Predigt zu Apostelgeschichte
9, 1-9
– Teil 3
am 10. Sonntag nach Trinitatis

Unter diesen Links finden Sie Teil 1 und 2 der Predigten über Apostelgeschichte 9, 1-9:
Predigt zu Apostelgeschichte 9, 1-9 – Teil 1
Predigt zu Apostelgeschichte 9, 1-9 – Teil 2

1 Saulus aber schnaubte noch mit Drohen und Morden gegen die Jünger des Herrn und ging zum Hohenpriester 2 und bat ihn um Briefe nach Damaskus an die Synagogen, dass er Anhänger dieses Weges, Männer und Frauen, wenn er sie fände, gefesselt nach Jerusalem führe. 3 Als er aber auf dem Wege war und in die Nähe von Damaskus kam, umleuchtete ihn plötzlich ein Licht vom Himmel; 4 und er fiel auf die Erde und hörte eine Stimme, die sprach zu ihm: Saul, Saul, was verfolgst du mich? 5 Er aber sprach: Herr, wer bist du? Der sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgst. 6 Steh auf und geh in die Stadt; da wird man dir sagen, was du tun sollst. 7 Die Männer aber, die seine Gefährten waren, standen sprachlos da; denn sie hörten zwar die Stimme, sahen aber niemanden. 8 Saulus aber richtete sich auf von der Erde; und als er seine Augen aufschlug, sah er nichts. Sie nahmen ihn aber bei der Hand und führten ihn nach Damaskus; 9 und er konnte drei Tage nicht sehen und aß nicht und trank nicht. 

Zunächst will ich in kurzen Sätzen wichtige Inhalte aus der ersten und zweiten Predigt zu Apostelgeschichte 9, 1-9 zusammenfassen: Es gibt Irrwege im Leben, die wir für richtig halten und richtige Wege, an denen wir achtlos vorbeigehen. Meinen Sie, dass Sie Gottes Stimme für Ihren Alltag gebrauchen, um den richtigen Weg zu gehen? Jesus spricht uns an, nicht um uns eine Moral zu geben, sondern um mit uns eine Beziehung aufzubauen oder zu vertiefen.

In der zweiten Predigt ging es um die Frage: Was passiert, wenn Jesus einen Menschen anspricht? Die Antwort lautete: Jesus macht uns im übertragenen Sinn erst einmal „blind“. Alles, was wir vorher voller Überzeugung als richtig und falsch angesehen haben, was uns Sicherheit und Orientierung gegeben hat, wird in Frage gestellt. Jesus schenkt uns dann eine neue Wahrheit, ein neues Leben mit einer ewigen Sicherheit und Orientierung.

Heute geht es um die Frage: Was will Jesus bezwecken, wenn er einen Menschen anspricht?

Die Antwort lautet: Jesus will uns für seine Sache gebrauchen.

In der Sportsprache würde es heißen: Jesus will uns in seine Mannschaft aufnehmen und dort einen bestimmten Platz geben.

Um darauf einzugehen, was das bedeutet, will ich zunächst auf ein Missverständnis eingehen:

Manche Christen denken dabei sofort, dass sie mehr in der Kirche mitarbeiten und für sie etwas tun sollen. Eine Frau sagte mir einmal: „Ich kann nicht mehr, ich habe doch auch noch Familie, meine Arbeit und bin in einem Verein aktiv. Ich kann nicht noch mehr Zeit für die Kirche aufwenden.“ Dahinter steht dann der Gedanke: Glaube und Kirche gehört zusammen, und der Rest ist glaubensfreie Zone. In der Kirche ist Gott, aber sonst hat das Leben mit Gott nichts zu tun. Viele Menschen lassen sich nicht mehr auf den Glauben ein, weil sie Angst haben, sie müssten dann nur noch in der Kirche sitzen und würden das mit den anderen Dingen des Lebens nicht mehr vereinbaren können. Wenn es heißt, Gott will dich gebrauchen, dann geht es nicht darum, von der Kirche vereinnahmt zu werden!

Die Frage ist: Wofür leben Sie:

für die Familie, für die Arbeit, Haus und Garten, Vergnügen, Kirche, oder für alles ein bisschen? Paulus lebte für seine frommen Vorstellungen, Gesetze und Regeln, und er meinte, damit etwas Gutes für Gott und die Menschen zu tun, aber es war nicht so.

Nun kommt bei Paulus durch die persönliche Begegnung mit Jesus die Wende. Jesus macht ihm deutlich: Du sollst für mich leben. Das sagt er auch uns!

Was ist damit gemeint?

Gott hat angefangen, in der Welt etwas zu tun, weil er sich die Welt und unser Leben anders vorstellt als es ist. Mit Abraham hat er in 1. Mose 12 neu angefangen, sein Heil in die Welt zu bringen, aber erst mit Jesus ist sein vollkommenes Heil in die Welt gekommen. Durch Jesus können Menschen dieses Heil in Liebe, Annahme und Vergebung erfahren, und in heilen Beziehungen zu Gott, zu sich selbst, zum Nächsten und mit der Natur leben. Man kann es auch als Leben im vierfachen Frieden bezeichnen. Alles, was bei Jesus zu sehen ist, gilt nun auch für Menschen, die ihm folgen.

Nun braucht er Menschen, die dieses Werk fortsetzen, und die darauf hinweisen, wo es das Heil Gottes gibt. Die Quelle des neuen Lebens ist Jesus.

Stellen wir uns eine Wüste vor, die fruchtbar werden soll: Alles ist trocken und ohne Leben. Nun macht einer eine Bohrung und findet Wasser. Jetzt werden Menschen gebraucht, die das Wasser verteilen und anderen den Weg zur Quelle zeigen.

So braucht Gott Menschen, die sein Heil in der Welt verteilen und anderen zeigen, wo sie dieses Heil finden können. Darum braucht Gott auch Sie heute!

Wie sieht das aus?

Bei Paulus bedeutete es eine völlige Lebensveränderung: Wohnort, Freundeskreis, Lebensstil, Arbeit, alles veränderte sich. Und doch entspricht das, was Gott mit Paulus vorhatte den Begabungen und Fähigkeiten, die er hatte: geistige und handwerkliche Fähigkeiten, er war ein guter Lehrer, konnte mehrere Sprachen und hatte Durchsetzungsvermögen. So erhielt Paulus von Gott seine besondere Aufgabe.
Auch heute passiert es noch, dass Menschen ihr ganzes oder große Teile ihres Lebens verändern, wenn Gott sie anspricht. Ich kenne das aus eigener Erfahrung. Meistens jedoch geht es in der gleichen Umgebung weiter, denn Gott braucht überall Menschen, um sein Heil auszubreiten, aber immer gebraucht Gott uns so wie es unseren Begabungen und Fähigkeiten entspricht.

Wie das ganz konkret aussieht, das bekommen wir nur raus, wenn wir uns auf Christus neu einlassen,

indem wir uns zum Beispiel um bestimmte Menschen kümmern oder auch im Beruf Zeit und Herz für die Sorgen der Kunden oder Kollegen haben, zum Beispiel als Steuerberater, Gastwirt oder in der Fabrik. Im Arbeitsleben können Christen oft gute Seelsorger sein. Natürlich können wir auch Aufgaben in der Gemeinde wahrnehmen oder uns in besonderer Weise um die Familie kümmern.

Jeder muss Gott fragen: Was willst Du, was ich mit dem, was du mir gegeben hast, machen soll, zum Beispiel meiner Kraft, Zeit, Gaben, Geld, Menschen, Freude oder Erfahrung?

Gott will Sie mit allem für seine Sache gebrauchen.

Zum Beispiel ältere Menschen:

Gott gebraucht sie für seine Sache. Manche fragen sich: Wofür bin ich in meinem Alter noch zu gebrauchen? Neben den unterschiedlichen Gaben, die jeder von uns hat, haben Sie alle etwas Wichtiges und sehr Wertvolles: einen großen Schatz an schöner und tiefer Lebenserfahrung. Und wenn sie den vom Glauben her verstehen bedeutet das einen unsagbaren Reichtum, den Sie mit anderen teilen können.

Oder junge Menschen:

Viele junge Menschen fragen nach dem Sinn des Lebens. Dabei wird viel Vordergründiges angeboten. Meistens endet das damit, dass man aufhört zu fragen und sich einrichtet. Gott braucht euch, da wo ihr lebt und in der Gemeinde. Und die Menschen um euch herum brauchen Gott – durch euch. Ihr gestaltet die Zukunft mit, und wenn die Zukunft gut sein soll, dann darf sie nicht ohne Gott sein, ohne seine Liebe, ohne seine Orientierung.

Und Menschen im mittleren Alter:

Sie haben Ihr Leben eingerichtet mit Routine, Gewohnheiten und Stress. Sie schaffen sich Höhepunkte, um aus dem Stress und der Routine herauszukommen, und manchmal fragen sie sich: Wofür ist das alles gut? Meinen Sie nicht, dass es sich lohnt, sich von Gott noch einmal herausfordern zu lassen und Ihre Gaben und Fähigkeiten einzusetzen für Gottes Sache? Gott hat Ihnen so viel gegeben. Wofür gebrauchen Sie es?

Wofür leben Sie? Gott spricht sie an und sagt Ihnen: Ich brauche Dich für meine Sache. Ist es nicht eine besondere Ehre, wenn wir für den allmächtigen Gott leben können. Ein sinnvolleres Leben gibt es nicht.
Predigt zu Apostelgeschichte 9, 1-9 – Teil 3
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bei Paulus