Predigt zu Johannes 21, 15-19
am 16. Sonntag nach Trinitatis – Thema: „Umgang mit eigenen Fehlern“ 

Die Frage in dieser Predigtreihe lautet: Wie gehen wir am besten mit all den Dingen um, die wir in der Vergangenheit erlebt haben? Wir nehmen alles Erlebte bewusst oder unbewusst mit in die Zukunft. Die Frage ist nur, ob es Ballast wird, den wir mitschleppen müssen, oder ob es Reichtum wird, der uns hilft, das Leben besser zu gestalten. Wie können wir also das Beste aus dem machen, was wir aus der Vergangenheit mitnehmen?

Heute soll es um den Umgang mit unseren Fehlern gehen.

Wir haben alle das Ziel im Leben, ein sinnvolles und gutes Leben zu haben.

Was es für den Einzelnen bedeutet, ist unterschiedlich, zum Beispiel Selbstwertgefühl zu haben und glücklich zu sein, Möglichkeiten zu haben, das Leben zu gestalten, die Probleme des Lebens bewältigen zu können und in die Ewigkeit zu kommen. Dafür tun wir alles, setzen unsere ganze Kraft, Gaben und Fähigkeiten ein, was wir gelernt haben, unsere Schulbildung, beruflichen Erfolg, angesehen sein, Beziehungspflege, unsere Freundschaften und vieles mehr. Alles soll uns dabei helfen, unser Ziel zu erreichen. Manchmal haben wir das Gefühl, wir haben es ein bisschen erreicht, mal mehr, mal weniger und je nach Erfolg sind wir glücklich oder unglücklich.

Dagegen stehen nun unsere Fehler, wodurch wir uns behindern, ein sinnvolles und gutes Leben zu führen.

Sie gefährden den Erfolg. Viele bemerken wir, aber wahrscheinlich genauso viele bemerken wir gar nicht. Manche sind klein, sie haben wenig Folgen und sind schnell wieder vergessen, zum Beispiel ein falsches Wort oder wenn wir uns in den Finger schneiden. Es können aber auch größere vorkommen, die wir vielleicht erst viel später bemerken und bei denen auch die Folgen erst später zu spüren sind, zum Beispiel die Berufswahl oder Entscheidungen im Berufsleben, eine falsche Entscheidung bei der Partnerwahl oder Fehler in der Kindererziehung. Das sind die Fehler, die wir machen.

Dann gibt es noch die Dinge an uns, die wir selbst oder andere bei uns als Fehler ansehen

als Makel, die wir haben. Jemand ist vielleicht schnell aufbrausend oder phlegmatisch, faul oder zu ehrgeizig, hat Probleme in der Familie in Gegenwart oder Vergangenheit, ist ein schlechter Schüler, der nicht lernen kann, oder kann bestimmte Dinge nicht so, wie man es von ihm erwartet.

So steht beides gegenüber für unser Ziel, ein gutes und sinnvolles Leben zu haben: die eigene Kraft und Erfolge und die Fehler und Makel. Was ist stärker, was gewinnt?  

Uns begleitet die Angst, wenn wir zu viele Fehler machen oder zu viele negative Dinge an uns entdeckt werden, die in den Augen anderer Menschen als Makel gelten, dass es dann immer schwieriger wird, das Ziel zu erreichen.

So stehen wir in ständigem Kampf zwischen Erfolg und Fehler!

Deshalb haben wir viele Methoden entwickelt, um unsere Fehler zu verdecken, aber wir selbst kennen sie. Als Christen hoffen wir auf Vergebung, dass Gott unsere Fehler ausbügelt, und dann geht es so weiter, aber das geht nicht.

Wir haben das Ziel vor Augen! Wenn wir aber dabei auf unsere Möglichkeiten, Gutes zu tun, Erfolge zu haben und auf unsere guten Eigenschaften vertrauen, dann werden wir auch die Fehler, die wir haben oder machen nicht los und haben die Folgen mit uns herumzuschleppen.

Es gibt nur einen Weg, wie wir von der Last der Fehler und ihrer Folgen frei werden können: Das ist der Weg des Glaubens, der liebenden Hingabe an Jesus Christus.

Am Beispiel von Petrus wollen wir dem ein bisschen nachgehen:

Petrus hatte eine bescheidene berufliche Existenz, bevor er Jesus kennenlernte. Damit hätte er ein bisschen glücklich werden können. Dann hatte er seinen Beruf aufgegeben, weil er gehofft hatte, er würde mit Jesus, das Ziel, ein sinnvolles und glückliches Leben zu haben, besser erreichen, vielleicht als Minister in der Führungsriege Jesu, denn er war ein führender Jünger. Die Chancen standen nicht schlecht. Aber dann beging er einen großen Fehler: Er hatte Jesus verleugnet, die Freundschaft verraten, und dabei war er so davon überzeugt, ein guter Nachfolger Jesu zu sein. Als Jesus nun tot war, hatte er gar nichts mehr und erfragte sich, ob es ein Fehler gewesen war, die berufliche Existenz aufzugeben. Als Jesus auferstanden war, war für ihn die große Frage, ob Jesus mit diesem großen Fehler noch etwas mit ihm zu tun haben wolle.

Welche Chancen hatte er noch? Er hatte Angst, dass seine Fehler sein Leben zerstören würden, dass es nun immer schwerer werden würde, das Ziel noch zu erreichen.

Nun begegnet er Jesus. Darüber wird in Johannes 21, 15-19 berichtet.

15 Da sie nun das Mahl gehalten hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr, als mich diese lieb haben? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Lämmer! 16 Spricht er zum zweiten Mal zu ihm: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schafe! 17 Spricht er zum dritten Mal zu ihm: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb? Petrus wurde traurig, weil er zum dritten Mal zu ihm sagte: Hast du mich lieb?, und sprach zu ihm: Herr, du weißt alle Dinge, du weißt, dass ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schafe! 18 Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Als du jünger warst, gürtetest du dich selbst und gingst, wo du hinwolltest; wenn du aber alt bist, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und führen, wo du nicht hinwillst. 19 Das sagte er aber, um anzuzeigen, mit welchem Tod er Gott preisen würde. Und als er das gesagt hatte, spricht er zu ihm: Folge mir nach!

Jesus redet nicht von den Fehlern, oder von seinen früheren guten Taten, sondern lenkt seine Gedanken in eine andere Richtung und fragt. „Hast du mich lieb?“

Mit diesem einfachen Satz fragt Jesus Petrus: Petrus, wenn es darum geht, dass du ein gutes und sinnvolles Leben hast, willst du dann weiter auf das hoffen, was du kannst und bist und dabei deine Fehler mit deinen Pluspunkten ausgleichen, oder willst du meinen Weg gehen, durch meine Liebe zu dir und deiner Liebe zu mir, dass du mir vertraust und dein Leben in meine Hand gibst, mit allem, deinen Gaben und Fähigkeiten und deinen Fehlern und was sonst alles nicht so hundertprozentig ist? Liebst du mich so sehr, dass du mir alles gibst, dein ganzes Leben, dann werde ich dich gebrauchen und dir ein gutes und sinnvolles Leben geben, nicht so wie du es dir vorstellst oder was andere Menschen meinen, sondern ein gutes und sinnvolles Leben nach meinem Plan.

Es ist eine Frage des Vertrauens:

Vertraue ich auf meine Pläne für ein gutes und sinnvolles Leben, meine Kräfte, dass ich gut bin, dann zählen auch meine Fehler und ich muss die Folgen meiner Fehler mit mir herumschleppen, mein ganzes Leben lang bis ins Gericht Gottes, oder vertraue ich auf Christus, dass er einen guten Plan für mich hat, auf seine Kraft,             und darauf dass sein Weg mit mir gut ist, dann haben meine guten Taten und auch meine Fehler keine Bedeutung mehr, weder für Gott, noch für mein Leben hier, noch für die Ewigkeit, sondern nur noch das, was er tut und ist und was er will für dieses Leben und für die Ewigkeit.

Dann bin ich frei. Das ist Vergebung! Es hat keine Bedeutung mehr. Das ist Gnade!

Für mich hat dann nur noch Christus Bedeutung. Dann kann ich anfangen, Gutes zu tun, nicht weil ich gut sein will, sondern weil ich Jesus von ganzem Herzen liebe. Darum will ich mein Bestes geben. Was mich anspornt ist nicht mehr mein Leben, sondern die Liebe zu ihm. Dann muss ich keine Angst mehr haben vor neuen Fehlern. Wenn ich Fehler mache, dann kann ich ruhig darüber nachdenken und lernen, dass ich es nächstes Mal besser mache.

Als Christen leben wir oft so, dass wir, wenn es um die Ewigkeit geht, auf Gott vertrauen und wenn es um das Leben hier geht, doch lieber auf uns selbst, aber das geht nicht.

Wir können und müssen uns entscheiden, worauf wir vertrauen wollen: Entweder wir vertrauen uns und schleppen die Last mit, oder wir vertrauen Jesus, lieben ihn, geben unser Leben in seine Hand, dann sind wir frei.

Dass wir immer wieder feststellen, dass es mit unserem Vertrauen nicht so weit her ist, damit haben wir unser ganzes Leben zu tun, aber die Grundentscheidung müssen wir fällen. Dann können wir jeden Tag neu anfangen.

Predigt zu Johannes 21, 15-19
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