Predigt zu 2. Mose 13, 20-22 am Silvesterabend

20 So zogen sie (Volk Israel) aus von Sukkot und lagerten sich in Etam am Rande der Wüste. 21 Und der HERR zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten. 22 Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage noch die Feuersäule bei Nacht.

Was wird uns das neue Jahr bringen?

Jeder Jahreswechsel wird mit hohem Aufwand und viel Geld wird gefeiert, so als würde danach eine neue Zeit anbrechen. Darauf möchte ich ganz allgemein mit einem Zitat antworten: „Wenn die letzten Flaschen geleert, die letzten Kopfschmerztabletten eingeworfen sind und der letzte Feuerrauch verflogen ist, wird in das geheimnisumwitterte neue Jahr der gleiche Alltag einkehren, wie im eben zu Ende gegangenen: Menschen werden leben, sich das Leben gegenseitig schwer machen, leiden, sündigen, weinen, glücklich sein, sterben und lachen – wie zu allen Zeiten! Die Welt wird weiterhin erbeben vor Gottlosigkeit, vor Krieg und Hader und von Zeit zu Zeit vor Licht und Freude.“
Und dennoch bleibt die ganz persönlich Frage, manchmal ängstlich, unsicher oder hoffend: Was wird mir das neue Jahr, die Zukunft bringen?

Wie gehen Sie in die Zukunft:

eher optimistisch, weil es bisher auch gut lief, weil sie sich dynamisch und kraftvoll fühlen, weil es irgendwie gehen wird oder sie ein optimistischer Mensch sind; eher pessimistisch, weil sie in der Vergangenheit so viele negative Erfahrungen gemacht haben und nicht glauben, dass sich die Umstände ändern werden, weil sie einfach Angst haben vor Krankheiten, Katastrophen oder vor dem, was Menschen ihnen antun können?
Die Zukunft ist ungewiss, unsicher, ein großes Fragezeichen.

In der Vergangenheit hatten wir Sicherheiten, die uns getragen haben:

unsere Gesundheit und Kraft, Freunde und Familie, gesellschaftliche Position und Anerkennung, Meinungen, Gewohnheiten und Aufgaben. Vielleicht haben wir manchmal gemerkt, wie wackelig diese Sicherheiten sind, aber immerhin haben sie uns bis hierher gebracht. Wir wissen, was wir hatten. Und wenn wir im Glauben zurückblicken, dann haben wir hoffentlich auch die Spuren von Gottes Barmherzigkeit entdeckt, mit der er uns begleitet und geholfen hat.
Doch: Werden die alten Sicherheiten uns in Zukunft tragen?

Was gibt uns Halt, wenn sie zerbrechen? Was gibt uns Sicherheit, wenn es in die Zukunft geht?

Diese Frage bewegte das Volk Israel. Sie hatten Angst um ihre Existenz. Gott hatte sie aus der Sklaverei in Ägypten geholt. Er hatte ihnen die Zusage gegeben, sie ins gelobte Land zu bringen, wo Milch und Honig fließt, aber das war noch weit weg. Um ihr Vertrauen zu stärken, hatte Gott ihnen Zeichen gegeben „Wolke und Feuersäule“. Aber: würde das stimmen? Würden sie da ankommen oder vorher umkommen, denn vor ihnen standen das Schilfmeer, die Wüste und fremde Völker? Würde das ganze Volk da überleben? Und im Nacken spürten sie die Bedrohung durch das große und übermächtige ägyptische Heer.

Und da sollten sie auf Gott vertrauen?

Sie schwankten hin und her zwischen zurückzukehren nach Ägypten, zu den alten Sicherheiten.  Es war zwar eine nicht immer schöne Sicherheit gewesen, aber dort hätten sie wieder Essen und Trinken, geordnete Verhältnisse, abends wussten sie, wo sie schlafen, und um die äußere Sicherheit kümmerten sich die Ägypter. Und dort hatten sie  einen Gott, den sie sehen und anfassen konnten, das Bild des Stieres, der in der Bibel später ironisch als goldenes Kalb bezeichnet wird. Oder sollten sie auf Gott vertrauen?  Das bedeutete, weitergehen in die Ungewissheit, einem Gott zu vertrauen und zu folgen, den man nicht sehen und anfassen konnte. Diese Situation machte sie unzufrieden und so murrten sie gegen Gott und Mose. Sie wollten Gewissheit, wie es morgen und übermorgen und jeden Tag aussieht.

Nun lädt Gott uns ein, uns seiner Führung anzuvertrauen, die Sicherheit einzig und allein im Vertrauen auf ihn zu suchen.

Was bedeutet das für uns, wenn wir uns der Führung Gottes anvertrauen?

Er öffnet uns die Augen darüber, wie brüchig alle unsere alten Sicherheiten sind;

manchmal hinterfragt er sie durch sein Wort: unsere Meinungen, unseren Umgang mit Problemen, unsere Gewohnheiten, usw.; manchmal nimmt er sie uns weg, damit wir ihm allein folgen, und das kann sehr schmerzhaft sein.

Er zeigt uns, wohin es führt, wenn wir ihm nicht vertrauen und nur auf unsere eigenen Möglichkeiten schauen:

Entweder werden wir übermütig und dann verlieren wir Gott immer mehr aus den Augen und stürzen sehr tief, wenn unsere Möglichkeiten und Sicherheiten zerbrechen, oder wir leben in Angst, weil uns all die Gefahren zu groß erscheinen. Sie sind für uns auch zu groß, aber nicht für Gott.

Er zeigt uns den Weg zu einem erfüllten Leben.

Wir brauchen dann keine Angst mehr um uns selber zu haben, sondern können im Vertrauen auf Gott geborgen und getrost leben, können die Vergangenheit loslassen und im Heute mit Gott zu leben.  Bei ihm lernen wir, das Gute zu tun, in seinem Sinn zu handeln und dankbar und zufrieden zu leben.

Er hält uns das Ziel vor Augen: die ewige Gemeinschaft mit ihm, und lässt die Vorfreude darauf immer größer werden.

Es ist nicht immer leicht, sein Leben ganz in Gottes Hand zu geben und sich ganz seiner Führung anzuvertrauen.

Manchmal möchte man ein bisschen nachhelfen. Dann denkt man vielleicht: wenn ich gut im Sinne Gottes lebe und viel bete, dann muss Gott mir doch einen leichten Weg schenken, aber Gott lässt sich nichts vorschreiben. Er geht seinen Weg mit uns, der für uns gut ist, der von seiner Liebe bestimmt ist; oder man denkt: Wenn Gott mir doch verraten würde, was er mit mir vorhat, dann könnte ich mich ein bisschen darauf einstellen. Aber Gott verrät uns nur das Ziel, nicht wie der Weg aussieht. Er will, dass wir ihm vertrauen.

Wenn wir zweifeln und unseren Glauben stärken wollen, dann sollten wir drei Dinge tun:

  1. Auf Jesus schauen! An ihm sehen wir die grenzenlose Liebe, die auch durch das Leiden und den Tod bleibt; an ihm sehen wir, wohin der Weg letztlich führt: durch den Tod zur Ewigkeit. Jesus ist das Zeichen Gottes für uns, an dem wir seine Liebe und Fürsorge für uns erkennen können.
  2. Auf das große Ziel schauen: die Ewigkeit. Auf dem Weg dorthin ist er bei uns, geht uns voran und bringt uns zum Ziel trotz vieler Gefahren und Schwierigkeiten und trotz unserer Schuld. Es ist ein wunderbares Ziel, das vor uns liegt.
  3. Die Sorgen und Ängste abgeben und einfach jeden Tag, in jedem Augenblick das leben, was wir als den Willen Gottes erkannt haben. Ein kluger Satz besagt:Erwarte die Erfüllung deines Lebens nicht von dem, was die Zukunft dir bringt und was du gestalten kannst, sondern indem du für Gott lebst.“

Es gibt keine bessere Sicherheit.  

Alles andere wird zerbrechen. Gott bleibt immer derselbe, auch in seiner Liebe zu uns, zu mir und Ihnen. Nehmen Sie diesen Vorsatz für das neue Jahr mit: das Vertrauen in Gott lernen. Dann haben Sie alles.

Predigt zu 2. Mose 13, 20-22