Predigt zu Matthäus 11, 2-6 am 3. Advent

Warum ist das Leben so ungerecht?

Warum werden die Reichen und Mächtigen immer bevorteilt? Und dann gibt es so viel Streit, Intrigen, Kriege, Unehrlichkeit. Fast alles ist nur oberflächlich, jeder denkt nur an sich selbst frei nach dem Motto „Jeder denkt an sich, nur ich denke an mich.“. Das muss sich doch ändern!

Wer geht dagegen an und wer ist in der Lage, das zu ändern?

Es gab immer wieder Ideen, Hoffnungen, um die Welt zu verbessern:

In unserer Jugendzeit hatten wir das Gefühl, wir können es packen, jedenfalls die Welt ein bisschen verändern und verbessern. Der Optimismus damals war wie ein Traum. Er hat Energie freigesetzt, aber letztlich ist die Welt nicht wirklich besser geworden.
Politische Systeme haben es versucht, gehofft und es nicht geschafft: Der Kommunismus ist völlig gescheitert, und hat noch mehr Unheil angerichtet; Diktaturen beseitigen manchmal ein Unglück und schaffen viele Neue. Die Demokratie ist gut, aber kann auch nicht wirklich etwas ändern, höchstens noch mehr Ungerechtigkeit verhindern.
Aber wer soll es richten, dass die Welt besser wird, und was ist unsere Rolle dabei?

Johannes der Täufer hatte damals auf Jesus hingewiesen und gesagt: Der ist es, der im Auftrag Gottes kommt, um uns Gottes neue Welt mit Frieden und Liebe zu bringen.
Johannes war fest in seiner Überzeugung und in seinen Reden. Er ging sogar gegen den König Herodes an. Und als der König ihn festnehmen ließ, ist er nicht von seiner Überzeugung abgewichen. Aber nun sitzt er in seinem Gefängnis und merkt: es passiert nichts. Die Mächtigen können weiter tun, was sie wollen. Herodes wird nicht in seine Schranken gewiesen, und aus dem Gefängnis werde ich auch nicht befreit. In der Welt entsteht kein Friede und keine Gerechtigkeit. Gott setzt sich nicht durch.

Da fängt Johannes an, zu zweifeln: Ist Jesus wirklich der, der von Gott kommt.

2 Der Täufer Johannes hatte im Gefängnis von den Taten gehört, die Jesus als den versprochenen Retter auswiesen; darum schickte er einige seiner Jünger zu ihm. 3 »Bist du wirklich der, der kommen soll«, ließ er fragen, »oder müssen wir auf einen anderen warten?« 4 Jesus antwortete ihnen: »Geht zu Johannes und berichtet ihm, was ihr hört und seht: 5 Blinde sehen, Gelähmte gehen, Aussätzige werden gesund, Taube hören, Tote stehen auf und den Armen wird die Gute Nachricht verkündet. 6 Freuen darf sich, wer nicht an mir irrewird!«

Kennen Sie diesen Zweifel auch?

So mancher, der sonst fest an Jesus glaubt, wird plötzlich von diesen Zweifeln durcheinander gebracht: Sie wissen, Jesus ist auferstanden, er lebt, er ist da ist und hilft und gibt Kraft; sie glauben und vertrauen, dass er die Macht hat und alles verändern kann. Aber dann: Was geschieht? Nichts! Jesu Macht ist nicht zu spüren, es verändert sich nichts. Jesus setzt sich mit seiner Macht und Kraft nicht wirklich durch, sondern es geht weiter ungerecht und lieblos zu, es bleibt alles beim Alten. Und auch unter Christen und in Gemeinden ist so wenig zu spüren von der verändernden Kraft durch den Heiligen Geist, sondern da geht es zu wie überall in der Welt. Und auch im persönlichen Leben läuft nicht alles, wie man sich das als Christ vorstellt.

Dann kommt der Zweifel: ist Jesus wirklich der, der alles in Ordnung bringt? Und von denen, die nicht an Jesus glauben, hört man dann:  Wo ist denn euer Gott? Wo ist denn seine Macht spürbar und seine Liebe?

Hat sich die Welt durch Jesus verändert? Ist in seinem Namen nicht viel Unrecht geschehen? Ist die Welt nicht noch genauso schlimm oder schlimmer.
Und was sagt Jesus? Er verteidigt nichts! Sondern er sagt: Sieh die Zeichen, die geschehen.

Nicht alle Blinde können wieder sehen, aber ein paar habe ich geheilt; nicht alle Gelähmte gehen wieder, aber ein paar schon; nicht alle Tauben hören wieder, aber einige hören; nicht alle Toten habe ich auferweckt, aber einige leben wieder; nicht alle Armen nehmen die frohe Botschaft an, aber einige folgen mir nach.
Das sind Zeichen. Es ist noch nicht Gottes neue Welt, wo alles nach dem Willen Gottes geschieht und jeder sich unter Gott unterordnet. Aber es sind Zeichen, die darauf hinweisen, wie es sein wird in Gottes Welt. Diese Zeichen sind wie ein Verkehrszeichen. Es weist auf einen Ort hin, aber es ist noch nicht der Ort. Manchmal gibt es solche Hinweisschilder mit Bildern von einem schönen Hotel. Man kann sich das Bild ansehen und sich vorstellen, wie es sein wird, aber es ist noch nicht das Hotel. Und es weist uns den Weg, wie wir dorthin kommen.

Jesus sagt: Wenn ihr erwartet, dass ich meine Macht in der Welt einsetze, um durchzusetzen, dass alles nach Gottes Willen läuft, dann werdet ihr enttäuscht.

Hier in dieser Welt, damals bei den Jüngern und auch heute bei uns, gibt Jesus nur Zeichen, Hinweise, die deutlich machen: So ist es in Gottes Welt, so wird es sein: keine Krankheit, kein Leid, keinen Streit und keine Ungerechtigkeit. Alles was Jesus damals tat und was er heute tut ist nur ein Hinweis. Aber er macht deutlich: Das steht für euch bereit in der Ewigkeit, wenn alles nur nach Gottes Willen geht.
Und diese Zeichen weisen uns den Weg in die Ewigkeit. Jesus sagt: Ich bin es wirklich! Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Ich bin wirklich der, der in Gottes Auftrag kommt, um Gottes neue Welt zu bringen. Wenn hier alles zu Ende ist, dann wird sie kommen, Gottes vollkommene Welt.
„Selig ist, wer nicht an mir irre wird.“ Was heißt das?

Glaube mir, dass ich der bin, und zweifele nicht daran.

Zweifele auch nicht, wenn dir das nicht genug ist, was du an meinem Wirken in deinem Leben, deiner Umgebung, deiner Gemeinde oder der Welt erlebst. Schau auf diese wenigen Zeichen, auch in deinem Leben, und vertraue mir.

Folge mir nach in dieser Welt.

Jesus macht deutlich: Mein Weg in der Welt ist auch nicht nur umgeben von kraftvollen Taten Gottes, sondern von viel Ohnmacht, Enttäuschung, öffentliche Angriffe und Kritik. Ich war als Kind der Welt schutzlos ausgeliefert und so bin ich auch am Kreuz gestorben. Ich hätte meine ganze Macht einsetzen können, aber das war nicht Gottes Wille. Gottes Wille war es, dass ich auf meine Macht verzichte, dass ich die Menschen nicht durch meine kraftvollen Taten überzeuge, sondern durch meine Hingabe aus Liebe. Die kraftvollen Wunder und Taten habe ich nur getan, um den Menschen ab und zu eine Hilfe zum Glauben, ein Zeichen zu geben, damit sie mich finden und mir glauben.
Aber dein Glaube soll nicht aus den Zeichen leben, sondern aus meiner Liebe und Hingabe.
Und so sollst du mir folgen in dieser Welt: ohnmächtig, angreifbar, leidend unter der Ungerechtigkeit. Du sollst mir folgen in meiner Liebe.
Ab und zu werde ich auch in deinem Leben und durch dich meine Macht zeigen und du kannst meine kraftvollen Zeichen sehen, und andere können sie sehen. Aber vor allem sollst du genau wie ich die Menschen durch deine Liebe gewinnen, indem du mir einfach treu folgst.
Und am Ende wirst du dann mit mir in der Ewigkeit sein. Da kannst du dann alles vollkommen erleben. Da wird es sein, wo Gottes Wille überall herrscht. Dann sind die Ungerechtigkeit, das Leid und alles Elend zu Ende.

Darum lass dich nicht vom Zweifel überwinden, sondern bleib treu in deinem Glauben, in deinem Vertrauen, in deiner Liebe.

Predigt zu Matthäus 11, 2-6