Predigt zu Matthäus 21, 1-11 am 1. Advent

Waren Sie schon einmal enttäuscht von Gott, bzw. von Jesus, oder schon öfter in Ihrem Leben?

Viele Menschen haben den Glauben an Jesus verloren, weil sie von Gott enttäuscht sind. Sie sagen: Ich habe gebetet für meinen kranken Vater, einen guten Freund, eine neue Arbeit, etc.,  und Gott hat nichts getan. Ich habe auf Gott gehofft, ihm vertraut, aber es ist nichts passiert. Es gab keine  Hilfe. Ich kenne persönlich diese Enttäuschung gegenüber Gott aus zahlreichen Erfahrungen.
Und in manchen Gesprächen denke ich: Hoffentlich wirst du nicht von Gott enttäuscht, wenn jemand sagt: „Ich habe gebetet und bin ganz sicher, dass Gott mir helfen wird.“ Wie geht derjenige damit um, wenn die Hilfe Gottes ausbleibt?

In dem Bibelabschnitt für heute erleben wir Menschen, die noch ganz begeistert sind von Jesus,  aber schon einige Tage später sind sie bitter enttäuscht.

1 Als sie nun in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Betfage an den Ölberg, sandte Jesus zwei Jünger voraus 2 und sprach zu ihnen: Geht hin in das Dorf, das vor euch liegt. Und sogleich werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Füllen bei ihr; bindet sie los und führt sie zu mir! 3 Und wenn euch jemand etwas sagen wird, so sprecht: Der Herr bedarf ihrer. Sogleich wird er sie euch überlassen. 4 Das geschah aber, auf dass erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten, der da spricht 5 »Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen, dem Jungen eines Lasttiers.« 6 Die Jünger gingen hin und taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, 7 und brachten die Eselin und das Füllen und legten ihre Kleider darauf, und er setzte sich darauf. 8 Aber eine sehr große Menge breitete ihre Kleider auf den Weg; andere hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. 9 Das Volk aber, das ihm voranging und nachfolgte, schrie und sprach: Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe! 10 Und als er in Jerusalem einzog, erregte sich die ganze Stadt und sprach: Wer ist der? 11 Das Volk aber sprach: Das ist der Prophet Jesus aus Nazareth in Galiläa.

Jesus wird als neuer König von Israel begrüßt.  

Als Zeichen für den Empfang des neuen Königs in Jerusalem legen sie Palmenzweige und ihre Kleidung auf den Weg. Das war damals üblich, wenn ein neuer König in Jerusalem begrüßt wurde. Sie hoffen, dass Er das Volk Israel von der Unterdrückung durch die Römer befreit, dass Er Frieden und Gerechtigkeit für alle bringt, dass Er Menschen gesund macht und jedes Leid beseitigt. Und sie hoffen nicht zu Unrecht, denn Jesus hatte seine Macht an vielen Stellen gezeigt – und auch gezeigt, dass er seine Macht zum Wohl der Menschen einsetzt, z. B  bei Krankenheilungen. Direkt davor hat er seine Macht gezeigt, indem er zwei Blinde heilt und aus dem Johannesevangelium kennen wir die Geschichte, wie er Lazarus von den Toten auferweckt. In dieser Geschichte kann er vorhersagen, was alles geschieht, danach kommt die Geschichte von der Tempelreinigung, wo er gegen die Geldgier und Unordnung ankämpft und es auch schafft. Dann zeigt er seine Macht, wie er einen Feigenbaum verdorren lässt. In Vers 22 sagt Jesus: „Wenn ihr nur Vertrauen habt, werdet ihr alles bekommen, worum ihr bittet.“ Es ist doch völlig verständlich, dass die Menschen so große Hoffnung in Jesus setzen.

Auch heute gibt es viele Erzählungen von Wundern und Zeichen seiner Macht. Viele Christen glauben: Wenn ich nur richtig und mit genügend Glaubenskraft bete, dann hilft Jesus mit seiner Macht.

Aber dann ist da die große Enttäuschung der eben noch jubelnden Menschen.

Nichts von alledem, was sie sich von Jesus erhofften, geschieht. Jesus lässt sich wehrlos gefangen nehmen, anspucken, verspotten, schlagen und töten. Petrus will Jesus mit Macht verteidigen und zieht das Schwert, aber Jesus will das nicht. Judas will Jesus unter Druck setzen. Er denkt: Wenn ich Jesus verrate, dann wird er endlich zeigen, was in ihm steckt, was er kann. Aber Jesus wehrt sich nicht. Was für eine Enttäuschung und was für eine Blamage? Sie hatten sich zu Jesus gehalten, hatten ihm zugejubelt, ihm geglaubt, Und wie stehen sie jetzt da? Die anderen machen sich lustig über sie, verspotten sie.

Sie sind bitter enttäuscht von Jesus:

Petrus ist völlig durcheinander und leugnet, ihn zu kennen.  Judas ist so verzweifelt, dass er sich erhängt. Viele ziehen sich einfach zurück und wollen nichts mehr davon wissen. Und eine große Menge schreit. „Kreuzige ihn!“
Und so reagieren auch heute noch Menschen, wenn sie von Jesus enttäuscht sind: Einige ziehen sich zurück, andere behaupten, nie an Jesus geglaubt zu haben und wieder andere reden gegen den Glauben oder machen sich darüber lustig.
Wir kennen das aus anderen Bereichen, dass Enttäuschung zur totalen Ablehnung führt, z. B. wenn ein Verliebter feststellt, dass seine Angebetete ganz anders ist, als er gedacht hat; in Ehe und Freundschaften, am Arbeitsplatz oder zwischen Schülern und Lehrern.

Es gibt aber noch eine andere Möglichkeit, mit Enttäuschung umzugehen. Können Sie sich vorstellen, dass Jesus die Menschen damals und heute ganz bewusst enttäuscht?

Enttäuscht werden ist eigentlich etwas Positives,

denn eine Enttäuschung befreit mich von einer Täuschung. Vorher unterlag ich einer Täuschung. Ich hatte mir von dem anderen Menschen ein Bild nach meinen Wünschen zurechtgelegt. Das passiert Verliebten häufig, „Liebe macht blind“, man sieht das, was man sehen will.
Wenn wir enttäuscht worden sind, sehen wir die Wirklichkeit, wie sie wirklich ist. Sie ist dann ganz anders, und wir empfinden sie deshalb manchmal als hart.

Auf Jesus und Gott übertragen heißt das: Viele Menschen machen sich ein Wunschbild von Gott, von Jesus. Sie täuschen sich selbst,

wenn sie glauben, Jesus sei da, um ihre Wünsche zu erfüllen. Und genau das will Jesus nicht. Deshalb enttäuscht er uns manchmal bewusst. Wir sollen kein Wunschbild von ihm anbeten. Das ist Götzendienst. Auch darauf bezieht sich das Bilderverbot in der Bibel, sondern wir sollen ihn anbeten, wie er ist und wofür er da ist.
Und Jesus macht deutlich: Ich tue nicht das, was ihr wollt, sondern ich tue das, was Gott will. Ich erfülle nicht eure Wünsche, sondern Gottes Wünsche, Gottes Willen. Wenn Gott will, dass ich seine Macht durch Wunder zeige, dann tue ich es. Und wenn Gott will, dass ich leide, dann gehe ich den Weg des Leidens.

Jesus ist nicht gekommen, um das zu tun, was Menschen sich wünschen, sondern Gottes Willen. Jesus ist nicht gekommen, um uns das Leben etwas zu erleichtern, sondern um uns auf den Weg Gottes zu bringen.

Wenn Jesus uns nur hier und da unsere Wünsche erfüllen würde, dann würde unser Leben sicher etwas leichter, aber es würde sich nichts grundsätzlich ändern. Wir müssten weiter aus unserer eigenen Kraft leben. Wenn er uns aber auf den Weg Gottes bringt, dann werden wir unzertrennlich mit ihm verbunden und können aus der Kraft Gottes leben. Die Ewigkeit Gottes steht uns dann offen, hier im Leben und vollkommen in der Ewigkeit. Und Jesus möchte, dass wir von ihm lernen, in Gottes Willen zu leben, und dann mit ihm in die Ewigkeit kommen.
Und Jesus fragt: Liebst du mich nur und bejubelst mich, wenn ich deine Wünsche erfülle, oder liebst du mich, weil ich Gottes Willen tue und dich zurück zu Gott bringe? Und wenn du mir folgen und zu mir gehören willst: Tust du das nur, wenn du dadurch Vorteile für dich siehst, oder bist du bereit, mit mir zusammen Gottes Willen zu tun, egal ob es für dich bedeutet, dass ich dir helfe oder ob es für dich Leiden bedeutet?

Eigentlich hätten die Menschen vorher schon erkennen können, dass Jesus anders ist, als sie es sich gewünscht hatten.

Es gibt einen Hinweis in der Geschichte: Jesus kommt auf einem Esel. Ein richtiger König, der seine Macht zeigen will, der kommt mit Schwert und Ausrüstung auf einem Pferd oder einem Wagen mit Pferd. Jesus kommt auf einem Esel, ohne Waffen, ohne Imponiergehabe. Dadurch zeigt Jesus, dass ihm nichts an der weltlichen Macht liegt. Er zeigt: Ich setze mein Anliegen nicht mit Macht durch, sondern mit Liebe, mit Dienen.
In dem Kapitel davor gibt es einen Streit unter den Jüngern, wer denn bei Jesus in seinem Reich die meiste Macht bekommen wird. Und Jesus antwortet: wenn jemand der Größte sein will, dann soll er allen dienen. So gibt Jesus auch uns oft Zeichen, an denen wir erkennen können, wie er wirklich ist. Und wenn wir genau hinsehen, auch in der Bibel, dann können wir unser Wunschbild aufgeben und sehen, wie er wirklich ist.

Die Frage ist: Welchen Jesus laden wir in der Adventszeit ein, zu uns zu kommen: unser Wunschbild oder Jesus, wie er wirklich ist?

Liebst du Jesus nur, glaubst du nur an ihn, wenn er deine Wünsche erfüllt, oder liebst du ihn, folgst du ihm nach, weil er dich zu Gott zurück bringt, weil er Gottes Willen tut und du von ihm lernen willst, in Gottes Willen zu leben.

Der, der Weihnachten kommt, ist nicht unser Wunschbild, sondern es ist der Sohn Gottes.

Predigt zu Matthäus 21, 1-11