Predigt zu Jesaja 51, 9-16 am 4. Sonntag vor der Passionszeit

Haben wir ein Brett vor dem Kopf oder glauben wir an Gottes Möglichkeiten und vertrauen ihm?

Wir lesen den Abschnitt aus Jesaja 51, 9-16:

9 »Wach auf, HERR«, so ruft ihr, »wach auf! Zeig deine Macht! Gebrauche sie wie in alten Zeiten! Du warst es doch, der den Drachen Rahab durchbohrt und zerteilt hat. 10 Du warst es, der in der Urzeit die Fluten des Meeres zurückgetrieben hat, sodass das trockene Land herauskam. Und du warst es, der mitten im tiefsten Meer einen Weg bahnte, damit dein befreites Volk hindurchziehen konnte.« 11 Ja, die Seinen, die der HERR befreit hat, kehren heim; voll Jubel kommen sie zum Zionsberg. Aus ihren Augen strahlt grenzenloses Glück. Freude und Wonne bleiben bei ihnen, Sorgen und Seufzen sind für immer vorbei. 12 »Ich bin es«, sagt der HERR, »ich bin es, der eurem Leiden ein Ende macht! Wie kommt ihr dazu, euch vor Menschen zu fürchten, die doch sterben müssen, die vergänglich sind wie Gras? 13 Habt ihr euren Schöpfer vergessen, der euch erschaffen hat? Es ist derselbe, der den Himmel ausgespannt und die Erde auf festen Grund gestellt hat! Warum zittert ihr dann immerzu vor dem Zorn eurer Unterdrücker? Lasst sie wüten, so viel sie wollen – was können sie euch anhaben? 14 In Kürze werden die Gefangenen befreit, sie sollen nicht im Kerker umkommen, sie sollen nicht verhungern. 15 Denn ich bin der HERR, euer Gott; mein Name ist: ‚der HERR, der Herrscher der Welt‘. Ich wühle das Meer auf, dass seine Wogen brausen. 16 Ich spanne den Himmel aus und stelle die Erde auf festen Grund. Und ich sage den Bewohnern der Zionsstadt: ‚Ihr seid mein Volk! Ihr sollt meine Weisungen verkünden und ich halte meine schützende Hand über euch.’«

Was könnte das Leben doch schön sein, wenn es all die Probleme nicht geben würde!

Manchmal, wenn man im Urlaub auf weiten Straßen unterwegs ist, kann das Gefühl aufkommen, die Welt würde einem zu Füßen liegen. Bei Anderen entsteht dieses Gefühl vielleicht beim Fahrradfahren oder bei anderen Unternehmungen. Dann kann man für einen Augenblick im Leben einfach glücklich und unbekümmert sein, lachen, die Probleme sind weit weg und alles scheint gut zu sein.

Aber wir wissen, das Leben ist anders, oft ganz anders.

Da ist es so, als würden ständig Holzwände oder andere Hindernisse uns den Weg versperren, und immer wieder müssen wir sie mühsam beiseite räumen oder überwinden, um weiterzukommen. Es gibt Menschen um uns herum, die uns das Leben schwer machen, eigene Schuld und Versäumnisse, Krankheit oder Tod in Familie oder Freundeskreis, Schicksalsschläge, die Urteile anderer Menschen, die uns in unserem Wert herabsetzen wollen, und Ungerechtigkeiten, die wir ertragen müssen. Paulus selbst hat vieles von dem und noch mehr reichhaltig durchleben müssen. Auch vom Komponisten Johann Sebastian Bach, von dem wir denken könnten, der schwebte in Himmelshöhen, wissen wir, dass er große Leidenszeiten durchleben musste, ebenso vom überragenden Liederdichter Paul Gerhardt. So können wir in jedes Leben hineinschauen und finden genug. Wenn ich durch die Gemeinde gehe, weiß ich, dass es hinter jeder schönen Häuserfassade und Gardine irgendwelche Probleme gibt. Und bei uns ist das sicher nicht anders. Diese Probleme sind wie Bretterzäune quer auf der Straße unseres Lebens, die uns die Lebensfreude nehmen und den Schlaf rauben, so dass wir nicht mehr unbekümmert und glücklich sind. Manchmal ist alles so übermächtig, dass wir uns ohnmächtig und verloren vorkommen und uns fragen: Wie kann das alles noch einmal wieder gut werden? Stellen Sie sich eine Straße vor, auf der nach jedem Kilometer einen Zaun oder ein anderes Hindernis gibt, das wir erst einmal beseitigen müssen. Auf Dauer kann man dabei die Freude verlieren und die Hoffnung, dass es besser wird. Die Angst kann so groß werden, dass wir schon Angst vor dem nächsten Zaun bekommen, wenn wir nur ein Brett am Wegesrand liegen sehen. So kann im Leben ein kleines negatives Erlebnis die Angst vor übermächtigen Problemen auslösen.

Und Gott – wo ist er?!

Wer nicht glaubt, der sagt: Wo ist denn Gott, der hilft doch auch nicht. Wer glaubt, der betet dann, aber fragt sich manchmal auch, warum schafft Gott die  Schwierigkeiten nichts wenigstens ein bisschen mehr beiseite und erleichtert das Leben.
So erging es dem Volk Israel. Nach dem Auszug aus Ägypten waren sie zunächst voller Begeisterung, aber dann tauchten dieses unüberwindliche Hindernisse auf: gefangen zwischen dem Schilfmeer vor sich und hinter sich die Armee der Ägypter. Einige wandten sich ab von Gott, andere klagten, andere hofften mit bangem Herzen und nur wenige waren voller Gottvertrauen. Als Gott dann wunderbar geholfen hatte, waren sie wieder voller Begeisterung.

In unzählig vielen Situationen in der Geschichte des Volkes wiederholte sich dieser Ablauf. Immer wieder zweifelten sie an Gott, wandten sich von ihm ab und anderen Göttern zu, und wenn Gott dann geholfen hatte, kehrte die Begeisterung über das Wirken Gottes zurück. Aber nun waren sie in einer völlig aussichtslosen Situation. Ein Großteil des Volkes lebte in der Gefangenschaft in Babylon. Ihr Land, die heilige Stadt Jerusalem, der Tempel, alles war zerstört. Scheinbar hatte Gott sich von ihnen abgewandt oder war zu schwach, um ihnen zu helfen. Ihr Glaube, Gottvertrauen lag am Boden. Einige aber rufen in ihrer Verzweiflung zu Gott und betteln: Gott, tu doch etwas! Zeig deine Macht wie damals bei der Erschaffung  der Welt, wie beim Zug durch das Schilfmeer oder in vielen anderen Situationen.
Gott tu doch etwas: So möchte ich auch manchmal rufen, und Sie vielleicht auch, wenn es

um unser Leben geht, oder die Situation in der Welt, oder wenn es um die Situation der Kirche geht.

Und Gott antwortet!

Es ist fast ein Hohngesang auf alles, wovor wir Angst haben: über Menschen, die so gewaltig und bedeutend erscheinen; über Krankheit und Tod, die uns so ohnmächtig machen; über Versagen und Schuld, wo wir Angst vor den Folgen haben. Gott sagt: Ihr ängstlichen Menschen, habt ihr denn vergessen, dass ich Gott bin; ihr ängstlichen Christen, habt ihr vergessen, dass ihr mein Volk seid und ich mich um euch kümmere.

Das erinnert an die Geschichte der Sturmstillung: Die Jünger hatten Angst in dem Sturm und ich kann sie verstehen. Und Jesus schläft, tut nichts und als sie ihn wecken, sagt er: Warum glaubt ihr nicht?“ Und dann zeigt er seine Macht und stillt den Sturm. Viele andere Male sagt Jesus: Fürchtet euch nicht! Warum glaubt ihr nicht?

Es ist ein Aufruf an das Volk Israel, sich zu erinnern, wo Gott schon übermächtig eingegriffen hat:                   

V 13: Dich geschaffen – Himmel und Erde
V 15: Herr über Naturgewalten
V 16: Ihr habt mein Wort, ihr seid in meiner Hand geborgen

Und es ist ein Aufruf an uns, dass wir uns an all das erinnern, was Gott in unserem Leben getan hat:

Jesus, der uns in die Gemeinschaft mit Gott geführt hat und festhält; die Begleitung und Hilfe im alltäglichen Leben; die großartigen Verheißungen, was Gott alles schaffen wird: einen neuen Himmel und Erde. Dann wird allen deutlich, wer der Sieger ist: Gott! Und bei Gott wird ewige Freude sein.

In Vers 11 heißt es: „Ich bin euer Gott. Ich bin euer Tröster!“ Warum habt ihr Angst  vor Menschen, die doch vergehen und nichts mehr sind; vor Krankheit und Tod, die von mir besiegt werden; vor allen Hindernissen, die einmal nicht mehr sein werden.

Wir Menschen sind so beschränkt,

dass wir bei jedem „Brett“ meinen, es sei alles zu Ende; dass wir mit unserem kleinen Hirn beurteilen wollen, wo es Hoffnung gibt und wo nicht. Dabei schauen wir nur auf die vergänglichen Dinge dieser Welt und auf unsere eigenen Möglichkeiten. Wir haben oft wirklich ein Brett vor dem Kopf. Schaut auf Gott, auf euren Gott und vertraut ihm, dass ihr in seiner Hand seid.
Ja, wir Menschen sind sehr kurzsichtig und kleingläubig, so wie Petrus, als er auf die Wellen schaute statt auf Christus.

Es ist das Vorrecht von Christen, dass wir keine Angst haben brauchen:

nicht weil wir so stark sind, sondern weil wir ihn an unserer Seite haben und in seiner Hand geborgen sind.
Wenn ich als Kind Streit mit dem großen Nachbarsjungen hatte, dann sagte ich ihm: Warte bis mein großer Bruder kommt, dann hast du keine Chance mehr. Wir brauchen keine Angst haben, denn wir haben unsern Gott. Und wenn die Gefahr auftaucht: von Menschen, die uns bedrohen, Krankheit oder Tod oder sonst etwas, dann können wir sagen: für mich bist du übermächtig, aber warte bis mein Herr kommt, dann hast du keine Chance mehr. Mit dieser Gewissheit können wir jeder Bedrohung mutig entgegengehen und einstimmen in den Hohngesang Gottes über alle vergänglichen Mächte.

Ich weiß, dass wir trotzdem immer wieder Angst haben, weil wir kleingläubig sind, weil wir eben Menschen sind.

Aber ehrlich: mit Gott an unserer Seite; mit allem, was er für uns getan hat; mit allem, was er noch tun wird, was kann uns da letztlich etwas anhaben. Wie sagt Paulus in Römer 8, 38: Ich bin gewiss, dass nichts mich trennen kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“ Und zu ihm gehören wir. Wenn wir das doch nur immer glauben würden, wie könnten wir dann doch mutig und zuversichtlich nach vorne gehen.

Predigt zu Jesaja 51, 9-16