Predigt zu 2. Korinther 5, 16
am 2. Sonntag nach
Epiphanias         
Thema: „Karriere – Ja, aber“

Ich werde Erfolg haben, reich sein, alle mögen mich und klatschen Beifall.

Schritt für Schritt steige ich auf der Leiter des Erfolges empor, muss mich nicht mühsam bewerben und andere überzeugen, dass ich die richtige Person bin, sondern sie fragen mich, bitten mich, den nächst höheren Posten zu übernehmen oder gleich zwei Stufen höher, bis ich oben angekommen bin und zu denen „da oben“ gehöre.

War das dein Traum, oder ist er es noch? Aber die Wirklichkeit ist so hart:

Ich hänge fest und komme nicht voran. Seit Jahren sitze ich im selben Büro, meine Kinder rauben mir jede Chance auf eine Karriere, die so gut begann. Gleichaltrige ziehen an mir vorbei und Jüngere haben schon höhere Posten. Natürlich sind einige weniger erfolgreich, aber ich schaue nach oben, wo ich mich eigentlich sehe. Nein, neidisch bin ich nicht, aber ungerecht ist das schon. Die anderen können besser schleimen, ihre Ellenbogen einsetzen, haben bessere Beziehungen, sind rücksichtsloser. Oder habe ich die Weichen falsch gestellt und falsche Entscheidungen getroffen? Sonst wäre ich doch auch da oben, würde zu denen gehören und andere würden mich bewundern.

Was ist eigentlich daran so schön, „oben“ zu sein und die Karriereleiter emporzusteigen?

Es gibt da einige negative Punkte:

Je höher man emporsteigt, desto einsamer wird es, man muss unliebsame Entscheidungen treffen, trägt viel Verantwortung und Last, hat mehr Arbeit, dafür weniger Privatleben, weniger Zeit für Familie und Hobbys, und es besteht die Gefahr, arrogant und unausstehlich zu werden und die „Bodenhaftung“ zu verlieren.

Aber es ist auch schön, „da oben“ zu sein:

Man hat in der Regel mehr Geld, ein höheres Ansehen, eine höhere Position und Türen im Leben öffnen sich automatischer, man bleibt in Bewegung, wird nicht träge, weil immer neue Herausforderungen kommen, man hat mehr Gestaltungsmöglichkeiten, kann seine Gaben entfalten, wird von anderen „hohen“ Persönlichkeiten eingeladen und kann mit mehr Achtung und Respekt der Familie und anderer Personen rechnen.

Was soll man tun?

Soll man die Karriere verfolgen mit allen Vor- und Nachteilen oder doch lieber den bequemeren Weg gehen und sich mit dem zufrieden geben, was man hat?

Jesus lehrt uns, den Blickwinkel zu verändern:

Such dir einen Platz im Leben, der weitgehendst deiner Persönlichkeit entspricht, mit deinen Gaben, deiner Leidenschaft und was sonst zu deiner Persönlichkeit passt.

Paulus schreibt in Epheser 4, 7: „Jeder und jede von uns hat einen eigenen Anteil an den Gaben erhalten, die Christus in seiner Gnade ausgeteilt hat.“

Was sind deine Gaben, Fähigkeiten, was begeistert dich? Kennst du dich?

Entwickle weiter, was Gott dir gegeben hat, deine einmalige Persönlichkeit. Nutze sie, um etwas Sinnvolles und Gutes damit zu tun.

Wenn du immer etwas tust, was nicht deiner Persönlichkeit entspricht,

zum Beispiel vielleicht nur um mehr Geld zu verdienen, mehr Ansehen oder Anerkennung zu erhalten, besteht die Gefahr, dass du unglücklich, gestresst, ausgebrannt, depressiv wirst und deinem Umfeld und dir selbst Schaden zufügst, weil du ständig mit dir selbst beschäftigt bist.

Eine Tätigkeit, die deiner Persönlichkeit entspricht,

saugt dich nicht aus, sondern gibt dir neue Kraft und Lebensenergie, bringt dich zum Aufblühen, ganz egal, ob beruflich, zu Hause oder ehrenamtlich.

Deine Karriere entscheidet nicht über deinen Wert oder den Wert deiner Tätigkeit!

Das unterstreichen wir alle und vertreten die Meinung, dass alle den gleichen Wert haben. Vom Verstand her finden wir das richtig, aber vom Gefühl schielen wir doch nach „oben“, weil nach gesellschaftlichen Maßstäben diejenigen einen höheren Wert zu haben scheinen, die eine höhere Position haben, mehr Geld verdienen, ein höheres Ansehen haben. Und was „man“ so denkt, ist uns wichtig. Unser Selbstwertgefühl hängt davon ab. Deswegen strengen wir uns an, um mitzuhalten und im öffentlichen Urteil zu bestehen.

Wenn ich mich immer an „oben“ messe, kann ich innerlich vor die Hunde gehen. Ich werde unzufrieden und habe keinen Frieden mit dem, was ich bin und habe.

Wir sehen bei Jesus, dass ihn das überhaupt nicht interessiert.

Er behandelt alle gleich, lässt sich von niemand beeindrucken. Paulus sagt in 2. Korinther 5, 16: Darum beurteile ich von jetzt an niemand mehr nach menschlichen Maßstäben.“

Es ist unglaublich befreiend und gibt Selbstbewusstsein, sich von gesellschaftlichen Urteilen und dem öffentlichen Druck zu lösen.
Gestalte mit deiner Arbeit deinen Teil der Welt!

Es soll nicht darum gehen, dass du aus deiner Welt nur für dich etwas herausholst an Ehre, Ansehen oder Macht, sondern Gott vertraut dir Dinge und Menschen an, womit du in seinem Sinn umgehen sollst. Dafür hat Gott dir Gaben und Fähigkeiten gegeben, deine besondere Persönlichkeit. Tue in deinem Umfeld Gutes und schaffe dort etwas „Paradies“.

Ganz egal, wo du bist, dafür bist du verantwortlich. Gib dafür dein Bestes!

Jesus sagt in Lukas 12, 48: „Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; Und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern.“ Und in Matthäus 23, 11 sagt er: „Der Größte unter euch soll euer Diener sein.“                 

Wenn ich mit diesem Blick Jesu nicht nur andere ansehe, sondern mich selbst betrachte, dann

entsteht eine große innere Freiheit und Gelassenheit, ist die Enttäuschung über die verpasste Karriere vielleicht gar kein Verlust mehr, sondern ein Segen, weil die Werte, Maßstäbe, mit denen du dich beurteilst, anders sind. Wenn du meinst, du musst Korrekturen an deinem Lebensplan vornehmen, dann bejammere dich nicht. Gott kann dich auch da gebrauchen, wo du jetzt bist. Nimm Korrekturen in deinem Leben mit dem Blick Jesu vor!

Dafür müssen wir eines lernen, und das können wir von Jesus lernen, unabhängig und frei zu werden

von Geld, Ansehen und Macht, und auch Karrierestufen, von der Meinung und Zuwendung anderer, von Erfolg oder Misserfolg,

dass du die Quelle für deinen inneren Frieden, glücklich sein, erfüllt leben nicht in dem suchst, was von außen auf dich eindringt, sondern eine nie versiegende Quelle hast, die dir alles gibt. Und das ist Jesus!
Predigt zu 2. Korinther 5, 16 am 2. Sonntag nach Epiphanias          Thema: „Karriere – Ja, aber“
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