Predigt zu 1. Korinther 15, 19-28 am Ostersonntag
19 Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen. 20 Nun aber ist Christus auferweckt von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. 21 Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. 22 Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden. 23 Ein jeder aber in der für ihn bestimmten Ordnung: als Erstling Christus; danach die Christus angehören, wenn er kommen wird; 24 danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird, nachdem er vernichtet hat alle Herrschaft und alle Macht und Gewalt. 25 Denn er muss herrschen, bis Gott »alle Feinde unter seine Füße gelegt hat« 26 Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod. 27 Denn »alles hat er unter seine Füße getan« Wenn es aber heißt, alles sei ihm unterworfen, so ist offenbar, dass der ausgenommen ist, der ihm alles unterworfen hat. 28 Wenn aber alles ihm untertan sein wird, dann wird auch der Sohn selbst untertan sein dem, der ihm alles unterworfen hat, auf dass Gott sei alles in allem.
Zwei Menschen machen eine lange Wanderung in einer einsamen Berggegend der südamerikanischen Anden.
Es ist eine faszinierende Landschaft mit den Tälern und Berggipfeln in der Umgebung. Bei gutem Wetter können sie von den Gipfeln weit ins Flachland sehen. In weiter Entfernung erblicken sie einige kleine Dörfer und Städte und manchmal bei klarer Sicht reicht es sogar bis zum Pazifik. Zuerst ist es eine wunderschöne Wanderung. Sie könnten ewig so weiter wandern. Dann aber merken sie, dass die Beine schwer werden vom ständigen auf- und absteigen. Sie freuen sich auf die Nachtruhe. Aber in den Nächten ist es eisig kalt. Ein kräftiger kalter Wind weht um die Berge und weit und breit keine Raststätte in Sicht. Nach einer Woche sind sie fast mit ihren Kräften am Ende. Die Schönheit der Natur nehmen sie gar nicht mehr wahr, sondern nur noch die Blasen an den Füßen, die schweren Beine und die Müdigkeit im ganzen Körper.
Und doch gibt es einen großen Unterschied zwischen beiden:
Der eine versinkt in Hoffnungslosigkeit, während der andere weiter zuversichtlich bleibt, denn er weiß von einem schönen Hotel mit Thermalquellen, das vor ihnen liegt. Sie müssen nur noch ein bisschen weiter wandern. Er sagt es dem anderen Wanderer, aber der glaubt ihm nicht.
Paulus sagt: Wenn wir dies nicht wissen, dass am Ende unserer Wanderung die Auferstehung auf uns wartet, dann sind wir die Elendesten unter allen Menschen.
Das Ende bestimmt alles:
Ob alles vergeht: alles, was wir erreicht haben, wir selbst, der Glaube oder ob wir eine Hoffnung haben, dass wir leben werden, daran entscheidet sich alles in unserem Leben.
Wenn wir nicht an die Auferstehung glauben und Jesus nur für dieses Leben als großes Vorbild sehen, was haben wir dann?
Sicher können wir von Jesus viel lernen, um dieses Leben gut zu gestalten,
wie er mit unterschiedlichen Menschen umgegangen ist, ihnen Würde und Wert gegeben hat; seine innere Freiheit von allem irdischen Besitz, Anerkennung und von Menschen; sein Blick für das Schöne im Leben, um dankbar zu leben, und seine Bereitschaft, für seine Überzeugung zu leiden. Es ist faszinierend, wenn Menschen so viel von dem tun, was Jesus vorgelebt hat. Wir bewundern solche Menschen zu Recht. Oft heißt es auch über solche Menschen: Sie glauben zwar nicht an die Bibel, aber sie haben gelebt wie ein Christ.
Wenn wir so leben, ist das sicherlich besser, als wenn wir uns an anderen Dingen orientieren, aber im Tod bleibt auch dann nichts von uns. Wenn am Ende nicht die Hoffnung auf die Auferstehung steht, dann wird schließlich doch alles zerstört, vom Tod besiegt:
unser Leben, unser Tun, unsere Kraft, selbst das Schönste und Beste und sogar die Erinnerung daran ist vergänglich. Das ist das menschliche Schicksal. Wir sind gefangen in der Menschlichkeit und werden letztlich vom Tod beherrscht. Wenn ein Mensch am Ende nur den Tod erwartet, dann ist es für ihn letztlich egal, ob er gut war oder nicht, einen Halt hatte oder nicht oder welcher Weltanschauung er gefolgt ist.
Unser Glaube lebt davon, dass wir wissen: Christus ist stärker als der Tod und als alle Mächte dieser Welt, unter den wir Menschen leiden. Diese Macht sehen wir in seiner Auferstehung.
Er ist stärker als alle menschlichen Mächte, unter denen wir leiden können: unter der Sünde, die uns dazu bringt, dass wir das Gute tun wollen und doch nicht tun; unter den Mächtigen dieser Welt, die mit uns machen können, was sie wollen; unter den Problemen im Miteinander von Freunden, Nachbarn und Familie; unter Krankheit, Sorgen, Probleme und unter dem Tod, der uns Menschen nimmt und den wir erleiden.
Alle, die zu Christus gehören, sind nun nicht mehr gefangen im menschlichen Schicksal, sondern sind eingebunden in Christus. Gott sieht dann nicht uns, sondern Christus in uns.
Unser Glaube hängt am Ostermorgen, an der Gewissheit des Sieges Gottes und an unserer Auferstehungshoffnung.
Paulus beschreibt hier den Sieg Christi in Etappen:
Zuerst ist Christus auferstanden, danach, wenn er wiederkommt, werden die auferstehen, die zu ihm gehören, und am Ende, wenn er alle weltliche Herrschaft, Macht und Gewalt vernichtet hat, wird zuletzt der Tod besiegt. Dann ist das Erlösungswerk Christi vollendet und Christus gibt sich und alles in Gottes Hand.
Aber noch ist es nicht so weit, noch leben wir hier auf der Wanderung durch dieses Leben.
Wir müssen weiter wandern über Berge und durch Täler, schöne und schwere Strecken, und manchmal sind wir bis zur Erschöpfung müde und spüren nur die Last. Hinzu können zusätzliche Leiden kommen, wenn wir treu zu Christus stehen wie bei den Jüngern, bei Paulus und bei vielen Christen im Laufe der Geschichte.
So ist unser Weg, auch als Christen manchmal sehr schwer, aber unser Glaube lebt nicht davon, dass Gott uns hier das Leben erleichtert, sondern dass wir das Ziel erreichen.
Aber denken Sie an die beiden Menschen auf der Wanderung durch die Berge. Es macht einen Unterschied, ob wir wissen, was auf uns wartet oder nicht. Das gibt Kraft zum Durchhalten, auch wenn es schwer ist. Es gibt uns die richtige Orientierung, weil wir wissen, dass Christus allein die Wahrheit ist und wir nur mit ihm das Ziel erreichen. Und unsere Erwartungen für ein gutes Leben werden von den Dingen dieser Welt weggezogen und hin zu Christus gelenkt, von dem wir wissen, dass er uns durch dieses Leben begleitet.
Damit wir ans Ziel kommen, hilft er uns auf, wenn wir fallen, und trägt uns, wenn wir nicht weiterkönnen.
Und manchmal zeigt er sich uns, wie es die Jünger von Emmaus in Lukas 24 erlebt haben, damit unser Glaube gestärkt wird. So prägt die Hoffnung auf die Auferstehung schon jetzt unser Leben. Wir leben in einer Welt, die sehr vom Diesseits geprägt ist. Alles wird vom Leben hier erwartet. Und der Glaube soll dann auch noch dafür da sein, dass hier alles besser wird. Wenn man genügend Kraft hat, geht es uns gut, aber wenn die Kraft nachlässt, macht es uns hoffnungslos.
Denken Sie immer daran: das Entscheidende ist der Osterglaube, die Gewissheit, dass Christus auferstanden ist und lebt.
Er ist der wahre Herr. Und alle, die zu ihm gehören, werden auch auferstehen zur ewigen Herrlichkeit. Jetzt ist es noch nicht sichtbar, aber es wird einmal sichtbar und wir wollen dabei sein.


