Predigt zu Apostelgeschichte 1, 8 am Trinitatissonntag
„Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.“
Wir sind als Christen in vielen Dingen, Meinungen und Begabungen sehr unterschiedlich.
Manche empfinden das als störend, aber das kann durchaus auch ein Reichtum sein, wenn wir eins sind in der Mitte und Grundlage unseres Glaubens,
wie Paulus es ausführlich in 1. Korinther 12 beschreibt: „ein Gott“, nicht irgendein Gott, sondern der Vater Jesu Christi, zu dem wir „Papa“ sagen dürfen; „ein Herr“, Jesus Christus, der sich für uns hat kreuzigen lassen und auferstanden ist und lebt und uns in die Nachfolge ruft, und „ein Geist“, der Geist Jesu und des Vaters, von dem Jesus in Johannes 14, 26 sagt: „der wird euch alles lehren und an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“
Manchmal sagen Menschen: Ich glaube, dass es da irgendetwas gibt, aber es ist doch egal, was man glaubt, ob Moslem, Buddhist oder Christ. Hauptsache, man glaubt etwas. Nein! Das ist nicht egal, weder für dieses Leben noch für die ewige Rettung!
Es gibt nur diesen einen Weg zur ewigen Rettung: Das ist der Weg, den Gott uns in Jesus Christus gegeben hat.
Wir müssen als Christen nicht immer einer Meinung sein. Wichtig ist nur, dass wir uns in dieser Mitte, auf dieser Grundlage treffen. Das gleiche gilt für den gemeinsamen Auftrag, den wir von Jesus Christus bekommen haben. Und darum soll es heute gehen.
Am Ende eines jeden Evangeliums fasst Jesus den Auftrag an seine Jünger zusammen:

In Matthäus 28,18-20 sagt Jesus: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. 19 Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes 20 und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Und in Markus 16,15+16: „Geht hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur. Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden. Wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden.“ In Johannes 20,21+22 sagt Jesus: „Der Friede sei mit euch Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den Heiligen Geist.“ In Lukas 24, 46-48 heißt es von Jesus: „So steht’s geschrieben, dass der Christus leiden wird und auferstehen von den Toten am dritten Tage; 47 und dass gepredigt wird in seinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden unter allen Völkern. Von Jerusalem an 48 seid ihr dafür Zeugen.“ Und daran schließt sich Apostelgeschichte 1,8 an: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.“
Diesen letzten Vers wollen wir uns etwas genauer ansehen:
Für das Wort „Zeuge“ steht im Griechischen „Martyr“. Abgleitet davon ist der Begriff „Märtyrer“.
Dieser Begriff ist bekannt geworden, weil Menschen wegen ihres Zeugnisses ihr Leben gelassen haben. Aber zunächst geht es nur um das Zeugnis, und zwar wenn jemand aktiv als Zeuge aussagt. In der Worterklärung eines Lexikons wir der Begriff erläutert „als das nachdenkende überprüfende sich Er-innern, d.h. sich ins Bewusstsein-Erheben von etwas Erfahrenem, über das man nicht hinweggehen, das man nicht vergessen kann, und das in diesem Sinn nun auch anderen zur Kenntnis gebracht wird, um ihnen durch entsprechende Aussage den Gehalt dieser Erfahrung zu vermitteln.“
Die Jünger sollen das zur Kenntnis bringen, was sie selbst erfahren haben.
Was das ist, was sie erfahren haben, sagen zum Beispiel Lukas 24, 46-48 (siehe oben), Apostelgeschichte 2,33: „Diesen Jesus hat Gott auferweckt; dessen sind wir Zeugen, Apostelgeschichte 4, 12: „In keinem andern ist das Heil, auch ist kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden“ oder auch Apostelgeschichte 4, 20: „Wir können es ja nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben.“ Diese und andere Texte der Bibel sagen, dass Jesus lebt und die Menschen zu ihm umkehren und gerettet werden sollen.
Zeuge sein muss man sonst zum Beispiel bei Vertragsabschlüssen. So sollen wir nun Zeuge sein vom Vertrag Gottes mit den Menschen, vom neuen Bund Gottes in Jesus Christus. Zeuge sein muss man auch im Rechtsstreit! So gibt es einen Rechtsstreit mit der Welt in der Frage, ob Christus Recht hat mit dem, was er getan und gesagt hat, oder ob die Menschen Recht haben, die ihm nicht glauben und ihn damit als Lügner abtun. Gott selbst ist der Ankläger gegen die Menschen und wir sollen Zeugen dafür sein, dass Christus Recht hat, damit die Menschen, die ihm nicht glaubten, nun durch den gerettet werden, den sie zuvor als Lügner abgetan hatten.
Wir können viel reden, zu vielen Themen Stellung nehmen und da auch unterschiedliche Meinungen haben, aber zuallererst geht es auch heute um diesen Auftrag, dass wir Zeugnis ablegen von dem, was wir erfahren haben mit dem auferstandenen Jesus Christus,
dass wir uns daran erinnern, es ins Bewusstsein heben und darüber reden, was wir nicht vergessen können und worüber wir nicht hinweggehen können, um anderen den Inhalt der Erfahrung zu vermitteln, dass Christus lebt und unser Retter ist.

Für diesen Dienst als Zeugen gibt Christus uns seinen Geist.
Der Heilige Geist verbindet uns mit Christus und mit dem himmlischen Vater, so wie Jesus in Johannes 17, 21 in seinem großen Gebet sagt: „Wie du Vater in mir bist und ich dir, so sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaube, daß du mich gesandt hast.“
Es ist derselbe Geist, der Jesus in die Welt gebracht hat, aus lauter Retterliebe zu den verlorenen Menschen.
Diese glühende Liebe hat ihn getrieben, als er sich erniedrigte und Mensch wurde, als er Spott und Leiden annahm und gehorsam den Weg zum Kreuz ging. In dieser Liebe hat er sich um jeden Menschen gekümmert, um die Nöte und Sorgen, aber vor allem wollte er, dass die Menschen sich erretten lassen aus ihrer Verlorenheit, umkehren zu ihm, zur Gnade und Vergebung, heimkehren in die Gemeinschaft mit dem Vater, und dabei sind, wenn Gott seine geretteten Kinder heimholt in seine Ewigkeit .
Das ist der Geist Gottes, den die Jünger zu Pfingsten erhalten.
In der Pfingstgeschichte in Apostelgeschichte 2, 1-13 wird gesagt, dass sich der Heilige Geist wie Feuerzungen auf die Köpfe der ersten Christen setzt. In den Jüngern wird ein Feuer entzündet, das Feuer Gottes, das brennt und doch nicht verbrennt, wie beim brennenden Dornbusch in der Mosegeschichte in 2. Mose 3. Es ist das Feuer des Heiligen Geistes, das sie zu Zeugen der rettenden Botschaft von Jesus Christus macht.
Der Geist Gottes ist Kraft. Im Griechischen steht dort das Wort „dynamis“, von dem das Wort „Dynamit“ abgeleitet ist, also eine sehr starke Kraft meint.

Der Geist Gottes ist die Kraft Gottes, die alle unsere menschlichen Begrenzungen überwindet, alle Fesseln sprengt.
Sie sprengt die Fesseln unserer Angst. die Jünger saßen nach der Auferstehung noch ängstlich hinter ihren Mauern und trauten sich nicht auf die Straße. Und plötzlich fangen sie an, von Jesus zu reden, ganz öffentlich und ohne Angst. Diese starke Kraft Gottes sprengt die Fesseln unserer Sünde, die uns einredet, dass wir nicht gut genug sind für diesen Zeugendienst, wie Petrus, und dann lernt er, aus der Gnade zu leben. Diesen Dienst kann er nicht tun, weil er so gut ist, sondern weil Christus ihn beruft. Sie sprengt die Fesseln des Todes, dass wir wissen: Unser Leben hier ist Dienst für Christus, aber das eigentliche Leben kommt erst in der Ewigkeit. Und Gottes Kraft sprengt die Fesseln der Gewohnheit, unserer Trägheit, unseres Egoismus und viele andere Fesseln.
Die Kraft des Heiligen Geistes sprengt bei uns alle Fesseln, damit wir Zeugendienst im Geiste Jesu Christi tun können für andere Menschen.
„Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen und werdet meine Zeugen sein.“ Dieser Auftrag und diese Verheißung gilt uns heute! Unser Dienst als Zeugen Jesu Christi kann unterschiedlich aussehen, aber es ist der eine grundlegende Auftrag unseres Herrn. Und die Menschen um uns herum brauchen unseren Dienst für ihr Leben und für ihre ewige Rettung.