Predigt zu Lukas 22, 32
am 12. Sonntag nach Trinitatis
mit Silberner Konfirmation
Jesus Christus spricht: Ich habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre.
Vor einigen Jahren hatten wir eine Konfirmandenfreizeit mit fast 100 Jugendlichen.
Zwei Drittel trugen sich anschließend in eine Liste ein, um sich für eine Mitarbeit im Konfirmandenunterricht schulen zulassen. Viele waren beeindruckt von Jesus und merkten, dass Jesus für ihr Leben heute wichtig ist. Den meisten war bewusst, worum es bei der Konfirmation geht. Sie ließen sich nicht wegen des Geldes, sondern wegen ihres Glaubens an Jesus konfirmieren. Eine zarte Pflanze des Glaubens war aufgegangen.
Aber dann, nach jeder Konfirmation, ist die Frage: Wie geht es weiter?
Im Freundeskreis und in der Schule mögen sie es nicht sagen, dass sie Jesus gut finden, weil sie sich dann dumme Sprüche anhören müssen. Selbst zu Hause machen manche sich lustig über sie, wenn sie weiter machen wollen. Andere Dinge treten wieder in den Vordergrund und werden wichtiger. So wird auf der zarten Glaubenspflanze herumgetreten, sie manchmal zertreten und die kleine Pflanze wächst nicht weiter. Bei den Konfirmanden kann man gut nachvollziehen, was Jesus mit dem Gleichnis vom vierfachen Ackerfeld in Markus 4, 1-20 ausdrücken will.
Was bleibt am Ende übrig, wenn diese Konfirmanden erwachsen sind?
Bei Manchen bleibt vielleicht nur noch eine gute Erinnerung an die Konfirmandenzeit, aber den Glauben und Jesus haben sie auf dem Weg verloren oder bewusst abgestreift, bei anderen vielleicht noch eine Ahnung, dass es einen Gott gibt, aber der Glaube hat kaum noch etwas mit Jesus zu tun und ist kraftlos und lebensfremd geworden, und bei einigen wächst der Glaube. Sie spüren die Kraft Jesu und ihr Glaube verändert und prägt ihr Leben, bringt Frucht. Vielleicht finden Sie sich mit Ihrer Glaubensgeschichte irgendwo hier wieder.
Wenn die Bibel vom Glauben redet, dann beschreibt sie damit eine intensive, kraftvolle und lebendige Liebesbeziehung zu Gott, zu Jesus.
Ein Mensch ist überwältigt von der Liebe Jesu, von dem, was er für uns getan hat, und deshalb vertraut er sein Leben Jesus an, antwortet in Liebe, vertraut darauf, dass das, was Jesus sagt, wie wir leben sollen, richtig und gut ist, und deshalb möchte er so leben, und vertraut, dass Jesus Zusagen wahr sind, und deshalb versucht er, darauf zu bauen, sich darauf zu verlassen. In dieser Beziehung zu Jesus merkt der Mensch, dass es auf der Welt nichts Wichtigeres gibt als Jesus, wichtiger als Geld, Anerkennung, Erfolg, andere Menschen oder sonst etwas. Deshalb ist die Sehnsucht da, immer mehr eins zu werden mit Jesus, ihn mehr kennen zu lernen, zu erfahren, was er an Trost, Kraft, Geborgenheit, ewiger Hoffnung und alles, was Jesus uns schenken will, gibt, und zu lernen so zu leben, wie Jesus sich das für uns vorstellt und etwas für ihn zu tun.
Das ist Nachfolge Jesu, Jünger Jesu sein, Christ sein, und deshalb sind Beten, in der Bibel lesen und in Gemeinschaft mit anderen Christen sein keine lästigen Pflichten, sondern Herzensanliegen.
So hat Jesus damals die Menschen eingeladen zum Glauben,
um mit ihnen auf dem Weg Gottes zu gehen, der in die Ewigkeit führt. Von ihm kann jeder lernen, was es heißt, in der Gemeinschaft mit Gott zu leben und gerettet zu werden. Verlasst euren Weg, auf dem ihr nach eigenem Gutdünken entscheidet, was richtig und falsch ist, wo ihr euren Halt und eure Hoffnung in Dingen sucht, die doch vergehen, der euch letztlich ins Verderben führt.

Darum geht es auch heute:
Jesus ruft uns, dass wir uns von unserem selbst gemachten Weg abwenden, um ihm zu folgen, ihm zu vertrauen und zu tun was er sagt. Er will uns in die Gemeinschaft mit unserem himmlischen Vater bringen, dass wir hier im Leben Gottes Herrschaft erfahren und dann in die Ewigkeit kommen. Aber dazu müssen wir Menschen uns auch entscheiden: Ja, ich will mit Jesus gehen und ihm vertrauen! Ich brauche ihn, weil ich ohne ihn verloren bin! Ich bin glücklich über das, was Jesus für mich getan hat und nehme es an!
Glaube ist eine Entscheidung für Jesus, indem man alles auf die Karte „Jesus“ setzt und ihm vertraut.
Es ist eine Entscheidung, auch wenn ich noch Zweifel habe, auch wenn ich nicht weiß, was mir der Weg mit Jesus bringt, auch wenn ich fehlerhaft und schwach bin und mich frage, ob ich das schaffe. Das muss ich einmal grundsätzlich für mich klären und entscheiden und dann immer wieder neu: Ich will ihm vertrauen!
Petrus war so ein Mensch, der sich ganz auf Jesus eingelassen hatte, ein ganz normaler Mensch:
Am Anfang waren Zweifel da, dann hat er vieles von Jesus nicht verstanden, aber er ist bei ihm geblieben und hat von ihm gelernt. Zuletzt wollte er sogar mit Jesus in den Tod gehen, aber dann ist er doch gescheitert, als er ihn verraten hat und es ernst wurde. Er hat bitter erfahren, dass trotz seines Willens, seine Kraft nicht ausreichte. Er hat versagt.
Das kann uns auch passieren, selbst wenn wir uns ganz für Jesus entscheiden, ihm von ganzem Herzen vertrauen und nachfolgen wollen.
Plötzlich werden wir in die Enge getrieben und sollen bekennen und dann sind wir feige; der Glaube fordert Opfer und Leiden, aber wir werden schwach, oder wir lassen uns mitreißen von der Masse, von anderen Dingen und entfernen uns langsam von Jesus.
Wenn man das merkt, dann kann man verzweifeln, wie Petrus es tat, denn das ist schlimm. Jesus, der treue Freund und Retter, der mich in die Ewigkeit bringt, zu dem bekenne ich mich nicht, den verlasse ich. Da muss man sich doch schämen wegen seines Verhaltens. Wird man da nicht ausgestoßen von Jesus, von der Rettung? Hat man da noch ein Anrecht drauf? Petrus weint! Das Weinen über die eigene Sünde gehört zum Glauben.
Aber das ist Gnade und Vergebung, wenn ich erfahre: Jesus ist trotz aller Zweifel und Versagen da und hält mich fest.
Das ist eine wunderbare Erfahrung, wenn ich die Gewissheit erhalte: Ich bin nicht allein. Jesus hält immer zu mir. Jesus hält den sinkenden Petrus fest, auch wenn er sagt: „du Kleingläubiger“, wie es in Matthäus 14, 22-33 beschrieben wird. Im Zusammenhang unseres Verses heißt es: „Simon, Simon, der Teufel will euch auf die Probe stellen, aber ich habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre.“ In Johannes 17 erleben wir, dass Jesus für seine Jünger und auch für uns betet. Und in Johannes 10, 29 sagt Jesus: „Mein Vater, der sie mir gegeben hat ist größer als alles und niemand kann sie aus des Vaters Hand reißen.“
Was haben wir doch für einen wunderbaren Herrn:
Erst ruft er uns: Wir dürfen mit ihm gehen auf dem Weg in die Ewigkeit, und wenn wir versagen, unsere Kraft nicht ausreicht, dann hält er uns. Sollten wir da nicht alles tun, um bei ihm zu bleiben!