Predigt zu Matthäus 10, 34-39 am 20. Sonntag nach Trinitatis

(Jesus sagt:) 34 »Denkt nicht, dass ich gekommen bin, Frieden in die Welt zu bringen. Nein, ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern Streit. 35 Ich bin gekommen, um die Söhne mit ihren Vätern zu entzweien, die Töchter mit ihren Müttern und die Schwiegertöchter mit ihren Schwiegermüttern. 36 Die nächsten Verwandten werden einander zu Feinden werden. 37 Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist es nicht wert, zu mir zu gehören. Wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist es nicht wert, zu mir zu gehören. 38 Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir auf meinem Weg folgt, ist es nicht wert, zu mir zu gehören. 39 Wer sein Leben festhalten will, wird es verlieren. Wer es aber um meinetwillen verliert, wird es gewinnen.«

Das ist ein „haariger“ Text, der so gar nicht zu unserem Bild von Jesus passt und bei dem man Bauchschmerzen bekommen kann.

Predigt zu Matthäus 10, 34-39 Lukas 18 Erbarmen Predigt zu Markus 12 - Kreuz mit Herzen -Liebe
Foto: Martina Heins

Ist Jesus nicht der Friedensbringer und voller Liebe, der auch immer Liebe gepredigt und gelebt hat? Er selbst hat uns doch das Doppelgebot, bzw. Dreifachgebot der Liebe in Matthäus 22, 34-40 gegeben und steht das, was Jesus hier sagt nicht auch im Gegensatz zum 4. Gebot „Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf daß dir’s wohlgehe und du lange lebest auf Erden.“ Nun ist hier von Streit, Entzweiung und Feindschaft die Rede, die Jesus bringt.
Doch gerade bei solchen Abschnitten, die uns schwer im Magen liegen, zeigt sich, ob wir Jesus ernst nehmen, dass wir es nicht gleich über Bord werfen und besserwisserisch ablehnen, sondern dass wir uns diesem Wort stellen und uns fragen:

Sagt Jesus uns hier vielleicht etwas Wesentliches, was wir bisher übersehen haben, weil es nicht zu unserem Bild von Jesus passt und weil auch in der Kirche so wenig davon geredet wird?

Wenn es um dieses Thema „Streit und Frieden“ geht, sehe ich immer zwei Gefahren des Glaubens:
  1. Der Glaube wird genutzt, um eigene Interessen auch mit Gewalt durchzusetzen.

So war es bei den Religionskriegen vom Mittelalter bis in unsere Zeit, aber es geschieht auch auf andere Weise viel subtiler, wenn wir uns mit dem Glauben ein schlechtes Gewissen machen, mit frommen Sprüchen den eigenen Vorteil suchen oder andere verurteilen und schlecht machen.

  1. Mit dem Glauben soll ein fauler Scheinfriede hergestellt werden,

nach dem Motto „Wir haben uns doch alle so lieb.“ Wir wollen dann mit jedem auskommen, jeder soll uns mögen, und das wird dann höher bewertet als das, was Gott uns zu sagen hat. Mir erscheint das als ein großes Problem in der Kirche und der Gesellschaft in unserer Zeit.

Beides sind Gefahren, die uns von der Treue zu Gott abbringen können, weil wir nicht mehr Gott an die erste Stelle setzen.

Jesus fordert uns nicht auf, Streit oder gar Krieg mit anderen Menschen zu suchen. Dann hätten wir ihn gründlich missverstanden. Aber er zeigt uns auf, was das für Folgen haben kann, wenn wir ihm nachfolgen, nämlich Feindschaft in der eigenen Familie, Auseinandersetzungen, Konflikte und sogar den Tod.

Predigt zu Matthäus 10, 34 - 39 Jesus Kreuz Kreuzgang Unfrieden
Foto: Martina Heins
Das sind Seiten des Glaubens, die wir nicht gerne wahrhaben wollen, nicht gerne hören,

aber dafür gibt es viele Beispiele, zum Beispiel Martin Luther King, Dietrich Bonhoeffer, Martin Luther, viele Missionare des 19. Jahrhunderts oder bekennende Christen im 3. Reich, die sogar durch Verwandte verraten wurden. Und ganz besonders erleben das viele Christen in islamischen Ländern heute. Die Kirchengeschichte ist voll davon, und viele uns unbekannte Menschen haben das erlebt.
Das beste Beispiel ist Jesus selbst: Jesus hat den Frieden gelebt, vergeben, ist ohne Vorurteile allen Menschen begegnet wie kein anderer, aber die Folge davon war Feindschaft, Einsamkeit, Verleumdung, Hass und der Tod. Hatte er selber schuld daran? Hätte er nicht nachgeben und Frieden schließen, mit allen auskommen müssen? Stattdessen war er stur und ist seinen von Gott bestimmten Weg geradlinig gegangen.

Die Alternative war entweder Gott treu sein oder einen faulen Frieden schließen.

Diesen Kampf zwischen den beiden Wegen sehen wir bei Jesus in Gethsemane.

Nachfolge Jesu erzeugt Feindschaft von denen, die sich um ihre Macht und ihren Einfluss sorgen.

Das kann von einzelnen Personen ausgehen, von staatlichen Stellen oder auch innerhalb der Kirche. Jesus weist uns darauf hin und sagt: Wundert euch nicht, wenn euch das innerhalb eures engsten Familien- oder Freundeskreises passiert. Steht dann trotzdem treu zu mir und macht keine falschen Kompromisse!

Wie sieht das bei uns aus?

Wir leben in vielen Beziehungen: Eltern-Kinder; Ehe, Nachbarn, Freunde, Vereine, und viele von diesen Beziehungen sind uns mehr oder weniger wichtig und wertvoll. Wir mögen die Menschen und wir möchten, dass sie uns mögen und anerkennen.

Was ist nun, wen wir in dieser Umgebung unseren Glauben bekennen bei Menschen, die nicht glauben?

Eine junge Frau erzählte, sie hätte sich zum Glauben an die Auferstehung bekannt und andere hätten sie darauf hin gefragt, ob sie einer Sekte angehöre. Oder ein Mann besuchte einen Glaubensgesprächskreis und wurde als fanatisch bezeichnet. Und wenn wir in der Kirche deutlich machen, dass Jesus und seine Botschaft in der Mitte stehen müssen, weil wir feststellen, dass Dinge nicht in Ordnung sind und der Sache Jesu schaden, dann kann es auch innerhalb der Kirche zu Anfeindungen kommen.

Wie gehen wir dann damit

Predigt zu Mattäus 10, 34 - 39 Micha 6.6-8 Hebräer 4 Bibel Lutherbibel
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um?

Fangen wir an, an der Bibel und an Jesus Aussagen solange herum zu feilen, bis es wunderbar hineinpasst in unsere Welt und wir dadurch auch nicht mehr anecken? Oder tauchen wir ab und sagen nichts? Denn wer zu weit den Kopf hochhält, bekommt etwas ab! Denken wir dann lieber: Es geht mich nichts an, so genau weiß ich nicht Bescheid, das sollen andere regeln? und gehen damit den bequemeren Weg. Oder nehmen wir das, was Jesus uns sagt, ernst und wollen mit aller Konsequenz ihm treu sein, auch mit allen möglichen Folgen, oder kneifen wir, wenn es unangenehm werden kann?

Für Jesus selbst war Gott in allem der letzte Maßstab.

Er ist keine faulen Kompromisse eingegangen, wollte keine Harmonie um jeden Preis, sondern hat deutlich Position bezogen und dabei seine Gegner zur Rede gestellt. Seine Rede hat die Menschen gespalten. Jesus hatte den Frieden in Gott, aber er bekam den Unfrieden in der Welt deutlich zu spüren.
Viele Christen, die ihm nachgefolgt sind, hatten den Frieden Gottes gefunden und Unfrieden in der Welt bekommen, weil das Wort Gottes Widerspruch und sogar Feindschaften hervorrufen kann. Das wird deutlich im Alten Testament bei den Propheten, im Neuen Testament bei Paulus, den ersten Jüngern, und oft kam der Ärger aus dem eigenen Volk Gottes, der eigenen Gemeinde.

Predigt zu Matthäus 10, 34 - 39 Solus Christus Allein Christus
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Und Jesus fragt uns:  

Was habt ihr mehr lieb: eure Beziehungen oder mich? Was ist euch wichtiger: die Zuwendung der Menschen oder meine Nähe? Wenn ihr mir konsequent nachfolgt, müsst ihr damit rechnen, dass ihr Menschen verliert, die euch wichtig sind, dass sie sogar eure Gegner werden.
Noch einmal: Es geht nicht darum, dass wir Streit provozieren, sondern um die Frage, was uns wichtig ist. Jesus geht noch weiter und fragt auch uns: Was habt ihr mehr lieb, euer Leben, eure Ehre und Anerkennung, eure Stellung, euer physisches Leben, oder mich?

Überlegen Sie einmal, wo Sie mehr gewinnen können.

In der Nachfolge Jesu verlieren wir eine kaputte Welt, wo am Ende der Tod steht, die Sünde und ein schlechtes Gewissen, Machtgier und Selbstsucht, Unfrieden mit sich selbst und Angst. Aber wir gewinnen ewiges Heil und ein Leben bei Gott, Vergebung und befreites Leben, im Frieden und der Liebe Gottes leben, werden von Gott wertgeschätzt und angenommen, bekommen Geborgenheit und Gelassenheit und vieles mehr.

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Jesus erscheint manchmal hart mit seinen Worten. Er ist kein „Softie“.

Er passt so gar nicht in unsere Welt, in der alle von Toleranz reden und viele damit eigentlich nur ihre eigene Meinung durchdrücken möchten oder dahinter ihre Feigheit und Bequemlichkeit verstecken wollen und vergessen, dass wir um Christi willen Position beziehen sollen, damit Menschen den richtigen Weg finden, den Weg zu Gott.
Und so steckt auch in den scheinbar harten Worten Jesu seine unendliche Liebe. Er möchte, dass wir im Glauben und in der Nachfolge nicht lau werden, sondern immer treu zu ihm stehen und am Ende in seine Ewigkeit kommen.

Die Frage bleibt: Wem vertrauen wir:

dem „sanften Gerede“ mancher Menschen, die uns einen Scheinfrieden verkaufen wollen oder Jesus, der uns keinen Honig um den Bart schmiert, sondern die Wahrheit sagt, auch wenn es unbequem ist?

Predigt zu Matthäus 10, 34-39
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