Predigt zu Hiob 1, 21 am 15. Sonntag nach Trinitatis zum Thema: „Umgang mit Trauer“

In dieser Predigtreihe geht es um die Frage, wie wir am besten mit all den Dingen umgehen, die wir in der Vergangenheit erlebt haben.

Heute soll es um den Umgang mit unserer Trauer gehen.

Vielleicht kennen Sie noch den Film „Forest Gump“. Dort sagt Forest: „Mama hat gesagt: Der Tod gehört zum Leben dazu, aber lieber wärs mir, es wär anders.”

Trauer um einen verlorenen Menschen, der uns wichtig war, ist wohl mit das Schlimmste, was wir erleben können, weil der Abschied endgültig ist.

Man kann nichts wieder verändern und nichts Versäumtes nachholen. Manchmal hat man damit gerechnet, man hat auch genügend andere innige menschliche Beziehungen, um damit fertig zu werden, aber manchmal wird einem ein sehr wichtiger Mensch genommen, und es bleibt eine große Leere und Einsamkeit zurück.

Es gibt aber auch Trauer, die nicht durch den Tod eines Menschen entsteht, sondern weil wir aus anderen Gründen etwas sehr Wichtiges verlieren,

zum Beispiel wenn wir uns mit einem Menschen durch Streit oder Missverständnisse entzweien und dadurch einen guten Freund verlieren, wenn wir einen guten Arbeitsplatz, eine gute Arbeit, die uns ans Herz gewachsen ist, oder die Heimat zum Beispiel nach einem Krieg verlieren, oder bei Liebeskummer mit der Trauer um eine vergehende Liebe.

Unsere Trauer zeigt uns den Schmerz an, den wir über den Verlust empfinden, aber sie zeigt uns auch die andere Seite, nämlich dass wir etwas sehr Schönes gehabt haben.

Wenn zwei Menschen sich sehr geliebt haben, ist der Schmerz über den Verlust natürlich größer als wenn diese Liebe nicht dagewesen ist. So zeigt uns der Schmerz gleichzeitig, wieviel Grund zum Danken wir hatten und dass wir auch jetzt noch dankbar sein können für das, was wir hatten.

Es ist aber auch wichtig, dass wir uns bewusst machen: Trauer ist in der Regel nicht Trauer um den Verlorenen, denn der leidet nicht mehr, sondern wir trauern um uns selbst, um das, was wir verloren haben.

Uns fehlt dann etwas sehr Wichtiges, was uns Halt, Geborgenheit und auch Sinn im Leben gegeben hat.

So kann Trauer dazu führen, dass wir uns nur noch um uns selbst drehen, gefangen sind in unserem Leid und unserem Schmerz

und dabei die Freude über das Schöne der Vergangenheit vergessen und unfähig werden für das Leben in der Zukunft was noch schönes da ist oder was noch kommen kann. Zum Beispiel kann die Trauer um den Ehepartner uns den Weg zu den Kindern oder anderen Menschen versperren, die Liebe brauchen und geben. Und die Trauer um ein Kind kann dazu führen, dass Menschen den Blick für die anderen Kindern verlieren, die Liebe und Zuwendung brauchen und geben können.

So kann die Trauer uns lähmen und unfähig machen zum Leben, sowohl im Rückblick auf die Vergangenheit, aber vor allem aber im Hinblick auf die Zukunft.

Besonders schwer ist die Trauer, wenn sie verbunden ist mit Schuldgefühlen oder mit Verletzungen.

Es würde hier zu weit führen darauf genauer einzugehen. Das tue ich in anderen Predigten dieser Predigtreihe. Nur so viel will ich hier sagen: Die Bitte im Vater Unser „vergib uns unsere Schuld, wie auch wie vergeben unseren Schuldnern”, hat hier eine besondere Bedeutung.

Es ist nicht leicht, auf die Trauer eine Antwort zu geben, weil sie manchmal so tief sitzt, dass wir gar keinen Ausweg sehen und nichts hören können. Aber der Glaube kann uns helfen, in der Trauer noch Freude zu haben, Trost und Geborgenheit.

Ich möchte Ihnen zwei Dinge mitgeben, die uns helfen können, uns auf Zeiten der Trauer vorzubereiten und die in der Trauer unsere Gedanken in eine andere Richtung lenken:

Über den ersten Gedanken will ich einen Vers aus Hiob 1, 21 stellen: „Der Herr hat´s gegeben, der Herr hat´s genommen, der Name des Herrn sei gelobt.”

Unsere Zeit gaukelt uns vor, als könnten wir das Leben absichern,

das Glück absichern und so zu leben, als hätten wir einen Anspruch darauf, immer nur glücklich zu sein. Aber gerade in der Trauer erfahren wir, was das für ein Trugschluss ist und wie wir mit dieser Sicht der Welt ständig belogen werden. Nein, wir können das Leben, das Glück nicht absichern und einen Anspruch auf die schönen Dinge des Lebens haben wir auch nicht. Sie sind vielmehr Geschenke Gottes.

Alles, was wir im Leben haben, ist eine Leihgabe Gottes,

jede schöne Stunde, jede schöne Begegnung, jede schöne Aufgabe, unsere Gesundheit und auch die Menschen, die wir lieben und von denen wir geliebt werden, unser ganzes Leben. An diesen Leihgaben Gottes dürfen wir uns erfreuen, aber wir müssen sie auch zurückgeben, vielleicht heute, vielleicht erst in vielen Jahren. Es ist wichtig und hilfreich, wenn wir uns das immer wieder vor Augen führen, dass jede Stunde ein Geschenk ist, jede Stunde mit dem Ehepartner, den Kindern, am Arbeitsplatz, mit der Gesundheit und allem, was sonst unser Leben ausmacht. Aber es ist alles nur für eine bestimmte Zeit, und dann ist es wichtig, dass wir das mit Dank an unseren Vater im Himmel zurückgeben, wenn er meint, dass es richtig ist, es zurückzugeben, so wie Hiob es sagt: „Der Herr hat´s gegeben, der Herr hat´s genommen, der Name des Herrn sei gelobt.”

Über den zweiten Gedanken möchte ich zwei Verse stellen aus Psalm 73, 26+28:

„26 Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil. 28 Aber das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte / und meine Zuversicht setze auf Gott den Herrn.“

Wenn wir trauern, spüren wir, wie sehr unser Herz an etwas oder jemand hing, das oder der doch vergänglich ist, so wie wir selbst es sind. So sind wir Menschen. Aber es zeigt uns auch, wieviel besser es ist, wenn unser Herz an dem hängt, der uns ewige Freude und ewigen Halt geben kann. Gott gibt uns eine Freude und einen Halt, wo wir auch in den tiefsten Nöten noch wissen können: Er ist in Jesus Christus da und hält uns. Das bleibt, auch wenn Leib und Seele verschmachten oder wenn wir die irdischen Gaben abgeben müssen. Das gibt uns Hoffnung in diesem Leben und über dieses Leben hinaus, auf die Auferstehung und die ewige Gemeinschaft mit unserem himmlischen Vater.

Das Ziel unseres Lebens ist nicht das Glück auf dieser Erde. Das sind Geschenke unseres Vaters auf dem Weg zum Ziel. Das Ziel ist für alle, die an ihn glauben, Gottes Ewigkeit.

Die Antwort auf die Trauer, der Trost im Schmerz, die Freude im Leid kommt nicht aus dieser Welt, sondern aus der kindlichen Liebe zu unserem himmlischen Vater. Und bei ihm können wir lernen, alles aus seiner Hand zu nehmen. In Hiob 2, 10 lesen wir: „Wenn Gott uns Gutes schickt, nehmen wir es doch gerne an. Warum sollen wir dann nicht auch das Böse aus seiner Hand annehmen?”

Aber auch im Glauben leben wir noch in dieser Welt.

Und so wird auch die Trauer, der Schmerz, das Leid als Christen zu unserem Leben gehören, solange wir noch auf dieser Erde sind, aber wenn wir uns auf diesen Weg begeben, dann können wir in der Gemeinschaft mit Christus mehr Geborgenheit in der Trauer, mehr Trost im Schmerz und mehr Freude im Leid erfahren.

Eine bessere Antwort gibt es für uns nicht,

und deshalb ist es so wichtig, dass wir alles im Leben dransetzen, um die Gemeinschaft mit Gott zu vertiefen und besonders in den guten Zeiten unseres Lebens daran arbeiten, indem wir uns mit Gottes Wort beschäftigen, beten und uns in der Gemeinschaft mit anderen Christen stärken. Und wie wichtig ist es, dass wir den Kindern diesen Glauben ganz ans Herz legen.

Die Trauer bleibt, aber wir müssen nicht mehr drin stehen bleiben, sondern wir können in der Gegenwart Gottes lernen die Vergangenheit froh und dankbar zu sehen und neue Kraft und Hoffnung für das zu bekommen, was Gott mit unserem Leben noch vorhat.
Predigt zu Hiob 1, 21
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