Predigt zu 2. Korinther 4, 5-7 am letzten Sonntag nach Epiphanias

In einer Gemeindegruppe ging es um die Frage: „Was ist der zentrale Auftrag der Kirche?“

In der Antwort waren sich alle einig: Die Ausbreitung der Botschaft Jesu durch unser Reden und Handeln.
Manche Gemeinden haben auf ihrer Homepage als Leitbild der Gemeinde den Missionsbefehl aus Matthäus 28, 18-20. In seiner letzten Begegnung mit den Jüngern fordert er sie auf, alle Menschen zu seinen Jüngern zu machen und ihnen zu zeigen, wie man in der Nachfolge Jesu leben kann.
Auf einem Bild von Lukas Cranach wird Martin Luther gezeigt, wie er die Gemeinde auf Christus weist. Darum ging es Martin Luther. Er selbst wollte, dass man alle seine Bücher beseitigt und nur die Bibel liest, denn es ging ihm nicht um seine Person und um seine Weisheiten, sondern allein um Christus. Sein Leitsatz war: Gut ist alles, was “Christum treibet“.

Das heißt: Durch alles, was wir in der Gemeinde tun, soll Christus erstrahlen!

Das soll für alles gelten: für alle Arbeiten, die im Hintergrund geschehen wie Verwaltung, Finanzen, Bau, Kaffee kochen, Abwaschen und Aufräumen; für alle Gemeindegruppen, Chöre, Arbeitskreise, Arbeit mit Kinder und Jugendlichen und für alle Dienste in der Gemeinde wie zum Beispiel Lesungen im Gottesdienst, Küsterdienste, Musik, Vorstandsarbeit und die Arbeit des Pastors.

Nun geht Paulus in unserem Abschnitt aus 2. Korinther 4, 5-7 ein auf ein besonderes Problem:

5 Denn wir predigen nicht uns selbst, sondern Jesus Christus, dass er der Herr ist, wir aber eure Knechte um Jesu willen. 6 Denn Gott, der da sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass die Erleuchtung entstünde zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi.

Der 2. Korinther-Brief ist ein besonderer Brief:

In anderen Briefen handelt Paulus ein Glaubensthema ab oder gibt Anweisungen zum christlichen Leben. Hier geht es um eine Auseinandersetzung, einen Konflikt zwischen Paulus und der Gemeinde. Paulus hatte die Gemeinde gegründet und war dann weitergezogen. Dann aber kamen andere Prediger, und ein Großteil der Gemeinde lief ihnen hinterher.
Ein Teil der Gemeinde warf Paulus vor: Paulus, du hast nichts vorzuweisen und bist kein guter Redner; in deinen Briefen bist du stark, aber vor Ort bist du schwach. Paulus hält dagegen: Die Prediger stellen sich selbst dar, preisen sich an und ihr lasst euch um den Finger wickeln und verlasst die gute Botschaft des Evangeliums.

Für Paulus geht es um die Frage: Was ist wichtiger: die Verpackung oder der Inhalt?

Die Verpackung, das sind wir Menschen, so wie wir sind mit Stärken und Schwächen! In Vers 7 sagt er: „Wir haben den Schatz des Evangeliums in irdenen Gefäßen“, das heißt in menschlicher Verpackung. Der Inhalt ist die gute und rettende Botschaft von Jesus, Jesus selbst.
Natürlich sagen wir sehr schnell: Wichtig ist Jesus, der Inhalt, aber wie gehen wir damit in der Praxis um? Wonach urteilen wir, ob eine Predigt, eine Aktivität oder ein Einsatz gelungen und gut war, daran wie wir als Verpackung ankommen oder ob die Botschaft des Evangeliums erstrahlt? Geht es uns darum, dass wir gut ankommen, oder dass Christus zum Zug kommt.

Weil viele Menschen Wert auf das Äußere legen, lassen sich viele Prediger und Mitarbeiter in die Irre führen und fragen danach. Was kommt an? Was mögen die Leute? Wie kommen wir selbst gut an? Das ist der Tod des Evangeliums!

Was Paulus hier sagt, ist auch für uns Anlass, uns selbst kritisch zu fragen: Was ist unsere eigene Motivation, um in der Gemeinde oder an einem anderen Ort einen Dienst für Jesus zu tun?
Was suchen wir bei anderen, zum Beispiel bei einem Pastor? Geht es um die besonderen menschlichen Eigenschaften und Fähigkeiten? Ist es wichtig, anzukommen, vielleicht andere zu blenden oder sich blenden zu lassen, oder geht es uns darum, dass Christus zum Strahlen kommt?
Die große Versuchung ist, dass wir uns um uns selbst oder andere Personen drehen und nicht um Christus.

Paulus will uns ermahnen, aber auch entlasten:

  1. Seht nicht auf die Verpackung, sondern stellt den Inhalt in den Vordergrund, ermahnt er uns!

Es geht nicht um uns selbst, sondern es geht einzig und allein um Jesus, seine Botschaft. Wir haben eine große Verantwortung, wenn es um das Evangelium geht. Dafür sollen wir alles geben und alles tun. Aber wenn wir in unserem Dienst auf uns selbst hinweisen oder überhaupt Menschen in den Mittelpunkt stellen, dann stehen wir dem Evangelium im Weg. Das ist der Vorwurf, den Paulus den Predigern in Korinth macht: „Sie preisen sich selbst an.“ Dagegen soll die Vollkommenheit und Schönheit Jesu erstrahlen. Wer im Dienst des Evangeliums steht, der ist Diener aber nie das Evangelium selbst.
Vor einigen Jahren las ich eine Geschichte über ein Pastor in Skandinavien, der in seiner Gemeinde außerordentlich beliebt war.  Er wollte der Gemeinde deutlich machen, dass es nicht um ihn, sondern um Jesus geht. Und deshalb hat er sich so sehr betrunken, dass man ihn am nächsten Tag im Straßengraben fand. Ob es gewirkt hat, stand in der Geschichte nicht und es wird auch nicht zur Nachahmung empfohlen.

  1. Paulus entlastet uns, indem er deutlich macht: Es kommt nicht auf die äußere Verpackung an.

Viele Christen denken: Um wirklich etwas für Jesus, für das Evangelium tun zu können, brauche ich besondere Begabungen oder ich müsste von meinem Wesen her vollkommener sein, damit die Menschen aufmerksamer werden. Im Hinweis auf sich selbst, sagt Paulus: Mit besonderen Begabungen können wir zwar die Aufmerksamkeit der Menschen auf uns, auf die Verpackung, lenken, aber noch nicht automatisch auf Jesus. Einzig wichtig ist es, dass wir selbst uns anfüllen lassen mit dem Licht Christi und uns ihm zur Verfügung stellen, damit Jesus in uns und durch uns zum Zug kommt. Wir sind entlastet für uns selbst, darum ob wir persönlich gut ankommen.

Im 1. Korinther-Brief 14, 1-3 gibt Paulus uns für unseren Dienst zwei Maßstäbe an die Hand:

  1. Die Liebe:

Dabei geht es nicht darum, ob wir uns sympathisch finden. Manchmal kommen welche in den Gottesdienst, die kennt man gar nicht. Wie soll man sie schon sympathisch finden. Was gemeint ist, sagt der dänische Philosoph und Theologe Sören Kirkegaard: „Was heißt es, einen anderen zu lieben? Einen anderen zu lieben, heißt ihm zur Gottesliebe zu verhelfen, und geliebt werden heißt, das einem dazu geholfen wird.“
Lieben bedeutet nicht nur, besonders nett sein, einem beistehen, gute Worte sagen, durstigen Menschen zu Trinken geben, sondern Menschen zu Gott führen, wo sie selbst aus der unerschöpflichen Quelle Gottes schöpfen können, der Quelle des Trostes, der Kraft, der Geborgenheit, der Hoffnung, …; wo sie bekommen, was sie für ihr Leben hier und für die Ewigkeit gebrauchen.
Mit dieser selbstkritischen Frage muss ich mich selbst immer wieder prüfen: Liebe ich die Menschen so, dass ich sie zur Quelle führen will, ohne an mich zu denken?

  1. Die Gemeinde soll erbaut werden:

Alles, was wir tun, soll dazu dienen, dass …
andere in der Gemeinde getröstet, ermutigt und im Glauben gestärkt werden; die Gemeinde aufgebaut wird unter der Regie des Bauleiters, Jesus.
… das Haus Jesu an dem Ort gebaut wird,
wo wir leben, nach seinem Plan und seinen Vorstellungen, dass Menschen, wenn sie in die Gemeinde kommen, spüren, hier wird der Glaube an Jesus Christus gelebt; hier ist Gott zu Hause; hier sind Menschen, die mir helfen, Gott kennenzulernen und mein Glaube wachsen kann.

Für unseren Dienst für Jesus brauchen wir

keine besonderen Fähigkeiten; nicht die Begabungen, mit denen wir die Aufmerksamkeit und den Beifall der Menschen auf uns ziehen können, sondern dass unser Herz vom Evangelium, von Jesus selbst, erleuchtet und durchdrungen ist.  Nicht unsere Herrlichkeit soll leuchten, wir sind nur ein Gefäß, eine Verpackung, sondern Gottes Herrlichkeit soll aufleuchten, seine Botschaft, die Menschen rettet.

Suchen Sie bei anderen, ob sie Christus zum Strahlen bringen und helfen Sie ihnen dabei!

Füllen Sie sich selbst mit Christus an, damit Sie noch durchsichtiger werden für Christus!

Predigt zu 2. Korinther 4, 5-7