Predigt zu Römer 8, 1-11 am Pfingstsonntag

Predigt zu Römer 8
Foto: Martina Heins

 

1 Vor dem Gericht Gottes gibt es also keine Verurteilung mehr für die, die mit Jesus Christus verbunden sind. 2 Denn dort, wo Jesus Christus ist, gilt: Du bist befreit von dem Gesetz, das von der Sünde missbraucht wird und zum Tod führt. Denn du stehst jetzt unter dem Gesetz, in dem der Geist Gottes wirkt, der zum Leben führt.
5 Wenn wir von unserer selbstsüchtigen Natur bestimmt werden, liegt uns an dem, was unsere Natur will; wenn wir vom Geist Gottes bestimmt werden, liegt uns an dem, was der Geist Gottes will. 6 Was unsere selbstsüchtige Natur will, führt zum Tod. Was der Geist Gottes will, führt zum Leben, zu Heil und Frieden. 7 Denn unser selbstsüchtiger Wille lehnt sich gegen Gott auf. Er gehorcht seinen Geboten nicht; er kann es gar nicht. 8 An denen, die Gefangene ihrer selbstsüchtigen Natur sind, kann Gott unmöglich Gefallen finden.
9 Ihr aber seid nicht mehr von eurer eigenen Natur bestimmt, sondern vom Geist, so gewiss der Geist Gottes in euch Wohnung genommen hat. Wer diesen Geist – den Geist von Christus – nicht hat, gehört auch nicht zu ihm.  10 Wenn nun also Christus durch den Geist in euch lebt, dann bedeutet das: Euer Leib ist zwar wegen der Sünde dem Tod verfallen, aber der Geist erfüllt euch mit Leben, weil Christus die Sünde besiegt hat und ihr deshalb bei Gott angenommen seid. 11 Mehr noch: Der Geist, der in euch lebt, ist ja der Geist dessen, der Jesus vom Tod auferweckt hat. Dann wird derselbe Gott, der Jesus Christus vom Tod auferweckt hat, auch euren todverfallenen Leib lebendig machen. Das bewirkt er durch seinen Geist, der schon jetzt in euch lebt.

Vor einiger Zeit habe ich ein Gemälde gesehen mit dem Titel „Unvollkommenes Bild vom Menschen“.

Das Bild ist ein Beispiel für unser Leben: unvollkommen, schräg, verzerrt, mit Brüchen und Fehlern. Man kann das auch auf eine Kirchengemeinde übertragen, aber wir bleiben heute bei unserem Leben. Wenn Sie jetzt die Aufgabe hätten, den vollkommenen Menschen zu malen, wie würden Sie das machen? Wie sieht der aus? Nehmen wir einmal an, Sie sind ein begnadeter Maler. Aber was würde am Ende bei dem Bild herauskommen? Ein schönes Bild vielleicht, aber wäre das der vollkommene Mensch, denn Sie können nur das malen, was Sie in Ihrem Kopf haben, Ihre eigenen Vorstellungen vom vollkommenen Menschen, und dann versuchen, das im Leben umsetzen, aber ist das vollkommen? Wissen Sie, wie man Gott zum Lachen bringen kann? Erzähl ihm deine Pläne und Vorstellungen!

Paulus: Nicht nur, wie wir unser Leben gestalten, ist unvollkommen und voller Brüche. Auch unsere Vorstellungen von der Vollkommenheit bleiben menschlich und fehlerhaft.

Und du schaffst es nicht einmal, das in deinem Leben umzusetzen, was du für gut und vollkommen hältst. Wie viel weniger schaffst du es, in deinem Leben umzusetzen, was Gott für vollkommen hält. Aber Paulus geht noch weiter: Wir sind mit unserer menschlichen Natur nicht nur fehlerhaft und unvollkommen, so dass man sagen könnte,  es fehlt nur ein bisschen oder ein bisschen mehr an der Vollkommenheit, sondern die menschliche Natur ist völlig falsch gepolt, sie geht in eine ganz falsche Richtung. Nehmen wir ein Beispiel aus dem Sport: Wenn ein Fußballspieler ständig aufs eigene Tor schießt, dann ist er nicht unvollkommen, sondern völlig falsch, auch wenn seine Schüsse noch so gut sind und er vielleicht ein sehr guter Fußballspieler ist.

So beschreibt Paulus hier den Gegensatz zwischen einem Leben, das von der menschlichen Natur bestimmt wird, und einem Leben, das vom Geist Gottes bestimmt wird (Verse 5 – 8).

Ein Leben, das von der menschlichen Natur bestimmt ist:

V 5: es liegt ihm an dem, was die menschlichen Natur will, nämlich selbst zur Geltung kommen.
V 6: Die Folge ist der Tod, das heißt keine Ewigkeit bei Gott.
V 7: der Mensch lehnt sich gegen Gott auf, das heißt, er hört nicht auf ihn, sondern folgt seinen eigenen Plänen und Vorstellungen.
V 8: Daran hat Gott kein Gefallen. Es besteht keine Gemeinschaft mit Gott hier und in der Ewigkeit.

Ein Leben, das vom Geist Gottes bestimmt wird:

V 5: Es liegt uns an dem, was Gott will.
V 6: Die Folge ist Leben, Heil und Frieden.
V 11: Am Ende steht nicht der Tod, sondern Auferstehung und ewiges Leben.

Nur ein Leben, das vom Geist Gottes bestimmt wird, gefällt Gott und kann in die Ewigkeit.

Das können wir nicht aus uns selbst schaffen. Die einzige Möglichkeit ist, dass Gott selbst etwas Neues schafft, einen neuen Menschen, eine neue Schöpfung.

In Jesus hat Gott uns seinen neuen, göttlichen, vollkommenen Menschen gezeigt, der in allem so war, wie Gott sich das vorgestellt hat. Für uns gibt es nun nur die eine Möglichkeit, dass Christus uns fest an sich bindet und durch seinen Geist den neuen Menschen in uns schafft. Nur so können wir zu Menschen werden, die aus reiner Liebe Gottes Willen tun wollen; die so leben wollen, wie Gott sich das vorgestellt hat; können wir Taten vollbringen, die im Sinne Gottes gut sind und die richtige Richtung haben, die nicht aus der selbstsüchtigen Natur kommen, sondern aus dem Geist Gottes; können wir die Hoffnung auf die Ewigkeit haben, dass Gott das, was er hier durch den Glauben an Jesus bei uns beginnt, in der Ewigkeit vollendet, nämlich durch seinen Geist uns wieder zu vollkommenen Menschen zu machen. Das geht eben nicht durch unsere eigene Kraft, sondern nur durch Christus. Er will es durch seinen Geist in uns bewirken. Wir müssen es nur wollen und zulassen.
So will Gott selbst das neue vollkommene Bild Deines Lebens malen.

Paulus beschreibt in den weiteren Versen dieses Kapitels ein wenig, wie dieses Bild aussieht:

Du bist ein Kind Gottes.

V 14: „Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.“; du bist jemand, der voll Freude auf die Ewigkeit hofft.
V 17: „Wenn wir aber Kinder sind, dann sind wir auch Erben“, und das heißt: wir bekommen teil am unvergänglichen Leben des Vaters, genauso wie Christus und zusammen mit ihm; du vertraust ihm ganz und gar, dass er alles in deinem Leben zu einem guten Ziel führt. 
V 28: „Was auch geschieht, das eine wissen wir: Für die, die Gott lieben, muss alles zu ihrem Heil dienen.“; du bist gewiss, dass du in Gottes Liebe geborgen bist und nichts dich von Gottes Liebe in Jesus trennen kann:
V 39: „Nichts in der ganzen Welt kann uns jemals trennen von der Liebe Gottes, die uns verbürgt ist in Jesus Christus, unserem Herrn.“

So verändert Gott durch die Kraft seines Heiligen Geistes deine Persönlichkeit, zu einem Bild hin, das ihm gefällt, zu seinem Ebenbild.

Und daraus entstehen Früchte des Geistes wie sie zum Beispiel in Galater 5, 22+23 beschrieben werden: „Der Geist Gottes lässt als Frucht eine Fülle von Gutem wachsen, nämlich: Liebe, Freude und Frieden, Geduld, Freundlichkeit und Güte, Treue, Bescheidenheit und Selbstbeherrschung.“ Und Jesus sagt in Johannes 15,16: „Ich habe euch erwählt, damit ihr hingeht und Frucht bringt, Frucht, die bleibt.“

Gott fängt hier im Leben schon an, sein Bild von uns zu malen, aber er vollendet es in der Ewigkeit. Das ist die einmalige Aussicht für uns, die einmalige Chance.  

Eigentlich müssten sich alle Menschen nichts sehnlicher wünschen als das, wie Paulus in Römer 7, 24f sagt: „Ich unglückseliger Mensch! Wer rettet mich aus dieser tödlichen Verstrickung?  Gott sei  gedankt durch Jesus Christus unseren Herrn. Er hat es getan!“

Was müssen wir nun tun?

Das war die Frage der Leute, die die große Pfingstpredigt von Petrus gehört haben. Als Antwort sagt Petrus in Apostelgeschichte 2,38: „Tut Buße“, kehrt um! Dazu gehört zunächst die Erkenntnis der eigenen verlorenen Situation, die Erkenntnis, dass wir falsch gepolt „spielen“, leben. Wir müssen begreifen, wie unfähig und begrenzt wir sind, wenn es darum geht, selig zu werden, zum Ebenbild Gottes zu werden, ein Leben zu führen, wie es Gott gefällt. Unser Denken, Planen Verstehen reicht dazu nicht aus. Es geht sogar in die falsche Richtung. Wenn wir noch einmal auf das Bild vom Fußballer zurückkommen, heißt das: Er muss aufhören, seine falsche Spielweise zu rechtfertigen, sondern er muss einsehen, dass es grundsätzlich falsch ist und sich auf die richtige Spielweise einlassen und dann lernen, ordentlich zu spielen.

Wir müssen uns voller Sehnsucht und von ganzem Herzen ausstrecken nach Wirken des Heiligen Geistes.

Wenn ich mich nach etwas wirklich sehne, tue ich alles, um das Ersehnte zu bekommen. Wenn wir erkennen, dass Jesus das Wichtigste ist im Leben, dann werden wir alles tun, dass er die Möglichkeit bekommt, mit seinem Heiligen Geist in unserem Leben zu wirken. Mit Jesus wissen wir: Er kann aus dem unvollkommenen, falschen Bild ein Bild Gottes machen, uns nach Gottes Vorstellungen verändern und gestalten. Das gilt für den Einzelnen und auch für jede christliche Gemeinde.

Predigt zu Römer 8, 1-11