Predigt zu 1. Thessalonischer 5, 18 am Erntedankfest  

Haben Sie Grund, um dankbar und zufrieden zu sein?

Ja, aber sicher, und zwar jeden Tag. Wir haben ja auch viel:

Essen Trinken, eine Wohnung, ein Haus und andere materielle Güter, Gesundheit und Kraft, Bewegung, Sehen, Hören, Begabungen und Fähigkeiten, um Aufgaben des Lebens zu meistern, Mitmenschen, die uns begleiten, 24 Stunden Zeit am Tag und das Evangelium, die wunderbare Botschaft Jesu, dass Gott uns liebt, uns in seiner Gemeinschaft haben will, hier und in Ewigkeit.

Wir haben viel Grund, Gott Lob- und Danklieder zu singen, uns zu freuen und zufrieden zu sein.

Nun kommen die anderen und sagen: Es gibt aber auch viel Grund zu klagen und unzufrieden zu sein.

Sie haben recht! Manchmal könnte es wirklich von allem etwas mehr sein:

nettere Menschen, mehr Geld, mehr Begabungen, mehr Gesundheit, mehr Zeit und viele andere schöne Dinge. Davon kann man nie genug bekommen. Dann vergleichen wir und stellen fest, andere haben mehr Gesundheit, Gaben, Geld und anderes. Dann denken wir: Wenn ich das auch hätte, dann würde es mir besser gehen, könnte ich mehr bewirken, mir mehr leisten und das Leben besser gestalten.  Außerdem ist unsere Stimmungslage sehr unterschiedlich: heute geht es gut, morgen nervt mich jemand oder es tauchen Sorgen auf und schon ändert sich die Stimmung.

Und natürlich gibt es auch richtige Probleme, die uns niederdrücken und lähmen.

Hinzu kommt noch, dass dem, der dankbar ist, unterstellt wird, dass er ein leichtes Leben hat, ohne Probleme und wenig schwierigen Herausforderungen. Bei dem scheint alles glatt und nach Wunsch zu laufen. Der bekommt dementsprechend auch weniger Mitleid ab, und etwas Mitleid tut doch so gut. Der läuft Gefahr, dass man ihm wenig gibt an Zuwendung und Mitgefühl und viel fordert, was er geben und tun soll. Klagen und Jammern sind wie ein Schutzwall, mit dem wir ausdrücken: Bei mir ist nichts zu holen. Ich brauche selber etwas.

Aber bei allen scheinbar berechtigten Einwänden gilt eben auch, dass dankbar und zufrieden sein nicht nur schöner und gesünder ist, sondern es macht auch glücklicher und zuversichtlicher.

Und es ist Gottes Wille, sein Gebot, weil er weiß, dass es gut für unser Leben ist. So schreibt Paulus in 1. Thess. 5, 18

„Seid dankbar in allen Dingen, denn das ist der Wille eures Vaters im Himmel.“

Dankbarkeit ist der Weg zu Lebensfreude, Zufriedenheit und Zuversicht.

Deshalb ist auch die gesündeste Ernährung der dankbare Genuss. Darum ist auch das Tischgebet gesund, denn es erinnert uns daran, dankbar zu sein.

Ich will fünf Punkte herausgreifen, warum es für uns gut ist, dankbar zu leben: Wer dankbar ist, der …

… kann die Gaben genießen.

Genuss ist Freude an den Gaben, ein Lob auf den Schöpfer und Geber der Gaben. Wer genießt, der muss das nicht haben, aber er freut sich daran. Wer genießt, hat ein offenes Herz für Gottes Geschenke.

… kann sich an dem Leben freuen,

das Gott ihm schenkt. Wenn wir die Gaben selbstverständlich hinnehmen, bringen sie keine Freude, aber dankbar bringen sie viel Freude. Für mich ist das das große Drama im relativ reichen Europa. Lebensfreude ist ein Lob auf den himmlischen Vater, und Gott freut sich, wenn seine Kinder sich freuen.

… lebt verantwortungsvoller

und er wird die Gaben nicht gebrauchen, um sich selbst oder anderen zu schaden, sondern er weiß, dass sie ein Geschenk Gottes sind, um sich und anderen das Leben damit schöner zu gestalten.

… wird zuversichtlich,

weil er erfahren hat, dass er Gott vertrauen kann, dass er es gut mit ihm meint, und so wird er auch für die Zukunft darauf vertrauen, weil er hinter all den Gaben Gott sieht, die Geschenke eines liebenden Vaters, der will, dass es uns gut geht, und dass wir uns an seinen Gaben freuen. Er entdeckt die vollkommene Liebe, die er uns in Jesus zeigt.

… kann Gott loben und preisen.

Wie soll jemand die Freude des Glaubens ausstrahlen, fröhlich singen, wie soll sein Herz weit und voller Lob sein, wenn er sich nicht freut an den Gaben Gottes, an der Liebe, die dahintersteht und die er uns in Jesus zeigt?

Wie komme ich dahin, zu einem dankbaren Leben?

Es geht nicht durch gutgemeinte Ratschläge

wie zum Beispiel „Das Glas ist immer halb voll oder halb leer.“ „Schau auf das, was du hast. Es ist ja nicht alles schlecht.“ Oder „Anderen geht es noch schlechter.“ Das sind tolle Ratschläge, die gut gemeint sind, aber nicht wirklich helfen. Sie helfen im besten Fall kurzfristig und oberflächlich.

Es gibt aber einen Weg, um trotz aller Schwierigkeiten im Leben fröhlich Loblieder zu singen. Ich will ein paar Beispiele nennen:

Als Paulus und Silas, nachdem sie ausgepeitscht worden waren, im Gefängnis von Philippi saßen, fingen sie in der Nacht an, Gott zu loben und zu preisen. Darüber wird in Apostelgeschichte 16, 23-40 berichtet. Von den ersten Christen wissen wir, dass sie Loblieder sangen, als sie in der Arena den Löwen vorgeworfen wurden. Ich habe Menschen mit starken Behinderungen, schwerer Krankheit oder im Sterben erlebt, die voller Lob und Dank in ihrem Herzen waren. Paul Gerhard hat wunderschöne Loblieder gedichtet, obwohl er nach 13 Jahren Ehe seine Frau verlor und da waren schon vier von fünf Kindern gestorben. Und von Friedrich von Bodelschwingh, der innerhalb von 11 Tagen vier Kinder verlor, wissen wir, dass er in seinem Herzen das Lob Gottes behalten hat. Es gibt noch viele andere Beispiele und vielleicht kennen Sie selbst auch einige.

Was hat sie alle trotz allem dankbar und fröhlich gemacht? Das Geheimnis ist, dass sie alle etwas Wichtigeres hatten als das, wie es ihnen hier im Leben erging.

Normalerweise schauen wir auf das, was wir in der Welt erleben, zum Beispiel auf Gesundheit, andere Menschen, Anerkennung und Geld. Was uns von diesen Dingen sehr wichtig ist, das beeinflusst uns. Und je nachdem wie es auf uns einwirkt, geht es uns manchmal gut oder schlecht. Diese Menschen schauten auf das, was sie mit Gott erlebten, wie Gott auf ihr Leben einwirkte, nicht nur all die Gaben für ihr Leben, sondern die ganze Ewigkeit, aus der sie schon jetzt Kraft, Freude, Liebe und Hoffnung bekamen, und am Ende das ewige Leben. Das war ihnen wichtiger als alles andere und das hat sie bestimmt. Wie Gott mit uns umgeht, sehen wir in Jesus, und das ist immer gleich. Und wir können es täglich erfahren.

Wenn uns das, wie Gott mit uns umgeht, wichtiger ist als alles andere, dann haben wir immer einen Grund dankbar und zufrieden zu sein. Und wenn Unzufriedenheit und Klage auftaucht wie ein grauer Schleier, dann müssen wir auf Jesus schauen, auf den unermesslichen Reichtum, den wir durch ihn haben.

Ihr lieben Christen: Seid dankbar in allen Dingen!

Grund genug dafür hat jeder reichlich. Es macht glücklich und zufrieden. Und hat Gott es nicht verdient, dass wir dankbare, zufriedene und lobende Kinder Gottes sind?

Predigt zu 1. Thessalonischer 5, 18
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