Predigt zu Epheser 2, 17-22 am 2. Sonntag nach Trinitatis

Der Abschnitt heute beginnt mit dem Satz: „dann kam er und hat diesen Frieden allen verkündet:“

Um Frieden geht es häufig in der Bibel. Ich will nur ein paar Beispiele nennen:

In den ersten Kapiteln der Bibel wird berichtet, wie der Friede immer mehr zerstört wird, ausgehend vom Misstrauen des Menschen gegenüber Gott. In der Weihnachtsgeschichte in Lukas 2 hören wir die Botschaft „Friede auf Erden“. Jesus benutzt häufig den Friedensgruß „Der Friede sei mit dir/euch“, zum Beispiel in der Begegnung  Jesu mit seinen Jüngern nach seiner Auferstehung und auch in den Briefen erscheint der Friedensgruß und das Thema „Frieden“ wird auf vielfältige Weise behandelt.
Dabei geht es in der Bibel immer um den „vierfachen Frieden“ das umfassende Heil in der Beziehung des Menschen zu Gott, zum Nächsten, zur Natur und zu sich selbst. Im Hebräischen steht dafür das Wort „Schalom“.

Es wird deshalb in der Bibel so häufig darüber gesprochen, weil der Friede eines der zentralsten Themen unseres menschlichen Lebens ist.

Das haben alle Generationen so erlebt und wir heute genauso. Die Welt ist voller Unfriede, der Friede in der Gesellschaft ist brüchig, im privatem Leben gibt es viele Probleme und Konflikte, viele Menschen leben mit sich selbst im Unfrieden, der Friede mit der Natur ist gestört und auch in der Kirche wünschen wir uns mehr Frieden.

Ja, wir alle wünschen uns den Frieden.

Die Sehnsucht ist groß nach einem Leben ohne Konflikte und ohne Bedrohung des Friedens. Mit dieser Sehnsucht sind wir eins mit Gott, denn von Anfang der Welt wollte Gott Frieden für die Menschen. Schon in der Schöpfungsgeschichte heißt es: „Und Gott sah an alles, was er geschaffen hatte, und siehe, es war sehr gut.“

Dennoch ist er so schwer zu leben, weil sich in unserem Innern zwei Bedürfnisse beißen.

Auf der einen Seite steht die tiefe Sehnsucht nach Frieden, Liebe, glücklich sein, und auf der anderen Seite aber das Bedürfnis zur Selbstbehauptung und die Angst, dass wir untergebuttert werden; dass wir mit unserer Vorstellung von einem guten Leben nicht zum Zug kommen; dass wir für uns nicht genügend Raum haben, um uns zu entfalten. Und wenn es Konflikte gibt, dann treibt dieses Bedürfnis nach Selbstbehauptung manchmal schlechte Blüten, die wir gar nicht für möglich hielten.                    

Und so ist auch das, was wir Menschen an Frieden zustande bringen, nur sehr brüchig.

Manchmal erreichen wir einen Scheinfrieden, wo wir die Probleme unter den Teppich kehren oder hinter scheinbar heilen Fassaden verstecken, bis die Fassaden zerbrechen oder der Teppich so hoch wird, dass wir darüber stolpern.
Manchmal wird es ein Friede, in dem die eine Seite sich mit ihren Vorstellungen durchsetzt, weil sie mehr Macht, bessere Beziehungen oder Mehrheiten hat. Dann hat die eine Seite Frieden, während die andere unterdrückt wird, bis es irgendwann umgekehrt ist.
Und manchmal wird es nur ein Waffenstillstand, der mit vielen Verträgen und Regeln abgesichert wird, damit der Streit oder Krieg nicht wieder ausbricht.

Paulus redet hier von einem anderen Frieden:    

17 Und dann kam er und hat diesen Frieden allen verkündet: euch, die ihr fern wart, und ebenso denen, die nahe waren. 18 Durch ihn dürfen wir beide, Juden und Nichtjuden, in einem Geist vor Gott, den Vater, treten. 19 Ihr Menschen aus den anderen Völkern seid also nicht länger Fremde und Gäste. Ihr habt Bürgerrecht im Himmel zusammen mit den heiligen Engeln, ihr seid Gottes Hausgenossen. 20 Denn ihr seid ja in den Bau eingefügt, dessen Fundament die Apostel und Propheten bilden, und der Eckstein im Fundament ist Jesus Christus. 21 Durch ihn wird der ganze Bau zusammengehalten, durch ihn, den Herrn, wächst er auf zu einem heiligen Tempel. 22 Weil ihr zu Christus gehört, seid auch ihr als Bausteine in diesen Tempel eingefügt, in dem Gott durch seinen Geist wohnt.

Es geht hier darum, wie die Juden und die anderen Völker mit allen Unterschieden zu einer Gemeinschaft im Glauben zusammenwachsen können.

Früher waren nur die Juden das Volk Gottes: Sie lebten mit den Zusagen und Geboten, die Gott ihren Vorfahren gegeben hatte. Im Laufe der Zeit hatten sie noch ihre Gewohnheiten und weitere Ordnungen entwickelt.  Alles war schön geordnet. Richtig zum Volk Gottes konnten aber nur Juden gehören.
Nun kamen durch die Verkündigung des Evangeliums neue Menschen hinzu
, aus anderen Völkern, die vorher nicht zum Volk Gottes gehören konnten. Sie hatten ganz andere Gewohnheiten und Vorstellungen vom Leben.

Und schon unter den ersten Christen gab es Auseinandersetzungen und Streitigkeiten darüber, wie denn diese neue Einheit aussehen sollte.

Einige meinten, die Christen aus den anderen Völkern müssten erst einmal alle Gewohnheiten und Ordnungen der Juden übernehmen, um vollgültige Christen zu sein. Andere aus anderen Völkern meinten, die ganze Vergangenheit des Judentums spiele überhaupt keine Rolle. Man müsse sie über Bord werfen.

Und die Frage war: Wie kommt es zu einer Einheit? Setzt sich eine Seite durch, gibt es Kompromisse oder kommt es zu Spaltungen.

Paulus macht immer wieder deutlich, dass Gott uns durch Jesus Christus einen ganz anderen Frieden schenkt. Diese neue Einheit entsteht durch das, was Gott in Jesus Christus für uns getan hat.

Der Friede entsteht, indem Gott uns alle ganz neu mit sich verbindet in seinem Geist.

Er gibt uns einen neuen Geist gibt, der sich anfüllen lässt von Gott, sich geborgen weiß, geliebt vom himmlischen Vater; der frei wird vom Selbstbehauptungskampf und fähig zur Liebe, zum Geben; wo die Vergangenheit keine Rolle spielt, die gesellschaftliche Position oder Nationalität, sondern nur das neue Leben in Jesus; der frei ist von sich selbst und fähig zur Liebe, für den anderen da sein; der im anderen Christen Gott erkennt, weil er auch von Gottes Geist angefüllt ist. So stehen wir alle gleich vor Gott mit unserer Schuld und unseren Fehlern, und doch vergeben; mit unserem Drang zur Selbstbehauptung, den wir bei ihm nicht nötig haben und der uns bei ihm auch nicht weiterhilft; mit dem gleichen Auftrag, wie Jesus ihn uns gegeben hat, und doch sehr unvollkommen; als Kinder Gottes, aber ganz ohne unser Verdienst, als Geschwisterkinder unseres himmlischen Vaters.

Wir können dankbar sein, dass wenn es in einer Kirchengemeinde weitgehends Frieden gibt.

Aber was ist es für ein Friede? Gibt es Frieden, weil die Atmosphäre so nett ist und in der Gemeinde so viele nette Menschen sind, oder gibt es nur oberflächlich Frieden, weil gerade alles gut läuft, oder einen Scheinfrieden mit Müll unterm Teppich?
Oder ist der Friede tief gegründet und dauerhaft in der Verbindung zu Jesus Christus?
Sehen die Mitglieder sich nur als nette Menschen, die es auch woanders gibt, oder sind sie fest verbunden als Geschwister im Glauben?

Paulus gebraucht dafür ein Bild, wie alle von Gott zusammengefügt werden.

Wie einzelne Steine werden wir zusammengefügt zum Haus Gottes, jeder an seinem Platz. Das Fundament dieses Hauses, der neuen Gemeinschaft, ist die Botschaft der Bibel und der Eckstein ist Jesus Christus.
Das ist die Grundlage dieser Gemeinschaft, die uns fähig macht als Gemeinde ein gutes Zeugnis von Jesus Christus abzugeben. Die Welt, die Menschen brauchen dieses Zeugnis von Christen als Hinweis, diesen Frieden auch in die Welt zu bringen und ihn zu leben. Die Welt, die Menschen brauchen Christen, die den Frieden leben, weil sie durch Jesus in sich den Frieden Gottes haben.

Doch diese Gemeinschaft ist nicht selbstverständlich und kein Besitz.

Die Gefahr ist, dass wir uns immer wieder von anderen Geistern prägen und leiten lassen, zum Beispiel von Macht, Neid, Ehre oder Anerkennungssucht oder dass wir andere Dinge zum Fundament, zur Grundlage unserer Gemeinschaft machen, zum Beispiel politische Überzeugung, Sympathie, gleiche Meinung und Interessen. Diese Geister haben manchmal mehr Raum unter Christen als der Geist Gottes. Wir schieben sie mit unter das Haus und dann bekommt das Haus eine Schieflage

Wenn wir diesen Frieden wollen, den Gott uns gibt, dann nur indem wir uns immer wieder hinwenden zu Gott und uns von seinem Geist prägen und gestalten lassen,

den Frieden im Miteinander nicht in den menschlichen Wegen suchen, sondern durch die neue Gemeinschaft mit ihm. Gottes Geist allein soll die neue Gemeinschaft prägen. Wir müssen uns gemeinsam auf dieses Fundament stellen. In der Gemeinschaft der Christen ist die einzige Basis die biblische Botschaft, das Zeugnis von Jesus Christus, was er für uns getan hat.

Gott gebe uns seinen Segen, dass immer mehr Gemeinden immer mehr so Gemeinde Jesu Christi sind.

Predigt zu Epheser 2, 17-22