Predigt zu Kolosser 1, 15-20
am 20. Sonntag nach Trinitatis
mit Segnung der Mitarbeiter
Ich beginne meine Predigt mit zwei Thesen:
1. Was Gott in Jesus Christus in die Welt gebracht hat, das soll auch in der Gemeinde sichtbar werden.
Das ergibt sich aus den Missionsbefehle jeweils am Ende der Evangelien in Matthäus 28, 18-20, Markus 16, 15, Lukas 24, 46-48, Johannes 20, 21 und auch in der Apostelgeschichte 1, 8. Aus allen Bibelstellen geht hervor, dass es unser Auftrag als Christen ist, die Botschaft Jesu in die Welt zu bringen.
2. Gemeinde wird das sein, was die Gemeinde glaubt, was Christus in die Welt gebracht hat.
Wenn wir glauben, dass Jesus vor allem eine politische Moral in die Welt gebracht hat, dann wird die Gemeinde mehr ein politischer Verein sein. Wenn für uns bei Jesus die Moral zur Verbesserung des Menschen im Vordergrund steht, dann geht es auch in der Gemeinde vor allem um Moral. Wenn wir meinen, Jesus hätte vor allem religiöse Gefühle geweckt, dann wird es auch in der Gemeinde vor allem um fromme Gefühle gehen. Wenn wir bei Jesus vor allem Gottes Gegenwart und das Erlösungswerk Gottes sehen, dann steht das auch in der Gemeinde im Vordergrund. Was uns bei Jesus wichtig oder weniger wichtig ist, das wird auch die Gemeinde prägen.
Die Bibel sagt: In Jesus ist nicht ein Teil Gottes in die Welt gekommen, oder eine Teilwahrheit für bestimmte Bereiche, sondern die ganze Wirklichkeit Gottes, die ganze Wahrheit, für alle Bereiche des Lebens und der Welt.
In Johannes 14, 6 sagt Jesus: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“
In Kolosser 1, 15-20 lesen wir:
15 Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor aller Schöpfung. 16 Denn in ihm wurde alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Mächte oder Gewalten; es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen. 17 Und er ist vor allem, und es besteht alles in ihm. 18 Und er ist das Haupt des Leibes, nämlich der Gemeinde. Er ist der Anfang, der Erstgeborene von den Toten, auf dass er in allem der Erste sei. 19 Denn es hat Gott gefallen, alle Fülle in ihm wohnen zu lassen 20 und durch ihn alles zu versöhnen zu ihm hin, es sei auf Erden oder im Himmel, indem er Frieden machte durch sein Blut am Kreuz.
Die ganze Fülle Gottes an Hoffnung, Freude, Frieden, Wegweisung, Geborgenheit und was es sonst in Gottes Welt gibt, ist in Jesus in die Welt gekommen. Was in ihm erscheint, überragt alles sonst in der Welt. Das alles ist mit Christus in diese Welt gekommen, als er auf der Erde gelebt hat.
Nun ist er selbst nicht mehr leiblich auf der Erde, und doch ist er noch leiblich auf der Erde.
Paulus bezeichnet die Gemeinde in mehreren Briefen als den Leib Christi, die leibliche Gegenwart des Auferstandenen auf der Erde. Die ganze Fülle Gottes soll in der Gemeinde sichtbar und erlebbar werden und ausstrahlen. Das gilt für jede christliche Gemeinde.
Wie ist das möglich? Gibt es eine Gemeinde, die so gut ist, gut genug für Gottes Wirklichkeit?
Eine Geschichte erzählt, als Jesus in den Himmel aufgefahren war, fragten die Engel Jesus, wie es denn nun weitergehen solle auf der Erde. Was ist dein Plan Jesus? Er antwortet: Mit meinen Jüngern wird es weitergehen. Die Engel fragen etwas irritiert, wie das denn funktionieren könne.
Wie soll dieser Plan Jesu aufgehen, funktionieren? Müssen wir uns mehr anstrengen, motivieren, antreiben oder mit neuen Konzepten die Gemeindearbeit beleben?
Fragen wir uns einmal, wie es bei Jesus möglich war, dass Gottes Welt in ihm sichtbar geworden ist.
Es geschah nicht durch gute menschliche Leistung oder einer besonderen Anstrengung, sondern weil Gott selbst in Christus da war. Der Geist Gottes hat in Jesus gewirkt, ihn bestimmt in seinen Gefühlen, Taten, Gedanken, Geborgenheit, Trost, Freude, Handeln, in seinem ganzen Leben.
So ist das auch bei uns möglich.
Der auferstandene Christus verbindet sich mit uns durch sein Wort, die Gegenwart im Abendmahl und durch seinen Heiligen Geist, der in uns und durch uns wirkt. Christliche Gemeinde strahlt nicht das aus, was Menschen leisten, sondern was der Heilige Geist wirkt. Wir sind nicht plötzlich bessere Menschen in der Gemeinde, sondern die Gegenwart Christi in uns und unter uns ist das Besondere an der Gemeinde. Aber was in Christus in einer Person von Gott gegenwärtig war, das ist in der Gemeinde nur als Gemeinde gegenwärtig. Es heißt nicht: „Du bist der Leib Christi“, sondern: „Ihr seid der Leib Christi“. Jesus hat viele Christen erwählt, gesandt und zu einer Gemeinschaft zusammengefügt. In gegenseitiger Ergänzung können und sollen wir Christus in der Welt sein.
Deshalb gehört zum Christsein immer das Leben in der christlichen Gemeinschaft. In der christlichen Gemeinschaft haben wir Anteil am großen Werk Gottes für diese Welt.
Wenn wir nun glauben, dass das, was Gott getan hat und tun will, wichtig ist für die Welt, für andere Menschen, damit sie die Wirklichkeit Gottes erfahren, den Trost, die Freude, die Hoffnung, alles andere und nach dem Tod in Gottes Ewigkeit kommen, dann verstehen wir, warum christliche Gemeinschaft so wichtig ist, damit Gott selbst in die Welt und zu Menschen kommt, so wie er es durch Jesus getan hat.
Dazu hat er Sie berufen, jeden Einzelnen.
Jesus sagt in Johannes 15, 16: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibt.“ Christus ruft uns in den Dienst seiner Gemeinde, um sein Werk fortzusetzen. Es ist nicht unsere Entscheidung, sondern seine. Wir können Ja sagen oder weghören.
Gott braucht Gemeinde, damit er zu den Menschen kommen kann, überall auf der Welt.
Es muss nicht unbedingt eine große Institution Kirche sein, aber Menschen, die sich als Gemeinde berufen lassen für das große göttliche Werk.
Lassen Sie sich dazu berufen von Jesus Christus
als einzelne Menschen und gemeinsam als Ausstrahlung in die Welt mit ihrer Persönlichkeit, unterschiedlichen Gaben und Fähigkeiten, Stärken und Schwächen? In Europa wird der Glaube an Jesus oft mit Füßen getreten, schlecht gemacht. Lassen Sie sich trotzdem berufen? Und auch in der Kirche gibt es ein großes Gejammere, dass alles weniger wird. Lassen Sie sich trotzdem berufen? Sie können sagen, dass so viel anderes zu tun haben, was Ihnen wichtig erscheint. Lassen Sie sich trotzdem berufen? Jeden Tag sollen wir neu seine Berufung, seinen Auftrag annehmen und dafür unser Bestes geben.
Wenn wir uns berufen lassen, lässt Jesus uns mit dem Auftrag nicht allein, sondern er füllt uns an mit seinem Geist.
Es ist ein Geist,
nicht der Verzagtheit, sondern der Kraft, der Liebe und Besonnenheit, der Begeisterung, Freude und Mut schenkt, der nicht verzweifelt, sondern hoffnungsvoll und zuversichtlich nach vorne schaut, der sich nicht von den Umständen und Widerständen leiten lässt, sondern von Gott selbst.
Jesus macht deutlich: Ihr braucht meine Kraft, denn ohne mich könnt ihr nichts tun, weil es hier nicht um ein menschliches Werk geht, sondern um Gottes Werk.
Der frühere amerikanische Präsident Obama hat mit dem Slogan „Yes, we can!“ Wählerstimmen geholt. Er hat es nicht gehalten. So gibt es viele Versprechen, die nicht eingehalten werden können. Aber Gott hält sein Versprechen. Er kann es. Mit der Kraft Gottes können wir an Gottes Werk mit bauen und all das, was der Geist Gottes gibt, haben.
Zwei Dinge müssen wir tun: Uns berufen lassen und Gott zur Verfügung stellen und uns für ihn öffnen und seinem Einfluss aussetzen.
Und dann können wir als Gemeinde Gottes Wirklichkeit leben und erleben. Und das ist wichtig: für uns, für einzelne Menschen, für die Welt.