Predigt zu 1. Timotheus 4, 4-5 am Erntedankfest

Alles, was Gott geschaffen hat ist gut, …. wenn wir es mit Dank aus Gottes Hand empfangen.

Dagegen muss man doch protestieren, Paulus:

Das kann nicht dein Ernst sein! Vielleicht war das damals so, aber heute wissen unsere Experten das besser: Schweinefleisch ist ganz schlecht, Rindfleisch auch, am besten gar kein Fleisch, auch keine Eier, kein Käse, kein Quark, überhaupt keine Milchprodukte; am besten nur frisches Gras, Gemüse und Körner als Vollkornbrot, Vollkornkuchen, Vollkornfrikadellen, Vollkornreis, Sojamilch, und dann auch noch jeden Biss 34 Mal kauen. Ungespritztes Obst sollte es sein, aber es könnte mit Schimmelpilzen befallen sein. Tabak, Alkohol Kartoffelchips, Hamburger, Coca Cola, Harribos, usw. geht gar nicht. Und wenn diese Essenvorschriften dann auch noch religiös begründet werden, wird es ganz heftig. Im Studium habe ich das schmerzhaft erlebt.
Wollen wir doch einmal prüfen, wie das mit den Erntegaben ist, die Sie heute zum Gottesdienst mitgebracht und an den Altar gelegt haben. Ist davon etwas brauchbar?

Was soll man tun? Würde man alle Expertenmeinungen zusammentragen, dann wäre es sicher das Beste, gar nichts mehr zu essen, sondern von Luft und Liebe zu leben.  

Zumindest kann man dann vom Essen nicht mehr krank werden. Hauptsache gesund! Aber ist das wirklich gesundes, gutes Leben, Lebensfreude? Der katholische Theologe und Professor für Medizin und Psychologie, Manfred Lütz  schreibt darüber in dem Buch: „Lebenslust – Wider die Diätsadisten, den Gesundheitswahn und den Fitness-Kult“.  Es ist lesenswertes Buch, das ich nur empfehlen kann.
Das Thema ist nicht neu: Schon Jesus musste sich mit frommen Juden auseinandersetzen,

die der Überzeugung waren, wenn man bestimmte Speisevorschriften nicht einhält, dann bekommt man Probleme mit Gott.
Und auch Paulus hatte es mit Menschen zu tun, die aus religiöser Überzeugung bestimmte Speisen verboten.

Paulus setzt nun dagegen: Alles ist gut, alles dürfen wir essen, wenn wir zu Jesus gehören und Gott dafür danken. Wir dürfen alles als ein Geschenk Gottes genießen.

Das gilt nicht nur für das Essen, sondern für alle Gaben, die diese Welt uns bietet. Der große englische Prediger des 19. Jahrhundert, Spurgeon, schrieb: „Ich kann auch zur Ehre Gottes eine Zigarre rauchen.“ Und in der Schöpfungsgeschichte lesen wir: „Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.“

Ein Geheimnis für ein gelingendes und erfülltes Leben ist, alles dankbar vom Gott annehmen.
Ich möchte fünf Punkte nennen, warum es gut ist, dankbar zu leben:

Wer alles dankbar empfängt, …

… der kann die Gaben genießen.

Viele Menschen verbinden das Wort „genießen“ nicht gerade mit dem christlichen Glauben und in der Tat ist für viele Christen das Wort oder der Gedanke an Genuss schon eine Sünde. Aber das ist der Unterschied zwischen Genuss und Sucht: Sucht ist Abhängigkeit, lebenstötend. Wir wollen und brauchen dann immer mehr, sonst sind wir nicht zufrieden. Es gibt nicht nur Alkohol-, Tabak- und Spielsucht, sondern auch Sucht nach Geld, Anerkennung, Erfolg, Ansehen, Mode, etc. Genuss dagegen ist Freude an den Gaben, ein Lob auf den Schöpfer und Geber der Gaben. Wer genießt, der muss das nicht haben, aber er freut sich daran, wenn er es hat. Wer genießt, weiß, dass er nur von Jesus abhängig ist, nicht von den Dingen. Wer genießt kann sich an dem Leben freuen, das Gott ihm schenkt.
Wenn wir die Gaben selbstverständlich hinnehmen, bringen sie keine Freude, aber dankbar bringen sie viel Freude. In Prediger 3 heißt es: „Dass aber ein Mensch essen und trinken und sich gütlich tun bei all seiner Mühsal, auch das ist eine Gabe Gottes.“ Lebensfreude ist ein Lob auf den himmlischen Vater, und Gott freut sich, wenn seine Kinder sich freuen.

… lebt verantwortungsvoller,

weil er die Gaben als anvertraute Geschenke zu schätzen weiß. Er betrachtet sie nicht als seinen Besitz, mit dem er machen kann, was er will, sondern er weiß, dass es ein Geschenk Gottes ist, um sich und anderen das Leben damit schöner zu gestalten. Er wird sie deshalb nicht gebrauchen, um sich selbst oder anderen zu schaden.

… wird zuversichtlich,

weil er Gott vertraut, dass er es gut mit uns meint, dass er uns eine gute Natur zum Leben geschenkt hat; weil er hinter all den Gaben Gott sieht, die Geschenke eines liebenden Vaters, der will, dass es uns gut geht, und dass wir uns an seinen Gaben freuen. Das ist die größte Gabe überhaupt, die Jesus uns gezeigt hat, dass wir einen liebenden Vater im Himmel haben. Er kann zuversichtlich ins Leben gehen, weil er weiß, dass der liebende himmlische Vater ihn nie im Stich lässt.

… kann Gott loben und preisen.

Wie soll jemand die Freude des Glaubens ausstrahlen, fröhlich singen, wie soll unser Herz weit und voller Lob sein, wenn wir uns nicht freuen an den Gaben Gottes, an der Liebe, die dahinter steht und die er uns in Jesus zeigt? Wie sollen wir Erntedank feiern, dankbar das Tischgebet sprechen und Gottes Liebe und Freundlichkeit vor anderen bekennen, wenn wir Gottes Gaben nicht genießen?

Es gibt zwei Dinge, die uns im Umgang mit den Gaben krank machen:

Das erste ist die Sucht

nach immer mehr. Wer süchtig ist, ist nie zufrieden, kommt nie ans Ziel, sondern ist abhängig davon, dass er immer mehr braucht. Er ist ein Gefangener seiner Sucht, egal um welche Sucht es sich handelt.

Das zweite ist die Angst.

Wenn ich immer Angst habe, dass mich irgendetwas krank macht oder anderweitig schaden könnte, dann macht mich zum Beispiel das Essen nicht krank, sondern die Angst davor, dass es mich krank machen könnte. Wenn ich mich aber in der Hand Jesu geborgen weiß, dann brauche ich keine Angst zu haben, brauche ich nicht zu sorgen; denn er bestimmt über mein Leben, er sorgt für mich, er liebt mich und meine Zeit steht in seinen Händen.

Dankbarkeit ist der Weg zu Lebensfreude, Zufriedenheit und Zuversicht. Deshalb ist auch die gesündeste Ernährung der dankbare Genuss.

Wie komme ich dahin zu einem dankbaren Leben?

Lassen Sie mich nur drei Beispiele nennen:

1. Vertrauen lernen:

Das lernen wir dadurch, dass wir auf Jesus schauen, wir uns mit ihm beschäftigen und es ausprobieren, sich ihm anzuvertrauen. Und dann entdecken wir: So ist Gott zu uns. Er will uns nicht Böses. Da begegnet uns nur Liebe und Freundlichkeit.

2. Dankbarkeit einüben,

zum Beispiel beim Tischgebet. Fangen Sie damit wieder an. Der Gottesdienst ist ein Zeichen dafür, dass wir hinter den alltäglichen Gaben den liebenden himmlischen Vater erkennen und uns ihm zuwenden. Wir können den Tag mit Dank beginnen und abschließen oder auch zwischendurch Gott für alles danken.
Diese Formen sind abgeschafft worden, weil sie oft nur noch Tradition waren, und das ist nicht gut. Es ist aber noch schlechter, es aus Tradition nicht zu tun.

3. Teilen

Wenn Sie Ihre Gaben mit anderen teilen: ihre  Zeit, ihr Geld, ihren Garten, materielle Dinge oder sonst etwas, dann werden Sie entdecken, dass durch Teilen die Freude über die Gaben größer wird. Das ist das Geheimnis der Liebe.

Freuen Sie sich an den Gaben Gottes und noch mehr am liebenden himmlischen Vater!