Predigt zu Johannes 14, 12-14
am letzten Sonntag nach Epiphanias
zum Thema: Gebet –
Teil 2 – Richtig beten!
12 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird die Werke auch tun, die ich tue, und wird größere als diese tun; denn ich gehe zum Vater. 13 Und was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun, auf dass der Vater verherrlicht werde im Sohn. 14 Was ihr mich bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun.
Welche Eigenschaften gehören zum Menschen, damit wir im vollen Sinn unser Menschsein leben können?
Dazu gehören zum Beispiel denken, kreativ und erfinderisch sein, etwas tun oder etwas empfinden. Dazu gehört auch, dass wir andere Menschen als unser Gegenüber haben, mit ihnen reden können, uns im Vergleich mit ihnen als etwas Besonderes erkennen. Wir brauchen das Gegenüber des anderen Menschen. Das ist unsere Veranlagung. Genauso gehört es zu unserer „Ur-Veranlagung“, dass wir Gott als unser Gegenüber haben, dass wir mit ihm reden und uns als sein Geschöpf, als seine Kinder erkennen.
Deshalb ist es für die Bibel so selbstverständlich, dass Menschen eine Beziehung zu Gott pflegen und mit Gott reden.
Wenn wir noch im Paradies leben würden, also in der ungestörten Gemeinschaft mit Gott, dann wüssten wir ganz genau, wie wir mit Gott reden können und was wir ihm sagen können. Das meint Jesus, wenn er in Johannes 15, 7 sagt: „Wenn ihr mit mir vereint bleibt und meine Worte in euch lebendig sind, könnt ihr den Vater um alles bitten, was ihr wollt, und ihr werdet es bekommen“, denn Jesus lebte in der Beziehung zu Gott in einem paradiesischen Zustand.
Aber diese heile Beziehung zu Gott ist zerstört, sie ist nur noch gebrochen da.
Deshalb müssen wir neu lernen, was es heißt, richtig zu beten:
Als die Jünger einmal mit Jesus zusammen waren, sagten sie: Herr, lehre uns beten!
Sie hatten begriffen, dass sie es neu lernen müssen. Als Antwort gibt Jesus ihnen das „Vater Unser“. Und in Johannes 16, 24 sagt Jesus: „Bisher habt ihr nichts in meinem Namen erbeten. Bittet, und ihr werdet es bekommen, damit eure Freude vollkommen und ungetrübt ist.“ Und Johannes schreibt in 1. Johannes 5,14+15: „Wir sind Gott gegenüber voller Zuversicht, dass er uns hört, wenn wir ihn um etwas bitten, das seinem Willen entspricht.“
Richtig beten! Dabei geht es nicht um richtige Formulierungen wie in anderen Religionen, sondern es geht um unser Herz, die Haltung unseres Herzens.
Ich will das in drei Punkten zusammenfassen:
1. Gott ist kein „Automat“!
Ich will erklären, was ich damit meine: Wenn ich Geld brauche, dann gehe ich zur Bank, nehme meine Geldkarte, stecke sie in den Automaten, und wenn Geld auf dem Konto ist, bekomme ich das, was ich haben will. Das tue ich nicht regelmäßig, sondern immer dann, wenn ich etwas brauche. Wenn das nicht funktioniert, bin ich richtig ärgerlich auf den blöden Automaten. Aber ich baue niemals eine persönliche, vertrauensvolle Beziehung zum Automaten auf.
So gehen viele Menschen mit Gott um: Sie gehen hin, wenn sie etwas brauchen, und erwarten, dass sie das bekommen, was sie wollen. Wenn das nicht funktioniert, sind sie sauer auf Gott und zweifeln an seiner Zuverlässigkeit. Und sie bauen keine persönliche, vertrauensvolle Beziehung zu Gott auf.
Aber Gott will etwas anderes und das ist die Voraussetzung für das Gebet: Vertrauen,
dass wir ihm von ganzem Herzen vertrauen, dass er es in allen Bereichen unseres Lebens gut mit uns meint, dass wir eine vertrauensvolle Beziehung zu unserem Schöpfer, unserem Vater im Himmel haben. „Vater Unser“ beten wir. Es unser Vater im Himmel, zu dem wir beten. „Vater“ kann auch mit „Papa“ übersetzt werden. Es drückt Respekt und Vertrauen aus. Jesus geht hier nicht von den menschlichen Vätern aus, denn darunter gibt es auch viele schlechte Väter, sondern er geht von einem Idealbild des Vaters aus, zu dem wir Vertrauen haben können. Im Neuen Testament lesen wir von vielen Menschen, die Jesus um Hilfe bitten, und Jesus antwortet denjenigen, denen er hilft: „Dein Glaube (Vertrauen) hat dir geholfen“.
Es geht beim Beten nicht in erster Linie darum, etwas Bestimmtes zu erbitten, sondern richtig beten heißt: Vertrauen, eine vertrauensvolle Beziehung zu Gott pflegen.
2. Gott erfüllt, was Jesus zusagt, bzw. verspricht:
Ein Pastor sagte einmal in einem Armenviertel in Chile zu seiner Gemeinde: „Gott hat euch das tägliche Brot versprochen, aber er hat euch keinen Fernseher, Musikanlage oder sonst etwas dergleichen versprochen.“ Wir möchten gerne, dass Gott alle schlimmen Krankheiten heilt, Probleme beseitigt und unsere Wünsche erfüllt, aber das hat er uns nie versprochen. Wir wissen, dass er es kann, aber er tut es nicht immer.
Jesus hat uns versprochen,
dass er uns unsere Schuld vergibt, wenn wir darum bitten und darauf können wir uns verlassen. Er hat uns versprochen, uns in die Ewigkeit zu bringen, wenn wir zu ihm gehören, und darauf können wir uns verlassen. Er hat uns versprochen, dass er bei uns ist und sich um uns kümmert, wenn wir ihm vertrauen und bei ihm bleiben, und darauf können wir uns verlassen. Er hat uns versprochen, dass er uns an seine Hand nimmt und wir bei ihm geborgen sein können, und darauf können wir uns verlassen.
Deshalb ist es so wichtig, dass wir Jesu Zusagen kennen und uns dann im Gebet auf Jesus berufen und sagen:
Weil Jesus mich angenommen hat und ich ihm gehöre, deshalb bitte ich. Weil Jesus mir das zugesagt hat, deshalb bitte ich im Vertrauen auf seine Zusage. Richtig beten heißt, sich auf Jesus berufen, auf sein Wort und seine Zusagen, und mit dem Herzen glauben: Jesus ist meine einzige Hoffnung, mein Halt und der Grund, warum ich im Vertrauen mit Gott reden kann.
3. Gott erfüllt alles, was im Einklang mit seinem Willen ist.
Wenn Gott will, dass ein Mensch gesund wird, und wir beten darum, dann wird er gesund.
Wenn Gott will, dass ein Mensch zum Glauben kommt, und wir beten darum, dann geschieht das. Wenn Gott will, dass ein Plan erfolgreich verwirklicht wird, und wir beten darum, dann wird der Plan erfolgreich.
Gott erfüllt alles nach seinem Willen, weil sein Wille gut ist für uns,
und er möchte, dass wir das erkennen und ihm vertrauen. Was aber nicht seinem Willen entspricht, das tut er nicht, und das ist gut für uns. Jesus wusste immer genau, was Gottes Wille in jeder Situation ist, und deshalb wurden alle Gebete erhört.
Und je mehr wir eins werden mit Jesus, desto mehr erkennen wir, was Gottes Wille ist.
Wir werden Gottes Willen nicht erkennen, wenn wir sonst immer unsere eigenen Wege gehen, unsere eigenen Pläne und Wünsche verwirklichen und dann plötzlich wissen wollen, was sein Wille ist, zum Beispiel im Beruf, in Beziehungen oder anderen Entscheidungen, sondern wenn wir mit unserem ganzen Herzen Gottes Willen erkennen und tun wollen, dann wird Jesus uns durch seinen Heiligen Geist seinen Willen zeigen, und wir werden dann da hineinwachsen, dass wir immer mehr seinen Willen erkennen und dann auch wissen, was wir beten sollen. Doch weil wir nie vollkommen eins sind mit Jesus und nie zu hundert Prozent wissen, was sein Wille ist, sollen wir unser Gebet immer schließen mit der vertrauensvollen Bitte: „Dein Wille geschehe.“
Richtig beten heißt: eins werden mit dem Willen Gottes, weil wir wissen, dass sein Wille wirklich gut ist.
Zum richtigen Beten gehören nicht die richtige Formulierung, sondern ein Herz, dass eine vertrauensvolle Beziehung zu Gott pflegen will, dass sich auf Jesus und auf sein Wort beruft und eins werden will mit dem Willen Gottes.