wie eine Quelle, die niemals versiegt.

Auf den ersten Blick scheint das wieder eine Mahnung zu sein, mit der wir aufgefordert werden dieses oder jenes zu tun.

Aber dann lesen wir von einer Fülle von Verheißungen mit Begriffen wie

Glück wie die Sonne“, „Heilung der Wunden“, „Ruf der guten Taten“, „lebendige Beziehung zu Gott im Gebet“, „Gebetserhörung“, „Licht und Helligkeit auch in der Dunkelheit“, Führung“, „satt machen“, „in der Kraft Gottes leben“, „an der Quelle Gottes sein“. Das sollen wir alles bekommen.
Das ist doch viel und reizvoll.

Aber wie kommen wir dahin, dass wir das auch erhalten? Die Antwort lautet: Indem wir richtig mit dem umgehen, was wir haben und besitzen.

Überlegen wir einmal einen Moment, was wir alles haben und besitzen. Nennen will ich als Beispiele nur die materiellen Güter, Bildung und Wissen, Gesundheit und Kraft, Zeit und moralische Werte, den Glauben, dass wir durch Jesus Gottes Kinder sind, Liebe und Freude. Sicher könnten wir von allem noch mehr gebrauchen, aber wir haben etwas davon.
Das alles sind Dinge, die Gott uns gegeben hat. Er hat sie uns anvertraut und er kann uns noch viel mehr davon geben.

Machen wir die Augen und die Herzen auf!

Sehen wir alle diese Gaben? Sehen wir, dass Gott sie uns gegeben hat und freuen wir uns zunächst einfach mal darüber. Erntedank heißt, es sehen, sich darüber freuen und Gott dafür danken.

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Nun gibt es in der Bibel Ratschläge, wie wir damit umgehen sollen, damit diese Gaben für uns zum Segen werden. Sie sollen uns ja nicht schaden, sondern zu einem guten Leben verhelfen.

Unsere natürliche menschliche Reaktion auf alle Gaben Gott es ist, dass wir sie für uns selbst nutzen, für unser Haus, unseren Garten, für die Familie, den Urlaub und anderes mehr, und wir glauben, dass wir, je mehr wir etwas für uns selbst nutzen können, glücklicher werden und das Leben erfüllter wird. Das klingt für uns zunächst logisch, ist aber trotzdem falsch! Dafür gibt es unzählige Beispiele. Wer zuerst an sich denkt, wird nicht glücklicher, sondern einsamer und unglücklicher. Das ist eine Krankheit, unter der viele Menschen in unserer Zeit leiden. Jeder ist dann für sich König in seinem Reich, aber in seinem Reich eben auch einsam und allein.



Gott sagt uns, dass wir alle seine Gaben gebrauchen sollen.

Sie sind auch für uns da, aber wir sollen sie auch für andere einsetzen, unsere materiellen Gaben, die moralischen Werte, unseren Glauben an Jesus und andere mehr. Wenn wir das tun, erfüllen sich die Verheißungen Gottes und wir bekommen durch Gottes Gaben ein erfülltes Leben. So einfach ist das!

Ja, es ist einfach, aber dann kommt schon der Zweifel:

Wenn ich es allein tue und die anderen nicht, ich immer nur abgebe und nichts zurückbekomme, dann werde ich immer ärmer, benachteiligter und wehrloser. Komme ich nicht zu kurz im Leben, wenn ich nach diesen Geboten Gottes lebe, während andere sich in einer Ellbogengesellschaft durchsetzen, schlecht übereinander reden, intrigieren, schleimen und unehrlich sind. Wie komme ich dann noch zu meinem Recht? Diese Gedanken sind sehr verständlich, aber in Gottes Augen falsch, denn er hat alles gegeben, die Fülle in allem, und wenn wir abgeben, sorgt er für den Nachschub. Die Frage ist, ob wir darauf vertrauen, dass Gott für uns sorgt, dass wir nicht angewiesen sind auf das, was andere uns geben oder zurückgeben, sondern auf Gott.

Dann kommt aber schon der zweite Zweifel: Was ist denn, wenn ich etwas abgebe, und andere nutzen das nur aus, benutzen es als Ruhekissen?

Auch an diesem Zweifel ist etwas dran, denn das gibt es. Ich habe es selbst in Chile und auch in Deutschland nur allzu oft erlebt. Das gibt es leider viel zu viel. Sollen wir also lieber nichts für andere tun? Aus schlechten Erfahrungen heraus ziehen wir uns dann zu unserem eigenen Nachteil auf uns selbst zurück, aber dann erfüllen sich die Verheißungen Gottes nicht. Wir können lange darüber reden, wie man richtig helfen kann, denn das ist sehr schwer, und da werden viele Fehler gemacht, aber wenn wir deshalb nicht tun, was Gott uns rät, dann ist es unser Nachteil.

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Foto: Martina Heins

Wir müssen zuerst die Frage klären, ob wir von ganzem Herzen, die Gaben Gottes teilen und für andere einsetzen wollen?

Gott will keinen zerknirschten Geber, keinen, der sich aus Zwang um andere kümmert oder anderen Gutes tut, sondern der es aus innerem liebenden Herzen tut, dem es ein Herzensanliegen aus Liebe zu Gott und zum Nächsten ist und der es mit Freude tut. Dann wird ihm sein Tun zum Segen werden. Lesen Sie dazu einmal 2. Korinther 9 und die Verse vor unserem Abschnitt in Jesaja 58.

Und so ist das der Rat Gottes: Damit alle die Gaben, alles was wir haben, zum Segen wird, uns ein erfülltes Leben bringt, die Verheißungen Gottes sich erfüllen, sollen wir es auch von ganzem Herzen für andere einsetzen.

Unsere menschliche Natur sagt uns, dass wir alles für uns behalten und vorsorgen sollen, denn man weiß ja nie, was noch kommt. Gott aber sagt uns, dass wir alle unsere Gaben und alles was wir haben so benutzen, wie er es uns sagt, denn er hat uns genug davon gegeben, und wir können noch viel mehr von ihm bekommen.

Am Ende steht wieder die entscheidende Frage: Wem vertrauen Sie?
Predigt zu Jesaja 58, 7-11
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