Predigt zu Galater 5, 1
am 1. Sonntag nach Epiphanias

Thema: „gelebt werden oder selbst leben“

Fühlen Sie sich manchmal wie …

… ein Hamster im Rad,

gejagt von Erwartungen anderer, von Pflichten und Terminen? Sie laufen und hetzen, um alles zu erfüllen, allen gerecht zu werden, und haben oft das Gefühl, dass sie nicht wirklich vorankommen, sondern jeden Tag am selben Punkt stehen?

… ein Zahnrad im Getriebe,

angetrieben von einer unsichtbaren Macht, ein funktionierendes Teil im großen Getriebe? Sie können nicht entscheiden, sondern laufen, funktionieren und kommen nicht zur Ruhe. Sie spulen das Leben ab und haken jeden Tag, jedes Jahr ab wie auf einer Checkliste und sind am Ende erschöpft, leer und haben das Gefühl von Sinnlosigkeit?

… eine Feder im Wind,

hin- und her geweht von eigenen Gefühlen oder Stimmungen und Meinungen anderer. Sie entscheiden nicht mehr selbst über die Richtung ihres Lebens, sondern fühlen sich fremdbestimmt und wissen manchmal gar nicht mehr, wer sie sind und wohin sie gehören?

Diese Art des Lebens raubt uns unsere Persönlichkeit und macht uns zu einem Objekt unserer Umwelt.

Fühlen Sie sich nur so, oder sind Sie nur noch eine Feder im Wind, ein Zahnrad im Getriebe oder ein Hamster im Rad, oder sind Sie ein Mensch, ein Ebenbild Gottes, nach dem Bild Gottes geschaffen als eine einzigartige Person, eine selbstbestimmte Persönlichkeit?

Gott hat den Menschen geschaffen,

aber eben nicht als Hamster und in eine Trommel gesetzt, auch nicht als Feder im Wind oder als Zahnrad im großen Getriebe, das nach seinen Vorstellungen funktioniert, sondern als einen Menschen der in Freiheit entscheidet, was er tut und nicht tut, der dafür Verantwortung übernimmt und die Konsequenzen trägt, der sich nicht von Menschen knechten lässt, sondern aufrecht durchs Leben geht,

der selbst lebt und nicht gelebt wird.

Was ist eigentlich unser Problem?

Sind es die anderen, die Umwelt, die Erwartungen, die vielen Pflichten?

Seien Sie mal fünf Minuten ehrlich zu sich selbst. Wenn Sie kein Objekt der anderen, der Umwelt sein wollen, sondern ein Mensch, dann schieben Sie die Schuld für ihr Lebensgefühl nicht ab.

Denn das Problem liegt in uns selbst, in Ihnen! Tut mir leid, dass ich keinen anderen Schuldigen finde.

Wir sind im Laufe unseres Lebens in innere Abhängigkeiten gekommen,

zum Beispiel an einen bestimmten Lebensstandard und eine bestimmte Lebensart. Weil Sie meinen, Sie brauchen dieses oder Ihre Kinder brauchen jenes, machen Sie immer weiter. Sie meinen, Sie brauchen Anerkennung, Zuwendung, Wertschätzung von Ihrer Familie, Ihren Kollegen oder jemand anderem für Ihr Selbstwertgefühl. Und Sie haben ein Bild im Kopf, was Sie dafür tun müssen, um es zu bekommen. Und davon lassen Sie sich jeden Tag neu antreiben. Im Tiefsten wollen Sie von Ihren Eltern anerkannt werden, ihnen gerecht werden, und deshalb folgen Sie einem Bild, das durch die Erziehung und Umwelt ganz tief in Sie hinein gepflanzt wurde. Das treibt Sie und lässt Sie nicht zur Ruhe kommen.

Sie hoffen, wenn Sie alles tun, dass andere Ihnen das geben, was Sie für ein glückliches und erfülltes Leben brauchen, aber das werden sie Ihnen nicht geben, und das können sie Ihnen auch gar nicht geben. Was bleibt ist Enttäuschung und Abhängigkeit wie bei einer Sucht, die immer neu Befriedigung sucht und doch nie befriedigt wird.

So machen Sie sich selbst zum Objekt, indem Sie sich und ihr Glück abhängig machen von anderen Menschen. Auf diese Weise lassen Sie sich leben, anstatt als Mensch selbst zu leben, selbst zu bestimmen und Verantwortung zu übernehmen.

Der Leitspruch sollte lauten: Handeln, statt behandelt werden!

Was ist zu tun? Fällen Sie zwei Entscheidungen!

Die erste Entscheidung heißt: Entscheiden Sie sich „Nein“ zu sagen!

Es geht nicht darum, „Nein“ zu sagen zu den Erwartungen anderer, zu Aufgaben und Pflichten oder Personen, denn das werden Sie in den meisten Fällen nicht ändern können. Sie werden Ihre Kindheit, Erziehung, Eltern nicht mehr ändern können und Sie werden Ihre Umwelt mit allen Erwartungen und Pflichten nicht ändern, zumal die ja von Ihren Abhängigkeiten profitieren, wenn Sie versuchen, dem gerecht zu werden. Das wäre nur eine Symptombehandlung, aber behebt nicht die Ursache.

Das eigentliche Problem des „gelebt werden“ besteht in dem, was Sie sich davon erhoffen, wenn Sie Aufgaben und Pflichten bewältigen, Erwartungen von Menschen erfüllen oder sich Anerkennung und Zuwendung von anderen Menschen wünschen.

Wenn Sie davon Ihr Lebensglück und Ihren Lebensinhalt erhoffen, dann machen Sie sich davon abhängig und werden zu deren Sklaven. Was von außen auf Sie zukommt an Erwartungen, Pflichten und Aufgaben, und was Sie im bisherigen Leben geprägt hat, das können Sie nicht ändern. Sie können aber ändern, was Sie sich davon erhoffen. Und dazu müssen Sie „Nein“ sagen.

Die zweite Entscheidung lautet: „Ja“ sagen zu einem anderen Leben!

Diese Entscheidung ist mindestens genauso wichtig wie die erste, denn Sie müssen ihr Leben neu und mit einem positiven Geist füllen.

Jesus macht das in Matthäus 12, 33-45 deutlich, wenn er sagt: „43 Wenn der unreine Geist von einem Menschen ausgefahren ist, so durchstreift er dürre Stätten, sucht Ruhe und findet sie nicht. 44 Dann spricht er: Ich will wieder zurückkehren in mein Haus, aus dem ich fortgegangen bin. Und wenn er kommt, so findet er’s leer, gekehrt und geschmückt. 45 Dann geht er hin und nimmt mit sich sieben andre Geister, die böser sind als er selbst; und wenn sie hineinkommen, wohnen sie darin; und es wird mit diesem Menschen am Ende ärger, als es vorher war.“

Wenn Sie dazu „Nein“ gesagt haben, ihren Lebensinhalt und Ihr Lebensglück nicht mehr von dem zu erhoffen, worüber wir vorhin gesprochen haben, dann müssen Sie etwas anderes haben, was Ihnen Ihr Lebensglück und ihren Lebensinhalt gibt, denn wenn Sie nur „Nein“ sagen, sich aber nicht neu anfüllen lassen mit einem neuen Lebensgeist, wird es schlimmer als vorher.

Sagen Sie „Ja“ zu dem, was Jesus ihnen sagt und gibt. Entscheiden Sie sich dafür, Mensch zu werden, Ebenbild Gottes, so wie Gott Sie will.

Was das bedeutet, sagt Jesus in ein paar Sätzen in Matthäus 22, 37-39:

Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. 38 Dies ist das höchste und erste Gebot. 39 Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“

Lassen Sie es mich ganz kurz an drei Punkten aufzeigen:

Liebe Gott!

Such die Erfüllung deiner Sehnsüchte nach Anerkennung, Wertschätzung, Liebe, Zuwendung bei Gott und nicht in Abhängigkeit von Menschen. Bei Menschen bekommst du es nicht. Vertraue ihm, dass er es gibt und du wirst erfahren, dass er dir mehr gibt als Menschen dir jemals geben können.

Liebe Dich selbst!

Bei Gott darfst du sein, wer du bist. Entdecke dich neu: Was sind deine Vorlieben, was isst du gerne, welche Kleidung gefällt dir, wohin reist du gerne, was ist deine Meinung? Wer bist du? Du darfst als eine Persönlichkeit Gottes über dein Leben entscheiden. Gott will es so. Niemand anderes hat das Recht, dein Herr zu sein, keine Eltern, Kinder, Kollegen oder Freunde.

Liebe deinen Nächsten!

Jesus sagt nicht: Vollbringe große christliche Werke! Du bist auch nicht verantwortlich für das Glück anderer Menschen, keines Menschen, sondern nur für das, was du in Liebe tun kannst. Wenn das dem anderen nicht reicht, ist das sein Problem. Jesus macht deutlich: Geh in der Liebe, die du bei mir erlebst mit den Menschen um, mit denen du zu tun hast – mehr geht nicht.

Liebe auf dreierlei Weise! Das ist alles, was Sie als Ebenbild Gottes leben sollen.

Sie haben die Wahl! Sie sind es, der in Verantwortung und Freiheit entscheidet,

ob Sie sich zum Gefangenen ihrer Abhängigkeiten machen, was der bequemere Weg ist, oder ob Sie den Weg Jesu wählen, als selbst bestimmender Mensch zu leben. Dieser Weg ist anstrengender, aber bringt Ihnen Freiheit und das wahre Leben.

Diese Entscheidung müssen Sie immer wieder neu fällen, jeden Tag, denn die unterschiedlichen Lebenskonzepte liegen in ihnen in einem Kampf.

Sie können nicht beides wollen: das Leben in der Freiheit Gottes und die Abhängigkeit von Menschen und Dingen. Jesu sagt in Matthäus 6, 24: „Niemand kann zwei Herren dienen.“ Wenn Sie sich für die Freiheit durch Jesus Christus entscheiden, wird es Menschen geben, die versuchen, Sie zurückzuholen, weil sie von Ihrer Abhängigkeit profitiert haben. Die Frage ist, wem Sie dienen wollen: Christus oder Menschen? Sie können nicht erwarten, dass Sie tun und sagen, was Sie vom Glauben her für richtig halten, und trotzdem Ansehen und Anerkennung bekommen wollen.
Paulus sagt in Galater 5, 1: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!“

Lassen Sie sich nicht vom Willen anderer Menschen bestimmen oder von den Bildern, die in Ihnen sind, sondern binden Sie sich an Gott.

Gott gibt Ihnen alles, was Sie brauchen, um selbst zu leben. Ganz einfach: Folge Jesus und lerne von ihm, in der Freiheit und in der Liebe als Mensch zu leben.

Predigt zu Galater 5, 1 am 1. Sonntag nach Epiphanias – Thema: „gelebt werden oder selbst leben“
Hier finden Sie alle Predigten zum Lesen
Hier finden Sie für die sonntäglichen Gottesdienste Begrüßungen und Gebete