Predigt zu Römer 12, 17-21 am 4. Sonntag nach Trinitatis

Probleme sind nicht schön. Keiner will sie haben, aber sie gehören bei jedem zum Leben dazu.

Das Problem ist eigentlich auch nicht, dass wir Probleme haben, sondern die mangelnde Fähigkeit, sie zu bewältigen.
Genauso ist es mit Konflikten. Das Problem ist nicht, dass wir Konflikte haben, sondern dass wir oft nicht in der Lage sind, sie gut zu lösen.

Konflikte hat jeder,

zum Beispiel zwischen Eltern und Kindern oder umgekehrt. Kinder haben bestimmte Vorstellungen und Eltern auch, wenn es darum geht, wie man sich benimmt, wann wer abends ins Bett muss, wie lange Kinder abends weg sein dürfen oder wie sie als Erwachsene ihr Leben gestalten.
Konflikte gibt es auch zwischen Ehepaaren: Wenn ich da anfange, aufzuzählen, dauert es sehr lange. Wo zwei Menschen so eng zusammenleben, muss es zu Konflikten kommen. Die Frage ist immer wieder, wie man sie löst.
Genauso ist es zwischen Freunden und Bekannten, am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft oder an anderen Stellen. Wie schnell verletzt man jemand oder beleidigt ihn, obwohl man es gar nicht wollte, oder es passiert einem selbst.

Wie gehen wir gewöhnlich mit solchen Konflikten um?

  1. Wir gehen den Konflikten aus dem Weg.

Es ist eine Art Flucht vor den Konflikten. Wenn wir einen Menschen nicht mögen, dann meiden wir den Kontakt mit ihm. Genauso gehen wir Themen aus dem Weg, die zu Konflikten führen können. Wir sprechen nicht mehr darüber. Wir verschließen die Augen davor, bis sie eventuell zu groß werden. Diese Methode kann auch einige Zeit gut gehen, aber einen wirklichen Frieden erreichen wir dadurch nicht, höchstens eine Art Waffenstillstand.

  1. Wir kämpfen für unsere Sache oder Meinung.

Natürlich will kaum einer Konflikte. Die meisten Menschen wollen Frieden, aber jeder will seinen eigenen Frieden. So versucht dann jeder, seine Vorstellungen von einem schönen und friedvollen Ehe- und Familienleben, Berufsleben oder friedlichem Leben in anderen Bereichen durchzusetzen. Die Folge ist ein Machtkampf, der sich dann oft steigert. Zuerst gibt es noch eine gute Auseinandersetzung, dann folgen Streit, Vorwürfe, Lächerlich machen des anderen, Gegenseitige Beschimpfungen und ein böses Wort gibt das andere, bis keine Lösung mehr möglich erscheint.
Wo man sich darauf einlässt Konflikte durch einen Machtkampf zu lösen gibt es nur zwei mögliche Ergebnisse:
Entweder man führt einen nie endenden und für beide Seiten zermürbenden Machtkampf oder einer gewinnt und der andere gibt nach, weil er keine Kraft mehr hat, den Kampf fortzusetzen und seine Vorstellungen durchzusetzen. Die meisten Konflikte werden dadurch gelöst, dass der eine sich durchsetzt und der andere nachgibt. Das finden wir sowohl im kleinen menschlichen Miteinander als auch in der großen Politik.
Friede entsteht so durch die Macht des Stärkeren. Es ist aber kein wirklicher Friede, sondern ein Scheinfrieden für einige Zeit, bis der Konflikt an anderer Stelle wieder aufbricht.

Keiner dieser beiden Wege führt zu einem wahren Frieden zwischen Menschen und schon gar nicht zu einem Frieden im Menschen selbst.

Wir lesen jetzt einen Abschnitt aus Römer 12, 17+18, 20+21

17 Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. 18 Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. 20 Vielmehr, »wenn deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln« (Sprüche 25,21-22). 21 Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Was Paulus hier beschreibt ist Gottes Umgang mit uns, um Frieden mit uns zu schaffen. Daran sollen wir uns im Umgang mit anderen orientieren.

Überlegen wir einmal, was alles passieren könnte, wenn Gott mit uns kämpfen würde, um seine Vorstellung vom Frieden durchzusetzen. Wir wären auf jeden Fall die Verlierer. Trockenheit, Katastrophen, Leid und Tod, er hätte genügend Mittel, um mit seiner Macht uns seinen Frieden aufzuzwingen. Alle Menschen könnten dann nicht anders, als sich ihm zu unterwerfen und zu tun, was er will. Aber Gott macht es nicht, weil das nicht der Weg ist, der zum wahren Frieden führt.

Er geht einen ganz anderen Weg:

Er beantwortet Böses von Seiten der Menschen mit Liebe; Abweisung mit reichlich Geschenken in unserem täglichen Leben; Hass mit sich Schlagen und Töten lassen, wie wir es am Kreuz Jesu sehen.

So hat er uns in Christus seine Art  gezeigt, den Konflikt mit uns Menschen zu lösen.

Er will uns nicht zum Frieden zwingen, sondern zur Gegenliebe gewinnen durch seine Liebe, denn erst da entsteht wirklicher Friede. Er besiegt das Böse nicht durch Gewalt, durch Macht, sondern durch grenzenlose Liebe. Und da, wo Liebe mit Liebe beantwortet wird, entsteht wahrer Friede.

Wie geht es Ihnen damit?

Wenn Sie jemand zwingt, dann geben Sie nach, aber murrend und wahrer Friede ist nicht da. Wenn Sie aber geliebt werden wie von Gott, dann erfahren Sie Geborgenheit, können Fehler eingestehen, können sich verändern und die überwältigende Liebe treibt Sie zur Gegenliebe. So entsteht wirklich Friede. Es gibt unzählige Beispiele, wie Menschen durch die Liebe Christi verwandelt wurden.

Welchen Weg gehen wir nun, wenn wir Frieden wollen?

Es stehen sich zwei Wege gegenüber, um Konflikte zu lösen, um wieder zum Frieden zu kommen:

der Weg des Menschen durch Flucht oder Stärke oder der Weg Gottes durch Liebe. Paulus fordert uns auf, den Weg der Liebe auch in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen, vor allem aber unter Christen zu gehen.

Entscheidend ist, welcher Weg uns in unserem Herzen Frieden gibt.

Solange wir versuchen, dem „Bösen“ aus dem Weg zu gehen oder dagegen ankämpfen, lassen wir es an uns heran und füllen damit unser Herz an. Das „Böse“ prägt uns selbst dann, wenn wir dagegen kämpfen oder ihm aus dem Weg gehen wollen, und bestimmt unser Verhalten, unsere Gefühle und Gedanken. Das „Böse“ lässt sich aber nicht mit „Bösem,“ überwinden. Wirklicher Friede wird erst möglich sein, wenn das Gute unser Herz anfüllt und wir in unserem Herzen Frieden finden. Das Gute ist nicht eine moralische Tat, sondern Christus selbst. Wenn er uns anfüllt, finden wir Frieden in uns und können Frieden ermöglichen. Ob der andere sich dann auf den Frieden, den wir leben, einlässt, ist eine zweite Frage. So geht es ja auch Gott mit uns. Wenn aber zwei mit dieser Liebe Christi angefüllt sind, werden sie den Frieden im Miteinander finden, selbst dann wenn sie ganz unterschiedliche Meinungen oder Vorstellungen von der Gestaltung des Lebens haben. Wenn der andere aber keinen Frieden will, braucht mich der Konflikt nicht mehr zu belasten oder zu prägen, weil ich meinen Frieden in Christus gefunden habe.

Ich denke, wenn wir den Weg Gottes gehen, dann würde sich vieles unter uns verändern.
Wir würden dann einen Weg beschreiten, Konflikte zu lösen, der wirklich zum Frieden führt.

Nun denken wir vielleicht: Ich möchte ja gerne, aber ich schaffe es nicht.

Wenn wir die Liebe Christi zum Maßstab haben, dann rechtfertigen wir unser Versagen nicht mehr, sondern stellen uns selbst unter Gottes Vergebung und öffnen uns dem Wirken Christi in uns durch seinen Heiligen Geist. Die Kraft, um Frieden zu leben, erhalte ich dadurch, dass ich mich immer wieder von Christus behandeln lasse, mich seiner Liebe aussetze und davon prägen lasse, indem ich mich immer wieder mit Christus beschäftige und seine Nähe suche.

Predigt zu Römer 12, 17-21