Predigt zu 1. Mose 1, 1-4 + 26 – 2, 4 am Sonntag Jubilate

Predigt zu 1. Mose 1
Foto: Martina Heins

1, 1 Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. 2 Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis lag auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser. 3 Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. 4 Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis.
26 Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über die ganze Erde und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht. 27 Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau. 28 Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht. 29 Und Gott sprach: Sehet da, ich habe euch gegeben alle Pflanzen, die Samen bringen, auf der ganzen Erde, und alle Bäume mit Früchten, die Samen bringen, zu eurer Speise. 30 Aber allen Tieren auf Erden und allen Vögeln unter dem Himmel und allem Gewürm, das auf Erden lebt, habe ich alles grüne Kraut zur Nahrung gegeben. Und es geschah so. 31 Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. Da ward aus Abend und Morgen der sechste Tag.
2, 1 So wurden vollendet Himmel und Erde mit ihrem ganzen Heer. 2 Und so vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke, die er machte, und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er gemacht hatte. 3 Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte. 4 Dies ist die Geschichte von Himmel und Erde, da sie geschaffen wurden. Es war zu der Zeit, da Gott der HERR Erde und Himmel machte.

Dieses erste Kapitel der Bibel ist gleichzeitig auch das umstrittenste der ganzen Bibel.

Wie oft habe ich schon gehört: Das mit der Bibel stimmt doch gar nicht. Die Naturwissenschaft hat doch herausbekommen, dass alles ganz anders war. In Amerika gibt es darüber, wer nun Recht hat, einen heftigen Streit von Wissenschaftlern, Instituten und sogar Gerichtsverfahren.

Wer hat denn nun Recht: die Naturwissenschaft oder die Bibel?

Ich will euch dazu eine Frage stellen. Der eine sagt: Das Kirchengebäude ist von Menschen erbaut worden, damit die Gemeinde sich dort versammelt, um Gottes Wort zu hören und Gott zu loben. Der andere sagt: Beim Bau der Kirche wurden zuerst feste Fundamente gelegt, dann dicke Mauern gebaut und darüber ein Holzdach mit Dachziegeln.

Wer hat Recht? Beide haben Recht. Sie antworten nur auf unterschiedliche Fragen.

Der eine antwortet auf die Frage: Wer hat die Kirche zu welchem Zweck gebaut?
Der andere antwortet auf die Frage: Wie ist die Kirche entstanden und wie ist sie beschaffen?

Genauso ist es mit der Naturwissenschaft und der Bibel:

Die Naturwissenschaft antwortet auf die Frage: Wie ist die Welt entstanden,

in welcher Abfolge und wie ist sie beschaffen? Diese Erkenntnisse können sich ändern. Für „normale“ Menschen sind diese Dinge oft kompliziert und für die grundlegenden Fragen des Lebens nach Halt und Orientierung im Leben und der Frage, wie werde ich mit dem Sterben fertig, weitgehend unbedeutend.

Die Bibel hat gar kein Interesse, sich mit diesen Fragen zu beschäftigen. Sie antwortet auf die Frage: Wer hat diese Welt wozu erschaffen?

Wozu ist der Mensch da? Ist alles nur Zufall oder steckt ein Plan dahinter? Was gibt ihm Halt und woran soll er sich orientieren?
à Diese Fragen sind für unser Leben wichtig: Die Naturwissenschaft kann darauf keine Antwort geben. Aber die Bibel gibt uns lebenswichtige Antworten, so auch hier.

Schauen wir uns jetzt ein paar dieser Aussagen der Bibel an:

Zunächst wird deutlich: Die ganze Welt und alles, was in ihr ist, ist kein Zufall, sondern Gott hat es so gewollt.

Die Welt, die Erde, die Lebewesen, die Menschen sind von ihm so gewollt. Auch du bist kein Zufallsprodukt, sondern, so wie du bist, bist du von Gott gewollt. Und alles ist sein Eigentum, das er es aus dem Nichts erschaffen hat. Und Gott hat dem Ganzen Leben gegeben, denn am Anfang war Chaos ( hebräisch: tohuwabohu ). Er ordnet es und schafft das Licht, damit dauerhaft Leben möglich ist, über die Jahrtausende, bzw. Jahrmillionen. Die Naturgesetze, die das Leben und Wachsen und das Miteinander aller Lebewesen regeln, entspringen Gottes ordnendem Handeln.
Gott ist der Schöpfer, der Eigentümer dieser Welt. Er steht über allem, was es gibt. Deshalb gehört ihm zuerst Lob und Ehre und auch Gehorsam.

Dann, nachdem er alles andere erschaffen hat, erschafft er den Menschen nach seinem Bild.

Der Mensch wird hervorgehoben aus der gesamten Schöpfung.

In Psalm 8 heißt es: „Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott. Mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt. Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk.“ Der Mensch soll Stellvertreter Gottes auf der Erde sein und sie im Sinne Gottes verwalten. Er soll mit allem so umgehen, wie Gott selbst es tun würde, damit es aufblüht und lebt: mit der Natur, was große Bedeutung für die Umweltdiskussion hat; mit anderen Menschen so umgehen, wie Gott mit uns umgeht, zum Beispiel in der Erziehung, Schule oder am Arbeitsplatz; und mit sich selbst im Sinne Gottes umgehen.

Der Mensch soll herrschen, aber nicht seine Macht für eigene Zwecke ausnutzen und die Erde ausbeuten, sondern alles in dieser Welt ist eine Leihgabe Gottes, die er wieder an Gott zurückgeben muss und wofür er sich verantworten muss. Alle, die Macht haben, können hier lernen, wie sie richtig mit Macht umgehen sollen.

Aber das ist nicht allein die Bestimmung des Menschen, sondern er soll immer wieder von seiner Arbeit ruhen und sich auf Gott besinnen,

denn das Wichtigste ist, dass er in einer heilen Beziehung zu Gott lebt,  auf Gott hört und tut, was Gott sagt.
Luther schreibt in seiner Erklärung zum 3. Gebot: „Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir die Predigt und sein Wort nicht verachten, sondern es heilig halten, gerne hören und lernen.“

Und über allem steht ein Satz: Nach jedem Schöpfungswerk Gottes heißt es: Und Gott sah an, was er gemacht hatte, und siehe, es war gut.

Und ganz am Ende heißt es: „Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.“ Alles war heil: die Beziehung zu Gott, zum Menschen, zur Natur und untereinander. Alles war so, dass alles gut leben und aufblühen konnte. So möchte Gott die Welt haben. Das ist sein Wille, auch heute noch, dass alles gut ist.

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Foto: Martina Heins

 

Dass die Welt so nicht ist, darüber brauchen wir nicht lange zu reden.

Der Mensch hat sich selbstständig gemacht, gottlos, sich von Gott abgewandt. Er denkt, dass er ohne Gott mehr vom Leben hat. Er hört nicht mehr auf Gott, sondern handelt nach seinen eigenen Maßstäben. Er beherrscht die Welt nach seinen eigenen Vorstellungen, beutet sie für eigene Zwecke aus, zerstört alles.

Er lebt nicht mehr als Ebenbild Gottes. Seine Ebenbildlichkeit ist verzerrt und entstellt. Der Mensch ist in seinem innersten Wesen krank und kann sich selbst nicht heilen. So zerstört er andere Menschen, sich selbst, die Natur und vor allem die Beziehung zu Gott.

Das sind wir: verzerrte und entstellte Ebenbilder Gottes, unheilbar krank.

Glaubst du, dass du in der Lage bist, dich aus eigener Kraft wieder in ein vollkommenes Ebenbild Gottes zu verwandeln. Glaubst du, dass die Menschen in der Lage sind, diese Welt noch einmal so zu gestalten, dass alles gut ist. Das nennt die Bibel Verlorenheit: keine Chance! Wer kann angesichts dieser Situation noch an seiner eigenen Verlorenheit und der Verlorenheit dieser Welt zweifeln!

Deshalb hat Gott gesagt: Ich muss selber noch einmal eingreifen.

Ich muss die Menschen und die Welt neu schaffen, nicht nur ein bisschen ermahnen oder verändern, denn das reicht nicht. Das ist die Verheißung für die Ewigkeit: Das Alte ist vergangen, siehe, ich mache alles neu. Aber weil die Menschen etwas Besonderes sind, schafft er sie nicht einfach alle neu, sondern er will, dass sie, so wie sich frei gegen ihn entschieden haben, sich auch wieder frei für ihn entscheiden.
Es ist die freie Entscheidung für Jesus, denn Jesus ist der einzige, der vollkommen als Ebenbild Gottes gelebt hat. Nur durch Jesus können wir dahin zurückkommen.
Paulus schreibt im 2. Korinther 5, 17: „Wenn jemand mit Christus verbunden ist, ist er eine neue Schöpfung, das Alte ist vergangen, siehe ein Neues ist geworden.“ Und Jesus sagt in Johannes 15, 1-6: Wenn du mit mir verbunden bleibst, erlebst du meine Kraft.

Predigt zu 1. Mose 1
Foto: Martina Heins

Durch Jesus, durch seine Kraft, durch seinen Heiligen Geist werden wir wieder eingesetzt als Ebenbilder Gottes. Noch ist es bei uns nicht sichtbar. Nur wenn wir zu Jesus gehören, erkennt Gott uns so. Aber was jetzt noch unsichtbar ist, wird in der Ewigkeit vollkommen da sein.

Versteht ihr: Nur wer sich mit Jesus verbindet, kann Anteil bekommen an Gottes ewiger Welt. Wer sich dem verweigert, der bleibt verloren und kann nicht in Gottes Welt kommen. Dann in Gottes ewiger Welt wird wieder alles gut, alles sehr gut sein. Die ganze Schöpfung wird befreit sein von der Versklavung durch die Menschen. Und auch du, wenn du zu Jesus gehörst, wirst wieder ganz Gottes Ebenbild sein. Ist das nicht spannend, dann zu sehen, wie du nach Gottes Vorstellung wirklich sein solltest.

Wir haben uns heute ein bisschen mit Aussagen der Schöpfungsgeschichte beschäftigt.

Die ganze Bibel ist voll von Aussagen darüber, wer Gott ist, wie Gott mit uns umgeht, wie Gott sich uns vorstellt, was er mit uns vorhat.

Wer sagt, die Bibel ist von gestern, der hat gar nichts begriffen. Die Bibel ist das Fenster zum ewigen Gott und das wichtigste Buch, das wichtigste Wort unseres Lebens. Was kann uns kluge Naturwissenschaft oder kluge Philosophie bieten. Sie bleiben immer in der Schöpfung, in dem Geschaffenen stecken. Die Bibel aber dringt zum Schöpfer durch. Und für dich ist das alleine wichtig, ob du wieder zu deinem Schöpfer durchdringst.

Predigt zu 1. Mose 1, 1-4 + 26 – 2, 4