Links zu den anderen Predigten der Predigtreihe zum Thema Gebet:
Teil 1- Erhörungsgewissheit
Teil 2 – Richtig beten!
Teil 4 – Gottes Antwort verstehen
Predigt zu Psalm 31, 5
am Sonntag Sexagesimae
zum Thema: Gebet –
Teil 3 – Gottes Antwort
Wenn wir immer ganz eins wären mit Gott, so wie Jesus eine paradiesische Einheit mit Gott hatte, dann wüssten wir immer genau, was Gottes Wille für unser Leben ist, so wie Jesus,
dann würden wir auch nur um Dinge bitten, die dem Willen Gottes entsprechen, so wie Jesus. Und dann würden wir als Antwort von Gott immer hören: Ja, deine Bitte ist gut, ich erfülle sie.
Nun ist das bei uns anders! Unsere Einheit mit Gott ist durch Jesus wiederhergestellt. Aber sie ist noch gebrochen vorhanden.
Paulus schreibt in 1. Korinther 13, 12: „Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Bild; dann aber (in der Ewigkeit) von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin.“ Erst in der Ewigkeit werden wir alles vollkommen erkennen und erst dann wird die Einheit mit Gott wieder vollkommen sein.
Was heißt das nun für das Gebet?
Sollen wir lieber gar nicht beten,
weil wir sowieso nicht wissen, was richtig ist und was Gott erfüllt? Ist das Gebet ein Glücksspiel nach dem Motto: „Man kann es versuchen, aber ob es hilft, ist wie eine Lotterie.“ Manche Menschen haben aufgehört, zu beten, weil Gott ihre Bitten nicht erfüllt hat.
Nein, wenn wir durch den Glauben mit Jesus verbunden sind
und uns im Gebet voller Vertrauen an Gott, unseren himmlischen Vater oder an Jesus, unsern Herrn wenden, dann sollen und dürfen wir alles beten und bitten, was uns auf dem Herzen liegt. Aber dann müssen wir es ihm überlassen, wie er darauf antwortet.
Wir können dann gewiss sein: Gott erhört unsere Gebete, und er antwortet darauf, aber auf unterschiedliche Weise. Ich will das auch anhand von biblischen Geschichten verdeutlichen.
Manchmal sagt Gott „Ja” zu unseren Anliegen.
Dein Anliegen ist gut. Es entspricht meinem Willen. Deine Bitte wird erfüllt. Dafür gibt es viele Beispiele in der Bibel und wenn wir das erleben, dann können wir gut damit umgehen.
Manchmal sagt Gott einfach „Nein” zu unseren Anliegen.
Wir sehen das bei David in 1. Chronik 22, 1-10: Er hat als König viel erreicht, aber zum Schluss möchte er noch für Gott einen Tempel bauen, ein durchaus frommes Anliegen. Aber Gott sagt: Nein! Den Tempel soll Salomo bauen. Paulus hat lange darum gebetet, dass Jesus ihm eine Schwäche, einen Makel nimmt, damit er noch besser als Apostel wirken kann. Was es genau war, wissen wir nicht. In 2. Korinther 12, 9 schreibt Paulus, welche Antwort er von Jesus bekommen hat: „Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“
Manchmal sagt Gott auch „anders” zu unseren Anliegen.
Gott will unseren Wunsch erfüllen, aber anders als wir es uns gedacht hatten, weil er einen besseren Weg für uns kennt.
In den Geschichten über Joseph in 1. Mose 37-50 wird beschrieben, dass Joseph von seinen Brüdern aus Bosheit nach Ägypten verkauft und von der Familie getrennt wurde. Und auch in Ägypten ging es für Joseph auf und ab. Gott hatte einen Plan mit ihm, der anders war als Joseph sich das vorgestellt hatte, aber so wurde durch Joseph die ganze Familie und das Volk Israel gerettet.
In Johannes 11 wird beschrieben wie Lazarus im Sterben liegt. Die Schwestern bitten Jesus, schnell zu kommen. Aber Jesus kommt nicht, Lazarus stirbt und die Schwestern sind verzweifelt und klagen Jesus an. Aber Jesus ist extra später gekommen, um seine Macht auch über den Tod zu zeigen. Und so erfüllt sich die Bitte der Schwestern doch noch, aber ganz anders, als sie es sich ursprünglich gedacht hatten.
An verschiedenen Stellen im Neuen Testament wird deutlich, wie die Jünger hofften, dass Jesus ein mächtiges Reich Gottes auf der Erde aufbaut, und sie dabei als Minister mitwirken könnten. Das Reich Gottes ist mit Jesus gekommen, aber dafür musste Jesus nicht mächtig werden, sondern sterben, und die Jünger wurden keine Minister, sondern arme Wanderprediger. Sie erlebten das Reich Gottes, aber ganz anders als sie es vorgestellt hatten.
Manchmal sagt Gott „später” zu unseren Anliegen. Der Zeitpunkt ist schlecht. Erst einmal müssen noch andere Dinge geschehen, damit ich deine Bitte erfüllen kann.
Abraham hatte von Gott eine große Verheißung bekommen: Viele Nachkommen sollte er bekommen, ein großes Volk und zum Segen für viele Völker werden. Aber es gab ein Problem. Er hatte noch kein Kind. Erst als nach menschlichem Ermessen Abraham und seine Frau keine Kinder mehr bekommen konnten, erfüllte Gott die Verheißung.
Aber auch in kleinen Dingen sagt Gott manchmal „später“. Paulus wollte auf seiner 2. Missionsreise auch in der Gegend von Ephesus predigen. Aber Jesus macht ihm durch den Heiligen Geist deutlich: Erst musst du nach Europa, nach Thessaloniki, Athen und Korinth. Das wird in Apostelgeschichte 16, 6-10 beschrieben.
Manchmal sagt Gott zu uns: „Wachse erst im Glauben“! Dein Glaube ist noch nicht reif genug, nicht stark genug.
Hiob hatte an einem Tag alles verloren: Besitz, Kinder, Gesundheit. Und Hiob bittet verzweifelt um Hilfe, um Gnade. Aber Gott reagiert nicht. Erst einmal soll Hiob Gott ganz neu kennen lernen. Erst als das geschehen ist, hilft Gott. Die Geschichte des Volkes Israel vom Auszug bis zum Einzug ist ein großes Beispiel dafür. Das Volk wird in eine umfassende Schule des Glaubens genommen. Da sind die Jünger, die im Auftrag Jesu Kranke heilen und böse Geister austreiben wollen, aber es funktioniert nicht. Jesus macht ihnen deutlich: Erst müsst ihr noch intensiver mit mir zusammenwachsen, eins werden mit mir. Petrus, der immer mutig voran ging und später ein führender Leiter der ersten Christen wurde, musste vorher erleben, wie er versagt. Er musste zerbrechen und Jesu Liebe neu begreifen. Die Evangelien beschreiben, wie Jesus viele Bitten nicht erfüllen konnte, weil der Glaube fehlte.
Aber warum tut Gott das? Warum antwortet er auf unsere Gebete anders, als wir es erbeten hatten, als wir es uns vorgestellt hatten.
Denn auch die Beispiele aus der Bibel, das waren doch keine schlechten, sondern gute, gläubige Wünsche und Bitten, auch um etwas für Jesus zu tun. Will Gott nur zeigen, dass er die Macht hat, zu tun, was er will, und uns zeigen, was für kleine „Würmer“ wir sind? Wenn Gott nicht so auf unsere Wünsche eingeht, wie wir uns das vorgestellt haben, dann nicht, um uns zu ärgern oder weil er uns nicht liebt, sondern gerade weil er uns liebt und für uns nur das Beste will.
Gott will für uns das Beste. Er hat seinen Weg, sein Ziel mit uns. Sein Wille ist gut für uns.
Nehmen wir an, bei all den biblischen Beispielen wären die Bitten so erfüllt worden, wie die Menschen es sich gewünscht hatten. Paulus wäre seinen Makel, seine Schwäche losgeworden, aber vielleicht wäre er dann hochmütig geworden. So wurde er immer daran erinnert, dass er auf die Gnade und Liebe Jesu angewiesen ist. Und das war wichtig für sein Leben. Hiob hätte Gott nicht neu kennen gelernt, Petrus wäre stolz und selbstherrlich geblieben und die Menschen hätten bei Lazarus nicht die Macht Jesu über den Tod gesehen.
So könnten wir auch Beispiele aus unserer Zeit hinzufügen: Ein Schüler bittet um eine gute Zensur, aber Gott sagt nein, denn sonst wirst du noch fauler. Wir bitten um Beendigung von Streit und Unfrieden in der Familie, aber Gott will uns erst zeigen, wie wir mitten im Unfrieden Frieden bei ihm finden, Freude im Leid. Wir wollen, dass jemand schnell gesund wird, aber Gott möchte, dass er vorher noch etwas in seinem Leben in Ordnung bringt, sein Leben verändert oder erst zum Glauben kommt.
Die Frage ist, ob wir Gott vertrauen, auch wenn er andere Wege mit uns geht, ihm vertrauen,
dass er es besser weiß, was gut für uns ist, dass sein Wille gut für uns ist. Vertrauen wir Gott, wenn er „nein“ sagt? Lassen wir uns auf ihn ein, wenn er „anders“ sagt? Sind wir geduldig, wenn er „später“ sagt? Sind wir bereit, uns zu verändern, wenn er „wachse“ sagt?

Zum Schluss noch eins: Wenn wir durch Jesus mit Gott verbunden sind und uns im Gebet voller Vertrauen an Gott wenden, unser Anliegen ihm anbefehlen, dann geschehen immer zwei Dinge in jedem Fall:
Wenn wir Gott unser Anliegen anbefehlen, dann kümmert er sich darum.
Wir können es abgeben. Es ist dann in seiner Hand. Und er wird es nach seinem Willen zum Ziel führen. In Psalm 31, 5 heißt es: „Befiehl dem Herrn deine Wege; er wird es wohl (gut) machen.“
Zum anderen geschieht dann immer: Jesus verbindet sich mit uns. Er verändert uns. Seine Kraft kommt im Heiligen Geist zu uns.
Und das ist viel wichtiger als jedes Anliegen, das wir haben, denn die Anliegen, die wir haben, sind nur für dieses Leben und oft nur für kurze Zeit, aber dass er sich mit uns verbindet, das ist wichtig für dieses Leben und für die Ewigkeit.


