Predigt zu 1. Johannes 2, 17
am 21. Sonntag nach Trinitatis
mit Silberner Konfirmation 

„Die Welt vergeht mit ihrer Lust; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit.“

Was können sie in Ihrem Alter als Silberne Konfirmanden vom Leben noch erwarten? Sind Sie geschockt von der Frage?

Aus Sicht der vierzehnjährigen Konfirmanden ist die Frage verständlich, denn für die sind Sie schon sehr alt. Ich frage Sie das aus meiner Sicht, eines Älteren: Was soll noch kommen? Man bezeichnet Ihr Alter auch die Zeit der Midlifecrisis, aber jedes Alter hat seine Krise. Andere sagen: Es sind die besten Jahre. Wie furchtbar, denn das bedeutet ja, dass es ab jetzt nur noch bergab geht.

Was erwarten Sie noch?

Wenn man in jungen Jahren Konfirmand ist, dann erwartet man viel.

Konfirmanden beschäftigen sich mit Partys, Jungen und Mädchen, fun und action, Erfolg und Karriere, besonderen Highlights wie Urlaub und großen Festen trotz der lästigen Pflichten, wie Schule und Zimmer aufräumen. Davon erhoffen Sie sich Glück und Lebensqualität, Freundschaft und Liebe.

Aber jetzt mit 40?

Sie haben vielleicht einiges erreicht: Ehe und Familie, Haus, Beruf, Urlaubsreisen und anderes, aber ist das Glück damit mit bis zum Lebensende perfekt? Vielleicht haben Sie auch schon negative Erfahrungen gemacht, dass das, worin Sie einmal ihr Glück gesucht haben, nicht mehr da ist, zum Beispiel eine kaputte Ehe, Kinder sind aus dem Haus, die Berufsausbildung ist nicht mehr zu gebrauchen, oder Arbeitslosigkeit und Probleme in der Familie. Viele Erfahrungen liegen hinter Ihnen, positive und negative. Man sagt: Durch Erfahrung wird man klüger und weiser! Stimmt das?

Ja, man merkt durch Erfahrung einfach, daß nicht alles, was einem als großer Glücksbringer angepriesen wird, auch bringt, was es verspricht.

Das sagt der 1. Teil des Bibelverses, den ich Ihnen heute mitgeben möchte: „Die Welt vergeht mit ihrer Lust.“ Die Erfahrung bestätigt, dass es so ist. Nichts, was uns diese Welt an Freuden und Glück bringt, ist von Dauer. Die Bibel sagt nicht, dass alles, was die Welt uns an Freuden gibt, schlecht ist, ganz und gar nicht. Sie gönnt sie uns und will uns geradezu helfen, daß wir sie richtige genießen können. Aber sie warnt uns davor, daran unser Herz zu hängen, davon alles zu erwarten, denn dann stürzen wir in tiefe Tiefen ab, wenn wir es verlieren, zum Beispiel in Depressionen, Resignation oder Verbitterung.

Deshalb ist heute ein Tag, an dem Sie nicht nur zurückschauen auf Erinnerungen von damals, sondern ein Tag der Besinnung,

an dem Sie einmal anhalten in der Routine des Alltags, wo man oft nur noch funktioniert, und sich fragen, wo steh ich eigentlich, wohin hat mich das Leben hin gespült und will ich mein ganzes Leben mein Glück in Dingen zu suchen, die doch vergehen, um am Ende festzustellen: die Welt vergeht mit ihrer Lust und ich bin mit vergangen.

Es soll ein Tag sein, an dem Sie sich und ihr Leben neu wieder an Gott anbinden. Darum geht es im zweiten Teil des Verses: „Wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit.“

Was heißt das, „den Willen Gottes tun“, sein Leben an Gott anbinden? Ich möchte Ihnen drei Dinge nennen, die Sie neu festlegen oder bekräftigen sollten.

1. Das Ziel festsetzen:

Es gibt viele Ziele, denen wir hinterherlaufen, auf die wir zusteuern können, auch in Ihrem Alter. Wir können uns zum Beispiel um die Kinder kümmern, endlich mal etwas für uns tun, den Garten verschönern und die Platten neu verlegen, eine Weltreise machen, uns um die Altersvorsorge kümmern oder das Fitnesstraining intensivieren. Das ist alles nicht schlecht, aber sind sie als Ziele für das Leben genug?

Wieviel lohnenswerter ist das Ziel, das Gott uns gibt, dass wir in die Ewigkeit zu ihm kommen, dass wir jetzt mit der Ewigkeit Gottes verbunden sein können durch den Glauben an Jesus Christus und dann in der vollkommenen Gemeinschaft mit Gott leben werden.

Das ist ein wunderschönes Ziel und nichts kann wichtiger sein. Die Ewigkeit ist so schön und das Leben so kurz. Wie schlimm muss es sein, wenn wir einmal vor Gott stehen und die Tür zur Ewigkeit bleibt für uns verschlossen. Es ist wichtig, dass wir Jesus im Herzen haben, damit wir dorthin kommen.

2. Die Prioritäten im Leben neu festlegen

Was wir als Hauptziel haben, das muss an erster Stelle stehen, und das andere muss sich dem unterordnen. Überlegen Sie und sortieren Sie neu, wofür Sie ihre Zeit gebrauchen wollen, die Sie zur Verfügung haben, wofür Sie sich einsetzen wollen mit Ihren Gaben, Fähigkeiten und Ihrer Kraft und worüber Sie sich vor allem Sorgen machen müssen oder freuen können.

Wenn wir die Ewigkeit erreichen wollen, dann muss das ganz oben stehen, was Jesus in Matthäus 22, 37 sagt: „Du sollst Gott lieben von ganzem Herzen, mit deinem ganzen Gemüt und mit aller deiner Kraft.“

Das heißt ja nicht, dass wir die anderen Dinge vernachlässigen müssen, aber es sortiert sich neu von der Reihenfolge der Wichtigkeit her, alles bekommt seinen angemessenen Stellenwert. Ehe und Familie können wichtig sein, aber nur für eine bestimmte Zeit dieses Leben. Beruf und Geld können wichtig sein, aber nur für einige Bereiche dieses Lebens. Nichts davon kann uns in die Ewigkeit bringen. Nichts davon kann uns einen dauerhaften Halt geben. Die Anbindung an Gott macht uns erst fähig, um mit den Dingen des Lebens richtig umzugehen. Ich mache mir Sorgen, dass wir in unserer Zeit, auch in Bezug auf die Kinder, die Pflege der Beziehung zu Jesus Christus nicht ernst genug nehmen.

3. Die Werte neu festlegen, an denen wir unser Handeln orientieren.

Es wird viel über die Werte gesprochen, aber meistens beklagt man sich nur, wenn es für einen selbst einen Nachteil gibt. Wie kann das gut gehen, wenn jeder nach seinen eigenen Werten handelt. Sind wir wirklich so schlau, dass wir wissen, was gut und was schlecht für uns ist.

Vielleicht lernen wir wieder, darauf zu vertrauen, dass die Werte, die Gott uns gibt in der Bibel wirklich gut für uns sind, auch für uns heute, und dass wir ihnen mehr vertrauen als uns selbst.

Wenn Sie so ihr Leben ausrichten, dann können Sie noch viel erwarten vom Leben. Mit Christus ist das Leben immer ein Abenteuer. Ihr Leben ist immer sinnvoll, egal welche Gaben und Fähigkeiten Sie haben, welche Lebensgeschichte sie haben oder in welcher Situation Sie sich gerade befinden. Gott kann immer etwas mit Ihnen anfangen, und Sie haben einen Halt, der immer da ist, auch wenn etwas schief geht oder Sie etwas Wichtiges verlieren

Eins sollen Sie noch wissen: Christus geht immer neben Ihnen her, geht Ihnen nach und klopft an der Tür Ihres Herzens und sagt. Lass mich in dein Herz!

Deshalb machen Sie einmal einen Punkt in ihrem Leben und überlegen Sie, wohin Ihre weitere Lebensreise gehen soll. Denn sonst sind Sie irgendwann tot und merken dann, dass Sie gar nicht richtig gelebt haben, oder Sie erfahren dann, dass Sie ans Ziel gekommen sind. Diese Entscheidung muss jeder ganz persönlich treffen. Niemand kann sie uns abnehmen.

Predigt zu 1. Johannes 2, 17 mit Silberner Konmfirmation
Hier finden Sie alle Predigten zum Lesen
Hier finden Sie für die sonntäglichen Gottesdienste Begrüßungen und Gebete