Predigt zu Apostelgeschichte
9, 1-9
– Teil 2
am 9. Sonntag nach Trinitatis

Unter diesem Link finden Sie Teil 1 der Predigt zu Apostelgeschichte 9, 1-9

1 Saulus aber schnaubte noch mit Drohen und Morden gegen die Jünger des Herrn und ging zum Hohenpriester 2 und bat ihn um Briefe nach Damaskus an die Synagogen, dass er Anhänger dieses Weges, Männer und Frauen, wenn er sie fände, gefesselt nach Jerusalem führe. 3 Als er aber auf dem Wege war und in die Nähe von Damaskus kam, umleuchtete ihn plötzlich ein Licht vom Himmel; 4 und er fiel auf die Erde und hörte eine Stimme, die sprach zu ihm: Saul, Saul, was verfolgst du mich? 5 Er aber sprach: Herr, wer bist du? Der sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgst. 6 Steh auf und geh in die Stadt; da wird man dir sagen, was du tun sollst. 7 Die Männer aber, die seine Gefährten waren, standen sprachlos da; denn sie hörten zwar die Stimme, sahen aber niemanden. 8 Saulus aber richtete sich auf von der Erde; und als er seine Augen aufschlug, sah er nichts. Sie nahmen ihn aber bei der Hand und führten ihn nach Damaskus; 9 und er konnte drei Tage nicht sehen und aß nicht und trank nicht. 

Zunächst will ich in drei kurzen Sätzen wichtige Inhalte aus der ersten Predigt zu Apostelgeschichte 9, 1-9 zusammenfassen: Es gibt Irrwege im Leben, die wir für richtig halten und richtige Wege, an denen wir achtlos vorbeigehen. Meinen Sie, dass Sie Gottes Stimme für Ihren Alltag brauchen, um den richtigen Weg zu gehen? Jesus spricht uns an, nicht um uns eine Moral zu geben, sondern um mit uns eine persönliche Beziehung aufzubauen oder zu vertiefen.

Was passiert nun, wenn Gott einen Menschen anspricht?

Die Antwort finden wir bei Paulus: Er wird blind!

Bei Blindheit geht es hier nicht nur um die körperliche Einschränkung, nichts mehr sehen zu können, sondern auch um den übertragenen Sinn, dass wir nichts mehr erkennen, nicht mehr wissen was richtig und falsch, wichtig und unwichtig ist.
Vorher wusste Paulus immer ganz genau, was richtig und falsch ist, wie man sich zu verhalten hat. Er kannte die Lehren über Gott und wie man alles zu verstehen hat, denn er hatte es studiert und war ein frommer Mann. Nun war alles zerbrochen. Nichts galt mehr. Alles war durch die Begegnung mit Christus ungültig geworden. Später schreibt er in Philipper 3, 7+8: „7 Aber was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden erachtet. 8 Ja, ich erachte es noch alles für Schaden gegenüber der überschwänglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn. Um seinetwillen ist mir das alles ein Schaden geworden, und ich erachte es für Dreck, auf dass ich Christus gewinne.“ Nach der Begegnung mit Christus musste Paulus bei „Null“ anfangen und sich führen lassen. Er war hilflos wie ein Blinder.

Wenn Gott uns anspricht und dadurch unser Leben verändern will, dann ist das so, dass erst einmal das Alte zusammenbricht.

Was ist das Alte bei uns?

Jeder Mensch hat Sehnsucht nach Halt, denn unser Leben wird weitgehendst von der Angst bestimmt, es nicht mehr im Griff zu behalten. Oft geschieht das ganz unbewusst. Darum suchen wir Halt, zum Beispiel in der Beziehung zu Menschen, in der eigenen Kraft, dem eigenen Können oder in Gewohnheiten, Prinzipien, Überzeugungen, die uns Orientierung geben. Das soll uns Sicherheit geben.
Wir ordnen das Leben geistig, in Beziehungen, moralisch in wichtig und unwichtig, richtig und falsch, gut und schlecht. Das gibt uns Sicherheit und ist unsere menschliche Antwort auf die Sehnsucht nach Halt. Denn was uns Sicherheit gibt, überwindet unsere Angst, und deshalb sind wir an den Punkten nur ungern bereit, uns zu verändern.

Wenn nun Gott uns anspricht, dann will er uns einen neuen Halt in der Beziehung zu ihm geben,

eine neue Sicherheit und eine neue Orientierung. Wenn Gott uns anspricht und wir uns darauf einlassen, dann entdecken wir, dass die alten Sicherheiten nur scheinbare Sicherheiten sind. Sie können schnell zerbrechen. Was Gott uns gibt ist dagegen auf ewig gültig und haltbar.

Ich kenne das aus eigener Erfahrung:

Zu Beginn meines Studiums wollte ich alles genau wissen, alle Aussagen der Bibel und die Lehren der Kirche verstehen. Außerdem wollte ich ganz genau wissen, wie man sich als Christ in verschiedenen Lebenssituationen zu verhalten hat, um dann danach zu leben.  Davon erhoffte ich mir Sicherheit im Verhältnis zu Gott und in meiner Lebensgestaltung, bis ich eines Tages begriff, dass das weder möglich ist noch mir wirklich Sicherheit bringt. Was zählt und wirklich Sicherheit bringt, ist allein die Liebe und Gnade Gottes.

So ist das, wenn Gott mit uns redet.

Das Alte zerbricht, woran wir uns festhalten, und wo wir Orientierung suchen. Es entsteht zunächst eine innere Leere. Wir müssen erkennen: Ich weiß nichts, ich bin nicht besser als andere. Ich bin einzig und allein abhängig von Gottes Gnade und Liebe.

Wenn man den Zerbruch in sich zulässt, dann füllt Gott uns neu an mit seiner Liebe, mit der Gewissheit, dass es seine Gnade ist, die uns hält, die uns Selbstbewusstsein und die Hoffnung auf die Ewigkeit gibt.

Die Frage ist, ob wir das zulassen, dass das Alte zerbricht.

Es ist für uns oft nicht so einfach. Es kann wehtun, denn wir haben ja immer darauf vertraut, dass es uns Sicherheit gibt. Und nun sagt Gott: Vertraue mir, dass meine Sicherheit besser für dich ist.

So versuchen wir häufig das, was wir an menschlichem Halt aufgebaut haben, an menschlicher Orientierung und alle menschlichen Sicherheiten mit einzubeziehen in den Glauben.

Wir erhoffen uns dann von Gott, dass er uns hilft, unsere menschlichen Sicherheiten zu stützen, zum Beispiel wenn Beziehungen, die uns Sicherheit gaben, zu zerbrechen drohen, dann bitten wir Gott um Hilfe, oder bei gesundheitlichen oder wirtschaftlichen Problemen. Und manchmal sind wir enttäuscht, wenn er es nicht tut und fragen: „Wie kann Gott das zulassen?“ „Warum tut er nichts, ich habe doch gebetet.“

Aber Gott ist keinErgänzungstarif“ zu unserem menschlichen Leben, sondern er schafft neues Leben.

Ergänzungstarife decken bei Versicherungen ab, was der Grundtarif nicht abdeckt. Gott deckt nicht ab, was uns noch fehlt, sondern er will in uns eine ganz neue Sicherheit schaffen durch die Beziehung zu ihm.
Das
ist der Grund, warum sich viele Menschen nicht richtig auf den Glauben einlassen können – oder warum Menschen sich nicht auf Veränderungen durch den Glauben einlassen, zum Beispiel Veränderung von Meinungen, Gewohnheiten oder Verhaltensweisen.
Das
ist der Grund, warum es auch unter Christen oft so starr und unbeweglich zugeht, warum Christen sich auch über nebensächliche Dinge streiten, warum oft unter Christen so wenig von der Freude zu spüren ist. Deshalb sagt Jesus: Die Sünder, die Ausgestoßenen finden leichter zu Gott, denn bei ihnen ist schon alles zerbrochen.

Können sie das zulassen, dass Sie „blind“ werden wie Paulus und das Alte zerbricht und können Sie sich richtig über Gottes Gnade und Liebe freuen?

Wenn wir das zulassen, dann beginnt Gott bei uns etwas Neues zu schaffen, manchmal ganz langsam, manchmal spürbar,

einen neuen Halt, der aus der Ewigkeit kommt und nicht zerbricht, eine neue Orientierung, die von dem kommt, der uns gutes ewiges Leben gibt, einen neuen Sinn, der dem Bild Gottes entspricht, eine neue Hoffnung, die bis in die Ewigkeit reicht und eine neue Freude, die auch im Leid durchträgt. Paulus schreibt in 2. Korinther 5, 17: „Darum ist jemand in Christus, so ist er eine neue Schöpfung. Das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“

Es lohnt sich, sich auf Gottes Wort an uns einzulassen, es lohnt sich, darum zu ringen, dass wir Gottes Stimme in unserem Leben hören und unser Leben neu danach ausrichten!

Unter diesem Link finden Sie Teil 3 der Predigten über Apostelgeschichte 9, 1-9

Predigt zu Apostelgeschichte 9, 1-9 – Teil 2
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